STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2004/März/Bratislava um's Eck/
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Bratislava um's Eck

Von: Judith Schwentner

Tatra-Schnitzel - Von den zehn neuen EU-Ländern hat nun zumindest eines seine erste kulinarische Außenstelle eröffnet. Das „Sesana“ bietet Hausmannskost aus der Slowakei.

Dass Europa demnächst um ein beachtliches Stück wachsen wird, gehört mittlerweile zum EU-weiten Standardwissen. Was man von detaillierteren Kenntnissen um einzelne Länder und Leute wahrscheinlich nicht so behaupten kann. Wie wär's daher mit der Erschließung neuer Urlaubsdestinationen, dem Besuch von Diavorträgen oder einfach mit dem unmittelbarsten Weg zu einer neuen Freundschaft: dem Magen.
Eine gesunde Strategie, die expansionslustigen Küchenchefs aus allen anderen Beitrittsländern angeraten sei, allerdings erst von zwei mutigen Vorboten aus der Slowakei wahrgenommen wurde. Mit dem „Sesana“ in der Sparbersbachgasse, benannt nach ihren drei Kindern Sean, Sandra und Natalie, dürfen Mariena und Vlado Gedeljoski aus Bratislava nicht nur stolz auf eine Innovation in der Grazer Nationalitätenküche sein. Slowakische Restaurants gehören auch ganz gewiss (noch) nicht zum Standard-Repertoire mitteleuropäischer Kleinstädte.  
Das Herz des Mittesters ist jedenfalls ganz schnell erobert: Soletti am Tisch, Hauptspeisen, bei denen der gemischte Salat, die Beilage und ein Glas Bier inbegriffen sind (und trotzdem 7,90 Euro kosten!) und drei Eisbecher mit den Namen „Tatra“, „Grand“ und „Tropik“ haben es ihm angetan. „Menschen, für die das Wort „Tatra“ eine magische Schwingung hat“, kommen hier außerdem noch mit einem „Tatra“ -Schnitzel (im Käseteig) auf ihre Kosten. Die überaus nette Bedienung trägt das ihre dazu bei, dass gewisse stilistische Fehltritte in der Gestaltung des Lokals großzügig übersehen werden. „Echter geht's nicht“, meint Herr Mittester überschwänglich und etwas abgeklärter: „Dazu gehören eben auch der Fernseher mit Musikvideos ohne Ton und Musik aus dem Radio.“
Zur endgültigen slawophilen Absolution verhilft nicht zuletzt ein ganz wesentlicher Punkt auf der Speisekarte: die gefüllten Paprika mit Salzkartoffeln, eine „echte Rarität im Grazer Angebot“. Die ebenfalls verlockenden Topfennudeln sind leider nicht erhältlich, weshalb das vegetarische (Hauptspeisen)Angebot auch gleich um seine Hälfte schrumpft. Dennoch: Tomatensuppe mit Nudeln, gedünsteter Erbsenreis und der gemischte Salat „slowakischer Art“ schmecken wie zu Hause und machten satt wie zu Hause. Kein Wunder: „Wir kochen nach richtigen Oma-Rezepten aus der Slowakei“, sagt Frau Gdeljoski nicht ohne Stolz. Der Suppenspezialist formuliert seine Zufriedenheit etwas exaltierter und beurteilt die Krautsuppe als „vorne voll strukturiert, am Gaumen explosiv, aber mit einem kurzen Abgang“. Bei den gefüllten Paprika verlässt ihn die Eloquenz, er äußert sich kurz und zufrieden. Bei der unglaublichen Nachspeise, einer überdimensionalen Kokoskuppel in Tortenform, verschlägt es ihm dann ganz die Sprache. Die Spezialität des Hauses, die pikante Platte „Sesana“, einer Menge an Fleisch und Gemüse auf dem Backblech gebacken, will beim nächsten Mal versucht werden (Vorbestellung notwendig!).

Café-Restaurant Sesana
Sparbersbachgasse 22, 8010 Graz, Tel. 0699/10170742. Geöffnet täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr, Sonntag Ruhetag

Weiterführende Informationen unter:

MEGAPHON, Auschlössl
Friedrichgasse 36, 8010 Graz
Tel: 0316/8015 650
Fax: 0316/81 23 99
megaphon@caritas-graz.at
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