Zur Startseite MEGAPHON

Netz am Stiel

Von: Julian Ausserhofer

CROSSOVER
Buntes Potpourri aus Landhockey, Golf, Handball und Tennis: Das ist Lacrosse, jener populäre Mannschaftssport aus Nordamerika, der es mittlerweile bis in steirische Gefilde geschafft hat. Ein Besuch bei den Graz Gladiators, dem einzigen steirischen Lacrosse-Team.

Klingt einfach, ist auch so: Das Runde muss ins Eckige. So wie bei den meisten anderen Mannschaftssportarten ist es auch bei Lacrosse das vorrangige Ziel, den Ball möglichst oft im gegnerischen Tor zu versenken. Zwölf Spielerinnen beziehungsweise zehn Spieler pro Team treten gegeneinander an. Der Schläger, eine Art Netzschaufel, der in der Fachsprache Stick genannt wird, dient zum Passen und Schleudern des faustgroßen Hartgummiballs.

„Es ist ein saugeiler Sport“, strahlt Georg Wucherer, kurz Wuchi. Der Kapitän und Trainer der Graz Gladiators schwitzt und ist glücklich. Gerade eben hat er mit seinem Team das erste Grazer Lacrosse-Turnier erfolgreich absolviert. Auch mit dabei: Die Damenmannschaft der Graz Gladiators, die nicht minder erfolgreich abschnitt. „Es ist schwer zu erklären, was das Besondere an Lacrosse ist. Es ist so vielfältig.“ meint Kay, Women’s Head Coach und leidenschaftliche Teamspielerin. Aber eines weiß sie bestimmt: „Am liebsten würde ich es jeden Tag spielen.“ Claudia, eine Teamkollegin von Kay, fasst es zusammen: „Lacrosse ist ein Mannschaftsport, es ist schnell und macht Spaß“ Für die 27-jährige Mikrobiologin sind es vier Dinge, die man für die Liebe zum Lacrosse mitbringen muss: „Skills, Fitness, Koordination und Geschwindigkeit.“

Lacrosse gehört zu den ältesten Mannschaftssportarten der Welt. Der jesuitische Missionar Jean de Brebeuf gab ihm im 17. Jahrhundert seinen heutigen Namen: Die Form der Schläger erinnerte ihn an einen Bischofsstab, der im Französischen mit „la crosse“ übersetzt wird. Das Spiel selbst ist aber noch viel älter: Der mohikanische Ausdruck für Lacrosse, Tewaraathon, bedeutet „der kleine Bruder des Krieges“. Von den Indianern soll der Wettkampf zur Kriegsvorbereitung und für spirituelle Zwecke ausgetragen worden sein. Auch Stammesfehden wurden angeblich mittels Lacrosse ausgetragen: Mehr als hundert Spieler traten gegeneinander an, der Wettstreit dauerte mehrere Tage, zum Teil mit tödlichem Ausgang.
Hart ist das Spiel heute immer noch, Tote gibt es zum Glück aber keine mehr: „Es geht nicht nur darum, Tore zu schießen. Genauso wichtig ist es, den anderen nicht zu verletzen. Das Regelwerk ist vor allem dazu da, dass du deinen Gegner nicht unfair attackierst“, weiß Kay, die in den USA den Lacrossesport für sich entdeckte.

Während der Wintermonate trainieren die Graz Gladiators einmal pro Woche in der Halle. „Sobald es draußen wieder wärmer ist, geht’s richtig los“, freut sich Kay. Die 24-jährige bereitet ihre Truppe schon auf die österreichische Meisterschaft vor. Auch wenn es erst drei Damenteams sind, die dabei gegeneinander antreten: Den beiden Wiener Vereinen wollen die Mädels der Graz Gladiators ordentlich den Kopf waschen. Kay: „Die Meisterschaft ist auf jeden Fall möglich.“
Die Männermannschaft der Graz Gladiators spielt in der kommenden Saison sogar in zwei Ligen: In der DLC, der Danube Lacrosse Conference, die seit 2004 besteht, messen sich die Mannschaften aus Passau, Wien, Ljublijana, Bratislava und Graz miteinander. Im Wettbewerb des österreichischen Lacrosse Verbands treten Teams aus der Steiermark, Wien, Salzburg und Kärnten gegeneinander an. Das bedeutet großen Zeitaufwand, aber auch viel Spaß für alle Beteiligten auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel. „Es wird dauern, aber es kommt sicher: Lacrosse wird sich herumsprechen“, ist Wuchi überzeugt. Auch Kay kann das bestätigen: „Die Leute, die dabei sind, die sind wirklich dabei. Wir sind eine Community und freuen uns immer über Zuwachs.“

    Zum Seitenanfang   Zur Druckansicht   HOME  |  IMPRESSUM  
e-dvertising - Werbung, Webdesign, CMS, Fullservice
(Partner/Förderer)
(Anzeigen)