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Mit dem Megaphon in den Hörsaal

Von: Gerhild Wrann

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Vom gesellschaftlichen Out ins Innere der Wissenschaft. Am 13. Oktober startet die Megaphon-Uni unter dem Motto Bildung ohne Grenzen.

Die heißen Bienen schau ich mir sicher an“, meint der eher zurückhaltende, aber um kein Kompliment verlegene Gerhard verschmitzt auf die Frage, welchen Vortrag der Megaphon-Uni er besuchen wird. Auch alle anderen Herren der Donnerstag-Frühstücksrunde im Männerwohnheim der Rankengasse 24 sind sich einig: „Zu den Bienen müssen wir hin!“ Karl Maria, der redselige Mitfünfziger mit den silbernen Haaren, sieht das alles schon ein wenig wissenschaftlicher: „Ich hab viele Universum-Dokumentationen zu diesem Thema gesehen.“ Gerafft erzählt er die spannendsten Details. Bei Kaffee und Marmeladesemmerl studiert und kommentiert die zum Besprechungsfrühstück versammelte Herrenrunde des Männerwohnheims der Stadt Graz die 14 Programmpunkte der im Wintersemester stattfindenden Ringvortragsreihe Megaphon-Uni.
Unter dem Motto „Bildung ohne Grenzen“ öffnen Universität und Sozialeinrichtungen ihre Pforten. Karl Maria freut sich, dass der Eröffnungsvortrag „Humor ist, wenn man trotzdem lacht!“ im Vinzitel stattfindet. „Dort hab ich einige Zeit gewohnt!“ Vier Mal kommt die Universität zu den Bewohnern sozialer Einrichtungen ins Haus. In der Atmosphäre einer größeren Seminargruppe werden die Themen „Humor“, „mittelalterliche Küchenpraxis“, „Volkslieder der Romania“ und „Kochen naturwissenschaftlich betrachtet“ theoretisch und vor allem praktisch erarbeitet. Aber auch die Universitätspforten stehen Interessierten offen. Von der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek, dem Rennstall der Technischen Universität über Zwischenstopps im Kriminalmuseum, den Gewächshäusern des Instituts für Pflanzenwissenschaften bis hin zum Volkskundemuseum spannt sich der geographisch-thematische Bogen.
Die Megaphon-Uni, eine fruchtbare Kooperation zwischen dem Megaphon und dem Zentrum für Weiterbildung der Uni Graz mit finanzieller Unterstützung des Zukunftsfonds des Landes Steiermark, hat die „Montags Akademie“ der Karl-Franzens-Universität, die Bildung für alle bietet, zum Vorbild und will den Radius dieses Gedankens erweitern. Die Vorträge der Megaphon-Uni stehen prinzipiell allen Interessierten offen, besonders aber sozial benachteiligten Menschen sowie Asylwerberinnen und Asylwerbern, die sonst kaum mit der Universität in Berührung kommen. Ein Semester lang soll ihnen der barrierefreie Zugang zu wissenschaftlichen Themen möglich sein. Dass es dabei doch Einschränkungen gibt, haben die Männer des Donnerstag-Frühstücks schnell herausgefunden. Die Teilnahme an den „Frauenwegen“ und dem englischsprachigen „Frauenstadtspaziergang“ ist ausschließlich Frauen vorbehalten. Manfred, Peter und Hannes grübeln, wie sie sich „inkognito“ unter die Frauen schummeln könnten. Und falls das nicht klappt, hoffen sie auf zahlreichen Damenbesuch, wenn im Café des Männerwohnheims zur „Mittelalterlichen Küchenpraxis“ geladen wird.
Schauplatzwechsel: Beim Besprechungsfrühstück des Frauenwohnheims der Stadt Graz kam es schon zu ersten Zusagen: „Ich würde am liebsten jede Veranstaltung besuchen“, meint Marlene, die vom oberen Ende des Frühstückstisch begeistert in die Runde blickt. Ruth freut sich, dass es auch englischsprachige Vorträge gibt: „Ich hab drei Jahre in Amerika gelebt und lasse keine Gelegenheit aus, um meine Sprachkenntnisse aufzubessern.“ Anita, die Jüngste in der Runde, ist traurig, dass sie nur bei wenigen Veranstaltungen anwesend sein kann, hofft aber, dass sie zumindest die Termine im Jänner wahrnehmen kann.

Weiterführende Informationen unter:

MEGAPHON, Auschlössl
Friedrichgasse 36, 8010 Graz
Tel: 0316/8015 650
Fax: 0316/81 23 99
megaphon@caritas-graz.at
www.megaphon.at/de/strassenmagazin/archiv/megaphon_2004/september/92/