MEGAPHONUNI/Idee/
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Megaphon-Uni - Bildung ohne Grenzen

Grundidee

Die Megaphon-Uni bietet in Form von kostenlos zugänglichen Vorträgen und Workshops Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen einen niederschwelligen Zugang zu universitärem Wissen. ‚Wissensaustausch auf Augenhöhe’ lautet die Grundidee für einen Transfer von wissenschaftlichen Inhalten zwischen Lehrenden- und Forschenden der Grazer Universitäten und BewohnerInnen von Grazer Sozialeinrichtungen. Das Projekt zielt darauf ab, lustvoll Bildungsbarrieren zu reduzieren, Angst vor ‚Unwissenheit’ abzubauen und damit auch die Scheu vor höheren Bildungseinrichtungen zu nehmen. Die TeilnehmerInnen werden mit den unterschiedlichen Disziplinen und Inhalten von Wissenschaft bekannt gemacht - für die Vortragenden ergibt sich dadurch die Herausforderung der Wissensvermittlung an eine neue Zielgruppe.

Zielgruppen

Bei der Kernzielgruppe handelt es sich in erster Linie um BewohnerInnen von Sozialeinrichtungen in Graz, die auf Grund von Flucht, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Sucht oder psychischen Problemen wohnungslos geworden sind - und damit sehr oft um Menschen, die negative Erfahrungen mit Bildungsangeboten gemacht haben und vom kommerziellen Erwachsenenbildungsmarkt kaum bis gar nicht angesprochen werden. Die Megaphon-Uni bietet dieser Zielgruppe ein Bildungsprogramm, das formal und inhaltlich auf ihre Bedürfnisse und vor allem Wünsche ausgerichtet ist.
Die ‚Uni’ findet in Form einer wöchentlichen Vorlesungsreihe statt und wird über das gesamte Studienjahr angeboten. Durch diese regelmäßige Gestaltung hat sich die Megaphon-Uni für viele TeilnehmerInnen zu einem den Alltag strukturierenden Element entwickelt. Die Vortragsabende sind für die rund 20 StammhörerInnen zu wöchentlichen Fixpunkten geworden, über die soziale Kontakte geknüpft und neue Informationen eingeholt werden. Einige TeilnehmerInnen nützen zusätzlich das Angebot der Straßenzeitung Megaphon, in der Rubrik Streetvoices selbstverfasste Texte zu veröffentlichen, und nehmen die Möglichkeit von Einzelgesprächen mit dem Megaphon-Uni Team in Anspruch. Mehrere Vorträge pro Studienjahr sind speziell den Problemen von AsylwerberInnen gewidmet und finden in Flüchtlingsunterkünften statt.
Ein zentrales Anliegen der Megaphon-Uni ist die Reduktion von Vorurteilen gegenüber Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen. Durch die Veranstaltung von Vorträgen in den Sozialeinrichtungen selbst, aber auch in Hörsälen der Grazer Universitäten werden Klischeevorstellungen vom ‚unerreichbaren Elfenbeinturm’, von der Realitätsferne des universitären Bereichs hinterfragt. Wissen wird erreichbar und ‚angreifbar’. Die Nähe zur Praxis zeigt, dass die Ergebnisse der Forschung einen Einfluss auf gesellschaftliche Vorgänge und im weitesten Sinn auf das Leben der Einzelnen haben.
Die Vortragenden selbst erhalten einen authentischen Einblick in die professionellen Abläufe der verschiedenen Sozialeinrichtungen. Zu den jeweiligen Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen, zu Beginn und am Ende der Studienjahre werden immer wieder VertreterInnen aus der Politik und den Medien eingeladen. Gerade die feierlichen Übergaben der Teilnahmebestätigungen am Ende des Studienjahres zeigen die Menschen in einem anderen Licht, abseits gängiger Klischees. Dabei wird deutlich, wie viel Interesse und Ausdauer die arbeits- und wohnungslosen TeilnehmerInnen für den Besuch der Veranstaltungen der Megaphon-Uni aufgebracht haben.
Im Rahmen der Evaluation wurde von den TeilnehmerInnen der letzten Jahre rückgemeldet, dass sie aus folgenden Motivationen die Angebote der Megaphon-Uni besuchen: Die Möglichkeit, alte Interessen zu vertiefen oder neue zu entwickeln, das Auffrischen von Gelerntem, die Erweiterung des sozialen Netzwerks, die Möglichkeit an aktuelle Informationen zu kommen, das Gedächtnis zu trainieren, sich in Gruppensituationen zu erproben, mit Lehrenden und Forschenden Gespräche und Diskussionen auf Augenhöhe zu führen, in der Schule gelernte Englischkenntnisse aufzufrischen.

