STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2005/März/5 STERNE IMBISS/
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5 STERNE IMBISS

Von: Judith Schwentner

BUREK
Fast Food auf bosnisch: die Schnell-Imbiss-Variante, die Graz ganz sicher gefehlt hat und sich mit „Der Burek“ stilsicher und ortskundig in den nördlichen Griesplatz fügt.

So schnell kann’s gehen. Wurden letzten Monat vorübergehend endgültig die kulinarischen Nummern eins vom Griesplatz gekürt, so wird man von der ebenfalls an dieser Stelle festgehaltenen Dynamik des Platzes schon wieder eingeholt. Die urbane Praxis vor Ort zeigt sich eben nicht nur im fortlaufenden Verkehrsaufkommen, sondern auch im innovativen Gestaltungswillen seiner Anrainer.
Der aus Bosnien stammende BWL-Student Amel Begic und seine Freundin Sanja Kuljuh haben sich in diesem Zusammenhang gleich mehrere Ziele gesetzt: Nämlich (nicht zuletzt aus budgetären Gründen) auf den Platz zu setzen und mit gebotener Qualität „die Leute aus Geidorf in den Gries zu bringen“. Und das mit Burek nach dem Reinheitsgebot, aber auch sämtlichen weiteren Anforderungen an ein kleines Schnell-Imbiss-Lokal mit urbanem Bewusstsein und in bester slawischer Ansicht, dass man einmal am Tag was Warmes zu sich nehmen sollte. Das diesen Anforderungen entsprechende Konzept „schnell, immer warm, immer frisch“ setzt daher nur vordergründig auf den bosnischen Fast-Food-Klassiker schlechthin, den Burek.
Der Burek, der - und das in feinster Selbstironie - feine bosnische Spezialität, ist, wie es Amel ausdrückt,  „wenig und viel zugleich“. Nicht nur die richtigen Zutaten sind ausschlaggebend für ein zufrieden stellendes Resultat dieser Fleisch-Strudel-Variante. Auch Teigkonsistenz und vor allem der eigens aus Bosnien importierte Burekofen entscheiden dieses maßgeblich mit. Der wirklich gelungene Burek basiert demnach auf der Hardware des Lokals (Ofen, Teig, Fleisch, schnell), die entsprechende Software sorgt (nach dem bekannten bosnischen Sprichwort „Sve su pite pitice, a burek je bitac“) für die Verfeinerung des Konzepts, die da lautet: Pita (selber Teig, aber mit Spinat-Schafkäse oder Kartoffeln gefüllt), Suppen oder Eintöpfe, Cevapi, Palatschinken und Baklava, guter Kaffee und ab und zu ein paar Zieharmonika-Einlagen oder bosnische Liebeslieder aus dem Lautsprecher…
Ein bisschen Nostalgie also gepaart mit dem Selbstbewusstsein, sich von der Umgebung doch abheben zu wollen. Also „nicht alles verkaufen zu müssen und zu glauben, dass das schon irgendwie gehen wird“, sondern auf die Nummer Burek zu setzen. Der Geschmack gibt ihnen Recht! Ein kleines Bier würde allerdings schon ganz gut dazu passen.


*was soviel wie „Burek bleibt Burek“ heißt.

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