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Aufgetischt

Von: Agnes Fogt

WUZLN
Für manche ein Gasthausspaß, für andere mehr als ein Hobby. Beim Tischfußballclub Evita Graz sind die roten und blauen Männchen Teil eines professionellen Sportgeräts.

Im frühen 20. Jahrhundert hat der Citroen – der, der auch die Autos macht – den ersten Tischfußballtisch gebaut. Der hieß Baby-Foot, erzählt Wolfgang Zahradniczek, seines Zeichens Spieler und Schriftführer des Tischfußballclubs Evita Graz. Seit der Vereinsgründung 2002 spielt der 23-jährige Student bei Evita und schreibt momentan seine Diplomarbeit: über Konzepte zum Sponsoring im Tischfußball. Angesteckt hat ihn sein Freund Peter Ully, Vereinsgründer und Obmann des TFC Evita: „Die Technik im Zusammenspiel mit Taktik, eigentlich funktioniert der Tisch wie ein Schachbrett“, erklärt Peter, was ihn am Tischfußball fasziniert. „Man muss zum richtigen Zeitpunkt das richtige tun. Für professionelle Spieler ist das mehr als ein Spiel. Es dreht sich das Leben darum“, ergänzt Wolfgang. Trainiert wird Dienstag und Donnerstag von fünf Uhr bis Mitternacht, zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft gute 40 Stunden die Woche. Wolfgang ist in der Weltrangliste auf Platz 59, Peter auf 22 und auf dem zweiten Platz im Doppel bei den Landesmeisterschaften – punktegleich mit den ersten. In diesem Fall entscheidet der letzte Durchgang.

Weltmeister
Etwa 600 Spieler treten bei der Weltmeisterschaft an. Als Weltbester gilt der Belgier Frederico Collignon. Er kann vom Tischfußball leben, bei der WM geht es immerhin um ein Gesamtpreisgeld von 50.000 Euro. Bei den Landesmeisterschaften sind es um die 150 Euro, je nach Teilnehmerzahl. Gespielt wird, bei der WM und beim TFC Evita, an Garlando-Tischen. Seit etwa fünf Jahren haben die „Füße“ der Figuren eine neue Form: Sie laufen keilförmig zu, früher waren sie quadratisch. Das macht das „Zwicken“ leichter. Das Einklemmen des Balls zwischen Figur und Tischplatte ist Ausgangspunkt von zwei Spielzügen, dem Snake und dem Pinshot. „Peter ist Snake-Spieler“, erklärt Wolfgang: „Ball einklemmen, Handgelenk auf die Stange und dann eine kontrollierte 360°-Drehnung. Das ist eine sehr effiziente Technik. 80 Prozent der Weltspitze spielt Snake“. Beim Pinshot greift man die Stange mit der Handfläche und schießt direkt. Diese  Handgriffe erfordern etwas Übung und vor allem eines: Geschwindigkeit. Drei Jahre täglich vier Stunden „mit dem richtigen Training und dem richtigen Verein“ sieht Peter als Voraussetzung für einen Platz unter den ersten 20 in der Landesmeisterschaft an. Wolfgang fügt das Vereinsmotto hinzu: „Ich glaube nicht an Talente, ich glaube nur an harte Arbeit. Doch, sicher gibt es Talente, auf jeden Fall. Wenn wer eine gute Hand-Augen-Koordination hat“.In Graz gibt es zwei Tischfußballclubs: Evita und Hot Shots. Der TFC Evita ist Vereinsmeister im Landesverband Steiermark-Burgenland; insgesamt gibt es fünf Landesverbände, wobei manchmal zwei Bundesländer zu einem Verband zusammengefasst werden. Die Dachorganisation ist der Tischfußballbund Österreich. Die Regeln bei den Turnieren sind genau definiert: Trinken, Rauchen und Reden ist während des Spiels verboten, Kurbeln sowieso und wer am Tisch rüttelt, foult. Tischfußball heißt bei den Tischfußballern Tischfußball, gegebenenfalls „Wuzln, Training oder Turnier“, erklärt Wolfgang: „Bloß nicht Drehfußball.“

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