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Geschröpfte Diebe

Von: Ingrid Brodnig

EIGENTÜMLICHKEITEN
Ladendiebstahl kommt oft teuer zu stehen. Nicht nur, weil man sich strafbar macht, sondern auch, weil die Geschäfte zusätzlich Bearbeitungsgebühren verlangen. Aber wer kontrolliert deren Höhe?

Es war keine ehrenwerte Tat, als die Asylwerberin die drei Kosmetik-Gels im Geschäft einsteckte. Aber sie tat es, wurde erwischt und ins Büro geführt. Polizei und Anzeige folgten. Und neben den strafrechtlichen Unannehmlichkeiten, die ihr nun blühen, wurde sie gleich vom Geschäft zur Kasse gebeten: 110 Euro betrug die Pauschalbearbeitungsgebühr. Nichts Ungewöhnliches – das Geschäft besitzt ein eigenes Formular, wo nur noch die Details des Diebstahls einzutragen sind. Etwa, dass der Gesamtwert der Ware hier knapp 74 Euro betrug. Das Formular trägt den Namen „Schuldbekenntnis“ und wurde der Ertappten zur Unterzeichnung vorgelegt. Damit es keine Missverständnisse gibt, steht darauf bereits vorgedruckt: „Ich erkläre, dass ich das oben festgelegte Schuldbekenntnis freiwillig und ohne jeden Zwang abgelegt habe. Mir ist bekannt, dass ich durch die Entwendung der o. a. Waren gegen das Strafgesetz gehandelt habe. Als Entschädigung für die Ihrer Firma entstandenen Folgekosten erlege ich heute eine Vergütung von 110 Euro“

Selbst schuld?
Dass sich Diebstahl nicht lohnt, dafür sorgt somit nicht nur Vater Staat – auch Bipa und Co tragen das ihre dazu bei. In den Augen von Peter Kiesswetter, Leiter des steirischen AK-Konsumentenschutzes, ist es aber durchaus das Recht der Geschäfte, dass sie ihre privatrechtlichen Ansprüche zur Geltung bringen und Pauschalgebühr verlangen – die Frage sei jedoch die nach der angemessene Höhe. „Es gibt keine Judikatur“, stellt Kiesswetter fest. Gerichtsurteile, an denen sich Kaufhäuser und Juristen orientieren können, fehlen. Ein Megaphon-Rundruf ergab, dass die Gebühren bei den Handelsketten variieren: Bipa und Media Markt fordern 110, Libro 70 und Spar 60 Euro – laut einem Angestellten der Firma Zielpunkt, die selbst 75 Euro verlangt, kann es durchaus passieren, dass ein Kaufhausdetektiv vom Ertappten 200 Euro verlangt. Vor allem neugegründete Detektivbüros, die die Kaufhäuser zur Überwachung engagieren, verrechneten höhere Kosten, da sie ihr Equipment selbst erst abbezahlen müssten. Das Motto dabei: Wenn niemand stiehlt, braucht keiner Videokameras.
Aber auch wenn die Gebühr einkassiert wird, heißt das nicht, dass es stets zu einer Anzeige kommt. Nach Angaben eines Zielpunkt-Mitarbeiters zeigt der Konzern selbst etwa die Hälfte der erwischten Diebe an – Kindern bilden oft die Ausnahme. „Die kriegen bei mir eine Verwarnung“, erklärte Frau Huber, Leiterin einer Billa-Filiale. Sie findet die Bearbeitungsgebühr von 70 Euro „schon richtig“. Wenn das Stehlen durch die Bearbeitungsgebühr unattraktiver wird, ist es Frau Huber ganz recht. Andere Geschäfte waren in dieser Materie aber weniger gesprächig.

Obergrenze eruieren
Es bleibt eben etwas heikel: Selbst wenn ein Ertappter eine sehr hohe Bearbeitungsgebühr veranschlagt bekommt, wird er wohl diese und nicht das zivilrechtliche Verfahren bevorzugen – denn vermutlich wäre das noch immer die teurere und unangenehmere Variante. Deswegen hat Kiesswetter folgenden Vorschlag: „An der Uni Graz könnte sich eine Diplomarbeit mit der Frage befassen.“ Ein Privatrechtler könne so, in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer, ausarbeiten, was ein fairer Rahmen für die die Bearbeitungsgebühren ist – und ab wann sich eine Detektei oder ein Geschäft bereichert. Immerhin gibt es auch einen Preis, der für Diebstahl zu hoch ist.

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