MEGAPHON IN TON/Mai 2010/
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Binder & Krieglstein: Binder & Krieglstein (© Gubisch)

Puddl di ein

Von: Christof Huemer

BINDER & KRIEGLSTEIN. Rainer Binder-Krieglstein erfindet mit „Puddl di ein“ hiesige Volksmusik als elektronischen Pop neu. Was er gar nicht mag: Lokalchauvinismus

Dass die Gegenwart der populären Musik in ihrer unmittelbaren Vergangenheit liegt, beweist gerade das inzwischen vierte Achtziger-Revival. Dass aber die Zukunft des Pop immer noch tief in dessen Wurzeln steckt, das beweist gerade Rainer Binder-Krieglstein. Dessen bisheriges Wirken könnte man als bekannt voraussetzen. Angesichts seines an Konversionen nicht armen Lebenslaufs sei aber gesagt, dass der 1969 geborene Ex-Schlagzeuger von Größen wie Toxic Lounge oder Fetish 69 zum ersten Mal 2002 kompositorisch auffällig wurde. Sein unter „Binder & Krieglstein“ veröffent­lichtes Debüt „International“ mag kaum jemand nicht, der modebewusste Grazer wurde österreichweit bekannt. Es folgte „Trip“, ein stilistisch breitgefächertes Werk, dem ein wenig das Kraftzentrum fehlte. 2007 kam „Alles Verloren“, ein vom auch in Graz wohlgelittenen Balkanparty-Pionier Shantel produziertes Werk, das Schnurgerades mit Clubtauglichem vereinte.
Dieses Frühjahr erschien dann „New Weird Austria“, ein Volksmusik-Album. Und da sich das Wort „Volksmusik“ immer anfühlt, als würde einem gerade ein besonders fie­ser Schnauzer wachsen … noch einmal: Binder & Krieglstein hat ein Album mit Volksmusik gemacht. Allerdings keines, das die im ländlichen Raum einst gelebte und geschätzte Praxis durch Entziehung jeglicher Hysterie und Widerständigkeit zur entsetzlichsten Musik der Erde macht und somit ideal fürs Regionalradio ist. B&K hat eine im Nachhinein vollkommen logische Fusion geschaffen und Track für Track radikal neue Entwürfe für zeitgenössische Volksmusik mit elektronischen Wurzeln geliefert. Einer der triftigsten ist der auf „MEGAPHON in Ton, Vol. 3“ vertretene „Puddl di ein“, ein erhabenes Stück Gruseln zum Tanzen. Rainer Binder-Krieglstein: „Das habe ich ausgewählt, weil es einfach stark ist.“ Und weil der Text, interpretiert von B&K-Stammkraft Makki, eine Kampfansage an jeglichen Lokalchauvinismus darstellt. „Es ist ja seltsam, dass man immer nur die unmittelbare Umgebung als Heimat definiert.“

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