MEGAPHON IN TON/September 2010/
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Hella Comet: Hella Comet (© Mavric)

Spaß an der Freud

HELLA COMET. Avantgarde mit Kraftausbruch: Hella Comet begräbt das Kriegsbeil und errichtet eine Trabrennbahn für die apokalyptischen Reiter. Text: Christof Huemer, Foto: Christopher Mavric

Hella Comet, damit das klar ist, arbeitet an einer musikalisch gültigen Form des Hedonismus. Das bedeutet, dass der Vierer aus Graz zwar den Kometen im Namen und bei Songtiteln wie „Bury The Hatchet“ oder „Grand Old Torment“ auch eine mehr als gefühlte Nähe zu so selbsterklärenden Musikstilen wie Sludge oder Drone vor sich her trägt. Es geht dem Gewinner der TBA Bandzone allerdings nicht um Walhalla und kaum um Schmerzen, sondern maßgeblich um: Spaß. Während und an der Arbeit. Wobei Arbeit in diesem Fall bedeutet: das Errichten akustischer Trabrennbahnen für die apokalyptischen Reiter.
„Bury The Hatchet“, Track 10 auf MEGAPHON in Ton Vol. 3, liefert ein gutes Beispiel. Da erlebt man zunächst einen nicht ohne innerliches Brodeln vor sich hin malmenden Frontfrauen-Rock à la Garbage, reist also zurück in die 1990er und erlebt noch einmal jene einwandfreien Wohlstandsjahre. Bis dann bei Minute eineinhalb die Inkubationszeit endet und ein erster Fieberschub die bis dahin flirrenden Gitarren schüttelt. Da hat man gerade noch Zeit für einen tiefen Bauchatmer. Dann verteilt Hella Comet tatsächlich grimmig gemeinte Genickwatschen und überwölbt das Antlitz derart mit Donnerhall, dass man beim Gegenlehnen nicht mal mehr umfällt.
Shoegaze-Noise, so nennt Gitarrist Franz Gurt den Sound, den er mit Lea, Maex und Jürgen seit mehr als einem Jahrzehnt erzeugt und der nach Dafürhalten der Band am besten aus vielen Übergängen bestehe. Warum? Weil das Spaß macht. Live gibt sich das beherzt musizierende Quartett gerne grantlerisch und in sich selbst versunken. Doch auch das will Gurt nicht als Verweigerung verstanden wissen, nicht einmal als Verweigerung der Verweigerung. „Es macht so einfach mehr Spaß.“ Man möge das bitte im Rahmen des Unite-Festivals am 17. September wohlwollend prüfen. Und, wenn wir schon dabei sind, auch das HC-Album „Celebrate Your Loss“ und seine neun Erstbesteigungen funktionierender neuer Liedformen erwerben. Warum? Aus Freude am Spaß.

Weiterführende Informationen unter:

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