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Die Maroni-Meile

Von: Florin Mittermayr

TEST
Nicht weniger als neun Maronistände finden sich zwischen Jakominiplatz und Südtiroler-Platz. Das Megaphon hat die Kastanien aus dem Feuer geholt und unter die Lupe genommen.

Der Maronipreis in Graz ist ein ungeschriebenes Gesetz: 1,80 kostet der Viertelliter in der ganzen Stadt. Ein Zufall? „Abgesprochen ist das nicht. Aber wenn einer ausreißt, dann sind die anderen schon ein bisschen böse.“ Sich gegenseitig nicht die Preise schlecht zu machen, gehört zum Standesbewusstsein der Maronibrater. Schließlich ist der Weg zum eigenen Stand schwer genug: Nur wer zwei Jahre Verkaufstätigkeit nachweisen kann, darf sich um die Genehmigung bewerben – Gewerbeschein vorausgesetzt. Ein hürdenreicher Berufsweg mit Tradition: Ein Patent Maria-Theresias sicherte Händlern aus der Krainer Gottschee als ersten das Privileg mit den Edelkastanien herumzuziehen.
Heute kommen praktisch alle in Graz angebotenen Maroni über den Großhandel aus Italien, dass die Edelkastanien auch am Schlossberg wachsen, ändert nichts daran. Bei den Sorten gibt es Unterschiede: Während die sahnigeren italienischen Maronen von ei- bis herzförmiger Gestalt sind, sind die auch in der Steiermark heimischen Esskastanien eher einseitig abgeflacht und weniger intensiv. Über den Geschmack entscheidet aber nicht nur die Sorte, sondern nicht zuletzt die Frische der Ware sowie Röstdauer und Temperatur. Alles Werte, die von der Tagesform und der Kundenfrequenz abhängen – wie auch ein einziges überproportional wurmstichiges Stanitzel noch nicht viel zu sagen hat. Zur endgültigen Urteilsfindung sei umso mehr eine persönliche Nachverkostung dringend angeraten!

Der Befallene: Joanneum-Ring
Unter 13 Früchten sind 5 angeschimmelt, 2 wurmstichig und eine ist zerstoßen. Was übrig bleibt ist ein wenig zu hart und angekruspelt. Montagsstanitzl?

Der Rohe: Hauptbrücke, linkes Murufer
Zu früh gekommen: Über die Hälfte der 15 Maroni sind nicht durch oder halb roh. Zwei Stück unbrauchbar.

Der Einseitige: Hauptbrücke, rechtes Murufer
Was am einen Ufer fehlt, ist am anderen zu viel: Zwölf eher kleine Maroni finden sich im Stanitzel, acht Stück sind auf einer Seite mittel bis stark angebrannt. Kein Schimmel oder Wurm, aber einige Früchte schmecken alt.

Der Knusprige: Herrengasse
Eher mehlig, etwas zu trocken und leicht angebrannt sind die Maroni in der Herrengasse. Nicht alle waren ganz durch, 4 von 12 müssen aussortiert werden.

Der Prominente: Eisernes Tor
DJ Ötzi war hier schon Dauergast, die Frau des Bürgermeisters kommt heute noch regelmäßig vorbei. Verkauft werden Edelmaronen, die Früchte sind deutlich größer und runder. In den Viertelliter-Becher passen gerade einmal 9 Stück. Alle Maroni schmecken sehr süßlich, allerdings sind einige eine Idee zu wenig durch und/oder zu angekruspelt. Kein einziger Ausfall!

Der Glühende: Südtiroler-Platz
Die Maroni sind nahe am Siedepunkt, das Stanitzel ist kaum zu halten: Geschmacklich wechseln Licht und Schatten. 5 Maroni sind etwas angebrannt, 3 von 14 müssen aussortiert werden. Die Übrigen sind ein bisschen zu hart, aber sehr süß.

Der Unkonstante: Jakominplatz Rondeau
4 von 13 sind nicht in Ordnung, geschmacklich entspricht auch der Rest nicht zur Gänze. Einige Highlight-Früchte, zu wenig Kontinuität.

Der Geheimtipp: Ecke Jakominplatz/Klosterwiesgasse:
Der Maronibrater besticht mit einer Bilderbuch-Pelzmütze, die Maroni mit ihrer weichen und cremige Konsistenz. 15 Stück finden sich im Stanitzel, die Ausfallsquote ist mit drei Stück noch im Rahmen. Minimale Abzüge gab es für die etwas unterkühlte Temperatur.

Der Beste: Hauptplatz
Das lange Anstellen lohnt sich: 15 Früchte von einheitlich sehr guter Qualität: Sehr cremige Konsistenz und zart-süßer Geschmack. Perfekte Temperatur und leicht zu schälen. Marginal vielleicht einen Hauch zu angekruspelt, ein Stück mit Wurm. Dennoch klarer Testsieger.


Mittester: Ingrid Brodnig, Georg Werner

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