MEGAPHON IN TON/Juni 2010/
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Manu Devla : Manu Devla  (© Mavric)

„Si, si, si“

Von: Christof Huemer

MANU DEVLA. Die Balkan-Band covert die Mutter des Gypsy-Soul und macht Stimmung mit Stimme.

Ende April wurde die Balkanmusik-Gemeinde von der Nachricht erschüttert, dass Ljiljana Buttler einem Krebsleiden erlegen war. Buttler, gerne „Grande Dame des Balkan-Blues“ genannt, wurde 1944 als Tochter eines Akkordeon-Virtuosen und einer Sängerin in Belgrad geboren und avancierte in den 1980ern zu einem jugoslawienweit bekannten Star. 1987 aber vertrieb sie der Krieg nach Deutschland, wo Buttler die Musik völlig aufgab. Erst 2002 ließ sie sich überreden, wieder zu singen. Ihr furioses Comeback „Mother of Gypsy Soul“ machte Buttler über die Grenzen Ex-Jugoslawiens hinaus bekannt.
„Si, si, si“, ein Song aus „Mother of Gypsy Soul“, liegt hier nun in der Version von Manu Devla vor. Manu Devla, so Gitarrist Muamer Gazibegovic, gemeinsam mit Nino Skiljic und Vladimir Vesic der harte Kern der Band, „versteht sich als Plattform für junge Musiker aus Ex-Jugoslawien. Devla heißt in der Roma-Sprache Gott.“ Und Manu? Wurde spontan von „Manu Chao“ ausgeborgt und nicht zurückgegeben. Gegründet wurde die mitunter zehnköpfige Fraktion 2006. Man servierte gut trinkbare traditionelle Stücke, erweiterte sie um persönliche Vorlieben und Einflüsse zu Balkanpop- oder Balkanjazz-Hits und erspielte sich in kurzer Zeit einen gut abgesicherten Bekanntheitsgrad. Die Funktion als offene Plattform aber stand höheren Zielen stets im Weg. „Doch wir sind  dabei, Manu Devla aufzuwecken“, verspricht nun Gazibegovic, mit seiner Hauptband La Cherga immerhin Inhaber des Preises der deutschen Schallplattenkritik. Man mag das für die MEGAPHON-CD extra eingespielte Cover als Pfand dafür werten.
Das spannungsgeladene „Si, si, si“ jedenfalls wechselt zwischen klagendem Rubato und 2/4-Takt und war ideal für die unwahrscheinlich kühle, fast männliche Stimme Buttlers. Manu Devla verlegt nun diese Ballade im Verbund mit seiner polnischen Sängerin Pirjo Kalinowska aus der verrauchten Bluesbar in die etwas geräumigere Jazzkneipe und tänzelt gekonnt zwischen elegantem
Swing und wehklagendem Gänsehaut-Blues. Charmant.

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