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Abschied

Von: Harald Schmied

Nun ist es also soweit. Ich schreibe meine letzte MEGAPHON-Kolumne. Um die Zukunft des MEGAPHON brauche ich mir dabei keine Sorgen zu machen. Nach fünfeinhalb Jahren möchte ich mich von Ihnen verabschieden und Ihnen noch einmal für Ihre Solidarität danken.

Natürlich haben Sie diese Solidarität zu allererst immer gegenüber unseren VerkäuferInnen gezeigt, das weiß ich schon - draußen auf der Straße, dort wo das MEGAPHON erst zu dem gemacht wird, was es ist: ein Projekt, das auf Gegenseitigkeit beruht. Eine Initiative, die davon lebt, dass es Menschen gibt, denen andere, an denen sie auch achtlos vorbeigehen könnten, nicht egal sind. Menschen, die stehen bleiben und bereit sind zu geben. Und die dieses Geben letztlich nicht als eine lästige Verpflichtung, sondern als eine Erweiterung empfinden. In der Summe macht das einen großen Unterschied.
Wir, die dahinter stehen, haben uns in diesen Kreis der Solidarität immer auch mit eingeschlossen gefühlt. Wir haben es gespürt, wenn es „da draußen“ nicht so lief. Und wir haben uns gefreut, wenn wir von den kleinen alltäglichen Wundern erfahren haben, die sich mit schöner Regelmäßigkeit abspielen. Das Gefühl, ein Teil dieses größeren Ganzen zu sein, dieses täglichen Bemühens, Graz und eine wachsende Zahl steirischer Bezirksstädte mit einem sichtbaren Schub positiver Energie auszustatten, wird mir fehlen. Zweifellos.
Nun ist es dennoch Zeit, sich neuen Aufgaben zu widmen. Das Internationale Netzwerk der Straßenzeitungen hat Graz als den Ort auserkoren, von dem aus in Zukunft die Geschicke des Homeless World Cup gelenkt werden sollen. Gemeinsam mit Ex-MEGAPHON-Redakteur Bernhard Wolf werde ich mich ab sofort um die Weiterentwicklung dieser Veranstaltung kümmern. Der Homeless World Cup soll zu einem fixen Event werden, der Obdachlosigkeit aus einer völlig neuen Perspektive thematisiert und zeigt, dass soziale Integration über Sport funktionieren kann. Die nächste Station ist Göteborg/Schweden im Juli dieses Jahres. So wie in Graz soll der Homeless World Cup danach auch in anderen Städten der Welt zu einem Event werden, das den hohen Level der internationalen Vernetzung unter Straßenzeitungen darstellt. Indem die Straßenzeitungen Obdachlosen mit dieser gemeinsamen Anstrengung ein Fest bereiten, zeigen sie, dass Unmögliches möglich werden kann.
Und darum geht es letztendlich. Das ist das Versöhnliche, aber auch das Aufwühlende an der Arbeit im sozialen Bereich: dass alle sozialen Probleme von Menschen gemacht sind und somit lösbar wären.

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