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„Die passen nicht zu uns“

Von: Judith Schwentner

Kein Wohnrecht aufgrund der Hautfarbe: Die Erfahrung eines Megaphonverkäufers aus Nigeria zeigt, dass die Probleme mitunter erst beginnen, wenn man sich bereits in einer sicheren Unterkunft wähnt.

Ein grauer Genossenschaftsbau im Gries: Seit einem Jahr teilt sich hier der Nigerianer Peter G. mit einem Bekannten eine Wohnung. Die beiden bezahlen ihre Miete regelmäßig und haben ein gutes Verhältnis zu ihren unmittelbaren Nachbarn. Peter G.* ist derzeit den ganzen Tag als Megaphonverkäufer tätig, auch sein Kollege kehrt erst abends von der Arbeit nach Hause zurück. Um diese Tageszeit bereiten sie sich dann auch meist eine Mahlzeit zu.
An sich ideale Mieter, sollte man meinen. Das sieht auch der Vermieter so: „Ich persönlich habe absolut keine Probleme mit den beiden.“
Unlängst hat er ihnen dennoch ein Kündigungsschreiben zukommen lassen. Nicht weil er es so wollte, sondern weil er sich dazu gezwungen fühlte, wie er meint. „Es tut mir zwar Leid, aber ich möchte einfach keine Probleme haben. Und da scheint eine Art Verschwörung gegen die beiden im Gange zu sein.“
Peter ist natürlich konsterniert über das Schreiben seines Vermieters. Er hat sich nichts vorzuwerfen und Angst, tatsächlich wie angedroht innerhalb der nächsten vier Wochen die Wohnung verlassen zu müssen. Worüber sich vor allem Frau K.*, die Mietersprecherin freuen dürfte: „Die haben eine schmutzige Wohnung, keine richtigen Vorhänge, kochen immer am Abend und haben das Geländer ihres Balkons rot gestrichen. Und überhaupt haben sie eine andere Lebensart und passen nicht zu uns!“ Sie kann sich auch nicht erklären, woher er das Geld habe, mit dem er die Miete bezahle. Der Auskunft, dass es sich bei Peter um einen verlässlichen Megaphonverkäufer handle, der nachweislich die 100,- Euro für seinen Anteil der Miete durch den Verkauf aufbringen kann, schenkt sie keinen Glauben. „Da kenn ich andere Geschichten. Außerdem ist er schwarz und soll deswegen ausziehen. Das muss wohl reichen.“
Angeblich hatten die beiden außerdem wiederholt Besuch empfangen und Fahrräder im Stiegenhaus abgestellt.
Alles Anschuldigen, die sich bei der näheren Nachfrage und beim Lokalaugenschein als absolut haltlos erweisen - und auf keinen Fall triftige Kündigungsgründe darstellen. Die beflissene Haussprecherin hat dennoch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den beiden Nigerianern das Leben im Haus schwer zu machen. Hat bei der Hausverwaltung des Öfteren und so lange urgiert, bis sich diese mit den Vorwürfen an den Vermieter wandte.
Eigentlich könnte Peter könnte das Schreiben seines Vermieters getrost wegwerfen. Auf Anraten einer Vertreterin der Mietervereinigung hat er sich außerdem von mehreren Nachbarn bestätigen lassen, dass sie sich „in keiner Weise gestört fühlen“. Interessant auch die Beobachtung von Vermieter wie Mietervereinigung: In dem Moment, wo es darauf ankommt, Stellung zu beziehen, kann keiner ernsthafte Kündigungsgründe anführen. Und beschwert hat sich ohnehin nie jemand.

* Namen geändert



Leserkommentar:


Sollen dass Argumente sein??  Lil´Angel   25.02.04,18:10

Ich habe nichts gegen schwarze.Ehrlich gesagt sind für mich alle Menschen gleich ob schwarz,weiß,Chinesen,Türken,Deutsche,Inder,
Amerikaner sind...Auch die Religion spielt bei mir keine Rolle.Ich finde es gut,dass die zwei  Schwarzen arbeiten gehen,besser als in der Stadt irgendwo auf der Straße zu sitzen,zu betteln und sonst nichts zu tun.Ich kenne ein paar aus Afrika und deren Eltern arbeiten auch wirklich hart,um die Familie zu ernähren...Ein Junge,den ich kenne,Lewis, spielt Schlagzeug in der Kirche und geht jeden Sonntag ,seine jüngere Schwester geht in die Schule sein ältere Bruder arbeitet in einer Fabrik.
Meine Mutter hat auch etwas gegen schwarze,sie meint,die sind alle Dealer,nehmen selbst Drogen und redet ziemlich schlecht über sie.Aber ich glaube,es gibt überall auf der Welt,Dealer,Räuber,Junky´s und davon gibt es weiße und schwarze,Chinesen und Türken....
An ihrer stelle würde ich denen eine Chance geben,reden sie mit ihnen einmal,vielleicht sollten sie ihnen einmal sagen, was sie denn stört...Als Argument,dass sie Abends kochen, einfach nicht wie wir sind,...finde ich nicht okay sie raus zu schmeißen.Ich würde mich freuen, wenn sie ihnen noch eine Chance geben könnten,oder darüber nachdenken würden.Danke!

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