STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2005/April/18 Löcher, 23 Schläge/
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18 Löcher, 23 Schläge

Von: Ingrid Brodnig

EINLOCHEN
Sie spielen nicht nur, wenn es sonnig ist – der Knittelfelder Minigolfclub packt auch im Winter seine Schläger aus. So werden Weltmeister geformt und Golfbälle auf die richtige Temperatur gebracht.

Um die vierzig Bälle hat sie in ihrer Tasche – ihr Lieblingsball ist der Dunkelrote. „Der geht super vom Schläger weg“, erklärt Andrea Hackl. Die Sechzehnjährige ist die Jugendweltmeisterin in Minigolf und Zweitplatzierte in der Weltrangliste. Wie die Leute so reagieren, wenn Andrea von ihrer sportlichen Karriere erzählt? „Zuerst schauen sie mal so: ‚Wah echt?‘“ Ja, echt. Denn Minigolf ist nicht nur gut geeignet für Familienausflüge – das kleine Golf hat auch seine professionellen Spieler: Und die versuchen nicht, mit Müh‘ und Not unter sieben Schlägen zu bleiben – bei ihnen geht es um das Ass: Also darum, mit nur einem Schuss den Ball einzulochen.
„Es kann schon sein, dass der Ball im Endkreis vier bis fünf Mal bandet“, erzählt Hannes Hahsler, Obmann des Minigolfclubs ATUS Knittelfeld und Co-Betreuer des Jugendteams. Um ein Ass zu machen, braucht es vor allem Konzentration, die richtige Technik und einen gewissen Ehrgeiz. Andrea erinnert sich an die Zeit, als sie noch mit ihrer Oma den Minigolfplatz besuchte: „Der Reiz, dass ich gut bin, war schon da.“ Beim Hobbyturnier fiel die junge Spielerin schließlich auf – das ist nicht einmal vier Jahre her. „Ich hab dann bald einmal vorne mitgespielt“, erzählt sie. Sie ist aber nicht das einzige Knittelfelder Golf-Ass – drei Burschen spielen ebenfalls in der Nationalmannschaft: Das Team wurde bei der WM Zweiter. Warum gerade Knittelfelder Spieler so erfolgreich sind? „Ich hab einfach das Glück, dass ich die größten Talente hab“, meint Hahsler. Auch im Winter wird trainiert: In der Turnhalle mit Klebestreifen als Markierung.
Hahsler zeigt den Jugendlichen auch jene Kniffe, die den Sport zu seiner Perfektion führen. Wichtig ist etwa, dass der Golfball die richtige Temperatur hat – die bekommt er durch Wärmebeutel oder das Tragen in der Hosentasche. Denn: „Das Bandenverhalten ist temperaturabhängig“. Das heißt, dass manche Bälle, wenn sie wärmer werden, steiler von der Bande gehen – aber Vorsicht: Nicht alle. „Das Ganze ist eine Wissenschaft“, fasst er es kurz. Unterschiede gibt es bei den Bällen in Sprunghöhe, Härte, Gewicht, Oberflächenbeschaffenheit und Durchmesser – Feinheiten, mit denen Hobby-Minigolfer gar nicht rechnen. Mit solcher Ausrüstung ist ihr Material auch gar nicht vergleichbar. „Mir tut das Herz weh, wenn ich seh‘, wie sich die Leute mit der Anlage plagen“, meint Hahsler. „Mit dem Material kann man kein Ass machen.“
„Minigolf“ ist dabei gar nicht die richtige Bezeichnung für die Sportart – korrekt heißt es „Bahnengolf“. Unter Bahnengolf fallen nämlich Minigolf, Miniaturgolf und Filzgolf. Die schöne Anlage in Knittelfeld zählt zu System 1, Minigolf. Profis spielen alle Systeme, in System 1 hält Andrea den Rekord unter den Damen: Für 18 Bahnen benötigte die Schülerin 23 Schläge. Minigolf, pardon, Bahnengolf ist kein „Italien-Strandspiel“, wie Andrea betont. Im Sommer trainiert sie zwei bis drei Mal in der Woche. Von dem Sport leben, kann in Europa keiner, denn hohe Preisgelder gibt es nicht. „Im Prinzip wirst du nur arm“, erzählt Hahsler. Warum man trotzdem dabei bleibt? „Das fasziniert mich einfach“, meint Andrea. Außerdem muss die Nationalmannschaft ja heuer ihren EM-Titel verteidigen: Und die Saison hat gerade erst begonnen.

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