MEGAPHON IN TON/November 2010/
drucken drucken 
Murat: Murat (© Mavric)

Der Weltenmischer

Von: Christof Huemer

AORA. Den Finger am Puls der Zeit und jenseits aller Gemeinplätze: Murat Aygan und seine wechselnden Formationen stellen seit Jahren traditionelle anatolische Musik populären westlichen Stilen vor.

Rechts ein riesiger, glitzernder Salzsee. Links Weizenfelder, die wie die Sonne leuchten; irgendwo dazwischen, im goldenen Schnitt, ein Fluss …: Als quasi mythischen Ort überirdischer Schönheit beschreibt Murat Aygan das Hochland Anatoliens. Es ist sein Heimatland, „ein Mosaik an Kulturen, Sprachen und Stilen“. Gleichzeitig auch Wiege eines reichen Musikerbes, das Aygan immer wieder behutsam mit neuen Einflüssen bekannt macht. Man könnte den in Graz lebenden Aygan also als Pop-„Maven“ bezeichnen, wie der kanadische Autor Malcom Gladwell („The Tipping Point“) jene nennt, von denen sich eine Gesellschaft verlässlich mit Neuem versorgen lässt. Man könnte aber auch sagen, dass der in Tirol aufgewachsene, auf türkischen Hochzeiten in Deutschland zum versierten Musiker gereifte Aygan schlicht sein musikalisches Erbe erstklassig getimt sti­listischen Updates unterzieht, also eine Nase für Trends hat. So waren etwa seine unter dem Alias DJ Muratti gefeierten Türk-Disko-Nights im Stern anno 2000 enorm populär und sein Elektro-Duo „Computurk“ in der gehobenen österreichischen Kulturszene bestens gelitten.
Mit „Hüdayda“, einem mit seiner Band Aora eingespielten Traditional, setzt Aygan die HörerInnen von „MEGAPHON in Ton, Vol. 3“ nun an den Tisch einer anatolischen Absteige, in der die Darbuka etwas zu laut, die Stimmung ausgelassen bis feucht und das Zischeln traditionell ein Ausdruck der Freude ist. „Hüdayda“, nebenbei, heißt ein schönes Mädchen. Ein Verehrer opfert ihr sein ganzes Geld. Hüdayda erhört ihn nicht. Er ist sehr traurig. Wahre Geschichte. Auch wahr, thematisch verwandt und abermals Beweis für den musikalischen Instinkt des Saz-Virtuosen: Aygan plant, Aora zu Aorabeske hochzutunen, sprich zu einem gestandenen türkischen Anlass-Orchester. Aorabeske übrigens nach jener Legierung aus orientalischer und westlicher Musik, die sich inhaltlich zuvorderst mit dem Leiden an der Welt und den Frauen auseinandersetzt. Aorabeske wird groß. Hier haben Sie es zuerst gelesen.  

Kommentar erstellen

Zu diesem artikel sind noch keine Kommentare vorhanden

MEGAPHON behält sich das Recht vor, veraltete Beiträge ebenso zu entfernen, wie Beiträge, die rechtlich bedenklich oder politisch unkorrekt sind, und kontrolliert in unregelmäßigen Abständen den Inhalt. Dennoch übernimmt die Redaktion für den Inhalt der einzelnen Kommentare keinerlei Verantwortung!

Weiterführende Informationen unter:

MEGAPHON, Auschlössl
Friedrichgasse 36, 8010 Graz
Tel: 0316/8015 650
Fax: 0316/81 23 99
megaphon@caritas-graz.at
www.megaphon.at/de/megaphon_ton/november_2010/