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Kein Trinkwasser

Von: Florin Mittermayr

Nachdem er in einem Kärntner Dorf um ein Glas Wasser fragt, landet der Nigerianer Oto Ebhomhenya bei der Polizei. Der zugezogene Arzt stellt infolge der Amtshandlung Rissquetschwunden und Prellungen fest – Oto muss wegen aggressivem Verhalten gegen vier Exekutivbeamte vor Gericht.

Nachdem er in einem Kärntner Dorf um ein Glas Wasser fragt, landet der Nigerianer Oto Ebhomhenya bei der Polizei. Der zugezogene Arzt stellt infolge der Amtshandlung Rissquetschwunden und Prellungen fest – Oto muss wegen aggressivem Verhalten gegen vier Exekutivbeamte vor Gericht.

„Did you understand? – Hast du verstanden?“ Höflich und bemüht fragt Ebhomhenya Otoghaguahmen immer wieder nach, ob auch alles beim Gesprächspartner angekommen ist – ohne übertriebenes Sentiment. Im Jahr 2003 gelang Oto – wie er sich selbst nennt – gemeinsam mit seiner schwangeren Frau die abenteuerliche Flucht von Nigeria nach Österreich, seit 16 Monaten verkauft der ehemalige Lehrer in Graz das Megaphon.

Was er erzählt ist starker Tobak: Weil er als freiwilliger Helfer auf einem biologisch geführten Bauernhof arbeiten wollte, ist er im September 2004 nach Kärnten gefahren, um sich Land und Leute anzusehen. Per Autostopp kommt er nach Kühnsdorf. „Ich sah ein Haus ohne Zaun, und dachte mir: Hier wohnen nette Leute. Ich habe angeläutet und um ein Glas Wasser gefragt – auf Englisch.“ Mit den Worten „Go Away!“ hatte der Öffnende Oto weggeschickt, eine halbe Stunde später ist er von drei männlichen und einem weiblichen Polizeibeamten umringt. Er muss sich ausweisen, ihm werden Handschellen angelegt. Was danach geschieht beschreibt Oto so: „Ein Polizist hat mir in den Unterschenkel getreten, dass ich umgefallen bin. Sein Kollege trat mir dann mit dem Fuß auf mein Brustbein. Am Hosenbund wurde ich nach oben gehoben und bekam einen Schlag auf die linke Stirn. Weil dabei meine Hose zerrissen ist, hat die Polizistin mich ausgelacht.“ Oto wird verhaftet, er muss zum Fremdenreferat der Bezirkshauptmannschaft in Völkermarkt und auf den Gendarmerieposten in Eberndorf. Oto:„Auf der Treppe zum Gendarmeriegebäude wurden mir die Handschellen so eng gestellt, dass ich schreien musste und blutete.“ Die Narben an Otos Handgelenken sind noch heute zu sehen, der am Posten verständigte Amtsarzt stellte leichte Prellungen an Kopf und Brustbein und Rissquetschwunden an beiden Handgelenken fest. „Zwei große Polizisten mit Overalls und Hunden haben mich dann abgeholt. Als ich meine Geldtasche zurückbekam, fehlten fünfzig Euro. An einem Ort weit weg musste ich noch meine Fingerabdrücke abgeben und mir wurde ein Stäbchen in den Mund gesteckt. Zurück im Auto habe ich darum gebeten bei einer Bahnstation aussteigen zu dürfen. Ich wurde aber mitten in einem Wald abgesetzt und musste zwei Stunden gehen um zur Autobahn zu kommen.“ In Graz angekommen ist er um fünf Uhr früh – per Autostopp.

Die Polizeiprotokolle aus der Gerichtsakte liefern ein völlig anderes Bild: Zum Einsatz sei es gekommen, weil ein Schwarzer in Kühnsdorf an einer Haustüre aggressiv um Geld gebettelt hätte. Oto hätte sich geweigert sich auszuweisen und sich gewehrt, warum er mit angemessener Körperkraft – aber ohne Schläge oder Tritte – zum Anlegen der Handschellen fixiert werden musste. Im übrigen sei er ununterbrochen aggressiv gewesen und hätte die Beamten fortdauernd mit „Fuck You“ beschimpft und ihnen den Mittelfinger gezeigt. Von Anfang an hätte er nur fünf Euro bei sich gehabt, von der Nachtstreife sei er am gewünschten Ort abgesetzt worden.

Derzeit laufen gegen Ebhomhenya Otoghaguahmen Verwaltungsstrafverfahren wegen Behinderung einer Amtshandlung, Beamtenbeleidigung, Lärmerregung, Verkehrsbehinderung und unerlaubtem Aufenthalt im Bundesgebiet. Erster Gerichtstermin war am 17. August: Der Mann, der Oto noch bei der Gegenüberstellung am Tag der Verhaftung als aggressiven Bettler wiedererkannt haben wollte, sagte nun aus, dass er Oto zuvor noch nie gesehen hätte. Der Prozess wurde vertagt. Um die Anwaltskosten zu bezahlen, hat die Arge Wehrdienstverweigerung & Gewaltfreiheit ein Spendenkonto eingerichtet.

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