Umsetzung

Die Idee und Initiative für die ‚Uni’ ging von der Straßenzeitung MEGAPHON und der Abteilung Bildung und Interkultur der Caritas der Diözese Graz-Seckau aus. Die Caritas bietet seit Jahrzehnten Ausbildungen für Menschen im Sozialbereich an. Für die in diesen Bereichen betreuten Menschen, für die Bewohner und Bewohnerinnen von Sozialeinrichtungen gibt es allerdings keine Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Megaphon-Uni ist der Versuch diesem Bedarf zu entsprechen und gerecht zu werden.
Nach einem halben Jahr Vorlaufzeit wurde die Megaphon-Uni erstmals im WS 2004/2005 im Umfang von 14 Einzelvorträgen durchgeführt. Nach einem Semester Pause gab es aufgrund des erfolgreichen Verlaufs im Studienjahr 2005/2006 eine Fortsetzung in erweiterter Form im Umfang von 24 Einzellvorträgen und 4 Workshops. Diese Form wurde auch für die folgenden Studienjahre übernommen. Das Projekt wird im Rahmen eines Dissertationsprojekts durch Mag. Gerhild Wrann begleitet und evaluiert. Die thematischen und formalen Wünsche und Empfehlungen der TeilnehmerInnen, EinrichtungsleiterInnen und Vortragenden werden bei der Programmplanung berücksichtigt und kontinuierlich eingearbeitet. Konkret wurde in diesem Studienjahr beispielsweise auf Anfrage ein Schwerpunkt im Bereich Recht gesetzt.
Die konkrete Umsetzung des Projekts erfolgt in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen. Von Anfang an besteht über das Zentrum für Weiterbildung eine Kooperation mit der Karl-Franzens-Universität. Die finanzielle Unerstützung für das Projekt kam im ersten Jahr vom Zukunftsfonds des Landes Steiermark und in weiterer Folge vom Sozialressort des Landes Steiermark. Für die konkrete Planung und Durchführung ist das Straßenmagazin MEGAPHON in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Leiter Univ.-Prof. Mag. Dr. Leopold Neuhold vom Institut für Ethik und Gesellschaftslehre von der Katholisch-Theologischen Fakultät und dem Zentrum für Weiterbildung der Universität Graz zuständig. Für die Programmgestaltung und örtliche Umsetzung gibt es eine Zusammenarbeit mit der Vinzenzgemeinschaft, dem Frauen- und Männerwohnheim der Stadt Graz und den Einrichtungen der Caritas und mit dem Verein Zebra, der auf die psychotherapeutische Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen spezialisiert ist.

Außenwirkung

Der Dialog mit verschiedenen Organisationen und Einrichtungen im Sozial- und Bildungsbereich ist für den Bestand des Projekt Megaphon-Uni von entscheidender Bedeutung. Ohne die Vernetzung könnten die Kernzielgruppen nicht erreicht und das Angebot in der Form nicht umgesetzt werden. Regelmäßige persönliche Treffen und eine kontinuierliche Kommunikation via Mail und Telefon garantieren das Aktivbleiben der Zusammenarbeit.
Die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen werden als Anlässe zum Grenzüberschreitenden Dialog zwischen VertreterInnen aus Politik, Medien, Bildung, Sozialem und den TeilnehmerInnen der Megaphon-Uni gesehen.
Die Megaphon-Uni wird auch medial sehr gut aufgenommen. Es gab mittlerweile Berichte im ORF („Heimat fremde Heimat“, „Willkommen Österreich“, Ö1 „Salzburger Studio“, Radio Steiermark) sowie den Grazer Lokalradios. Auch die Reaktionen von Seiten der Printmedien sind sehr umfangreich. Ebenfalls gab es auf internationaler Ebene mediales Echo. 2005 drehte ein koreanisches Fernsehteam einen Beitrag über eine Veranstaltung der Megaphon-Uni in Graz. Weiters wurde das Projekt in „Time Magazine“, „The Guardian“, „BBC-Radio, der indischen Zeitung „The Hindu“ sowie der taiwanesischen „Taipei Times“ erwähnt.

Weiterführende Informationen unter:

MEGAPHON, Auschlössl
Friedrichgasse 36, 8010 Graz
Tel: 0316/8015 650
Fax: 0316/81 23 99
megaphon@caritas-graz.at
www.megaphon.at/de/megaphon_uni/idee/