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Ring frei!

Von: Judith Schwentner

Zwischen harten Schlägen, Mythen und Gesundboxen: ein Besuch beim ehrwürdigen Grazer Boxclub Heros

„Ein Köpfler mit einem Fußball, der aus über zehn Metern daherkommt, tut sicher mehr weh“, meint Marcus Prügger überzeugt. Na gut. Klischeevorstellung Nr. 1 entkräftigt. Rot im Gesicht sei er nur, weil er unter dem Helm eben ordentlich ins Schwitzen komme, bekräftigt Trainer Gerhard Poms von Heros Graz. „Vordergründig sieht man halt, dass da zwei Menschen aufeinander einschlagen. Das passiert aber nach einem ganz kompakten Reglement.“ Klischee Nr. 2 etwas lädiert. Weiteres Knock-out: „Boxen ist gesund.“ Angeblich vergleichbar mit den Anforderungen an 10-Kämpfer: Ganzkörpertraining von den Beinen bis zum Kopf, das Koordination, Konzentration und Ausdauer gleichermaßen erfordert. Wir geben uns geschlagen. „Die Verletzungsgefahr ist weitaus geringer als bei jedem herkömmlichen Trendsport“, bekräftigt ein am Training regelmäßig teilnehmender Arzt.
Auch sonst verlieren einige Bilder, die man vom Boxen so mit sich trägt, im Verlauf des Gesprächs mit Gerhard Poms an Haltbarkeit. Oder erhalten einfach eine andere Wertigkeit. Wohl kaum ein Sport ist so mythenbeladen und voller klingender Namen wie das Boxen: Muhammad Ali, Henry Maske, Robert De Niro als „wilder Stier“, Rocky. Und alle stammen, wenn nicht aus den tiefsten Bronx, sonst wo aus der Gosse, und kämpfen mit den Fäusten für gesellschaftliche Anerkennung.
Weiter geht's mit dem Abbau von Vorurteilen und mit neuem Kenntnisgewinn: Ein Amateurboxer muss nicht erst blutend und mit gebrochenem Nasenbein am Boden liegen, damit ihn der Schiedsrichter als k. o. anerkennt. Im Unterschied zum Profiboxen zählen hier vor allem die technischen Punkte und nicht die Härtetreffer. „Natürlich erfordert der Sport eine gewisse Härte, was aber auch den Charakter stärkt. Man steht eben letztendlich einem Menschen gegenüber und kämpft nicht allein gegen die Zeit“, unterstreicht Gerhard Poms.
Letzte Korrektur: beim gemeinsamen Training schlagen sich keine ehemaligen Häftlinge die Köpfe ein. Geboxt wird über alle sozialen Grenzen hinweg. Auch über sämtliche Altersgrenzen. Heterogener läuft das Training wohl in kaum einem Sport ab. Kleine Buben wärmen sich da neben Kampfboxern auf, Asylwerber neben Medizinern und Studenten, Männer und Frauen trainieren gemeinsam. Außerdem kommen die meisten nicht, um sich beim nächsten Schaukampf in den Ring zu werfen, sondern: um sich gesund zu boxen! Da wird kein Unterschied gemacht zwischen Staatsmeister Marcus Prügger, weiteren Hoffnungen des Clubs wie dem Nigerianer Solomon Armstrong (!), dem Armenier Ara Muragian, leidenschaftlichen „Gesundheitsboxern“ oder AnfängerInnen. Alle schwitzen.


Boxunion Heros Graz
Trainingseinheiten: Montag und Mittwoch, 19.00 bis 20.30, Freitag 18.30 bis 20.00, Unionhalle, Gaußgasse 3, 0316/321086. Beitritt jederzeit möglich!

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