STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2005/August/Lost in paradise/
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Lost in paradise

Von: Ruth Jerusalem

KUNSTGARTEN
Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies landet man in Graz an einem Ort, an dem man es niemals vermutet hätte - im „kunstGarten“ im Gries, wo Kultur und Natur einzigartig miteinander verschmelzen.

Wer kennt das nicht? Heiße, stickige Konzerthallen, überfüllte Kinosäle mit Popcorn knabbernden und Cola schlürfenden Sitznachbarn, unpersönliche, enge Bibliotheken, überladene Museen und gehetzte Touristengruppen, die nichts sehen und nichts verstehen, sondern alles nur fotografieren wollen… Wenn man in der heutigen Zeit Kunst als sinnlichen Genuss erfahren will, bleibt man oft enttäuscht zurück, vielerorts istKultur nicht mehr, als ein oberflächliches Massenevent. Aber gut, selbst in noch so wüstenhaften Kulturlandschaften stößt man da und dort auf blühende Oasen. So etwa am Rande des Bezirks Gries, wo sich in der Payer-Weyprecht-Straße ein prachtvoller, 800 Quadratmeter großer Garten mit mehr als hundert verschiedenen alten und neuen Rosen versteckt. „Entgegen der Eventkultur wollen wir hier einen Ort der Ruhe und Besinnung anbieten“, erklärt Irmi Horn, die vor einem Jahr gemeinsam mit ihrem Mann das Projekt „kunstGarten“ ins Leben gerufen hat. „Ziel des Projekts ist es, Garten als Freiraum und gleichzeitig als Kunstraum zu manifestieren und den Menschen durch unterschiedlichste Veranstaltungen zeitgenössische Kunst näher zu bringen. Die positive Auseinandersetzung mit kulturellen und naturhaften Phänomenen soll von den Besuchern als geistige Bereicherung wahrgenommen werden und so ihr Selbstwertgefühl stärken.“ Um das zu erreichen, organisiert die Schriftstellerin und ehemalige Leiterin des Forum-Stadtpark-Theaters in ihrem Garten immer wieder Lesungen, Kunstausstellungen, Theateraufführungen und Konzerte mit namhaften Künstlern aus dem In- und Ausland. Barbara Frischmuth, Anthony Cragg, Ian Hamilton Finlay oder Nina Wurz sind nur einige, die hier bereits ein wahres Fest für die Sinne veranstaltet haben.

„Die Reaktionen darauf waren bei Künstlern und Publikum bisher durchwegs positiv. Und auch unter den Anrainern findet das Projekt immer größere Zustimmung“, freut sich die quasi Alleinorganisatorin. „Einige kommen schon am Nachmittag vorbei, um eine Führung durch den Garten oder Beratung in Pflanzen- und Gartenfragen zu bekommen, auch das bieten wir an.“ Wer den Rosengarten in seiner vollen Farbenpracht erleben möchte, sollte ohnehin schon vor Beginn der abendlichen Live-Veranstaltungen und Filmvorführungen hingehen. Das ist die schönste Zeit um zu entspannen und das zu tun, wonach einem gerade der Sinn steht: herumspazieren und die Natur genießen. Oder im Schatten sitzen und lesen – am besten ein Buch aus der 2500 Titel umfassenden, hauseigenen Gartenbibliothek. „Wie die Payer-Weyprecht-Straße soll nun der ganze Bezirk eine Belebung erfahren, vor allem rund um das Gelände ‚Auf der Tändelwiese’“, verrät Irmi Horn. „Die Neugestaltung des Dr. Schlossar-Parks mit Installationen von Hartmut Skerbisch unter dem Titel ‚Das Labyrinth im Park’ ist dabei eines unserer nächsten Ziele.“ Wir dürfen uns alsofreuen auf einen neuen, blühenden Gries.

Weiterführende Informationen unter:

MEGAPHON, Auschlössl
Friedrichgasse 36, 8010 Graz
Tel: 0316/8015 650
Fax: 0316/81 23 99
megaphon@caritas-graz.at
www.megaphon.at/de/strassenmagazin/archiv/megaphon_2005/august/87/