STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2006/Juni/Urlaub mit der Mistgabel/
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Urlaub mit der Mistgabel

Von: Christian Maier

LANDLEBEN
Seit zehn Jahren können Reisefreudige durch Wwoofen ihre Ferien weltweit gratis auf Bauernhöfen verbringen. Einzige Bedingung: die Bereitschaft, Spaten und Schaufel selbst in die Hand zu nehmen.

Der Sommer naht und mit ihm die Ferienzeit. Was für Schüler meist ein Grund zur Freude ist, rüttelt bei Erwachsenen oftmals eher unliebsame Erinnerungen wach: Temperaturen von über dreißig Grad im Schatten, überfüllte Schwimmbäder und Autos, die sich unter der glühenden Sonne in Backöfen verwandeln, veranlassen Städter in der Regel zur fluchtartigen Migration. Wer seinen Urlaub nicht rechtzeitig gebucht hat oder ihn gar aus Kostengründen streichen musste, dem bleibt oft nur das Herunterziehen der Fensterläden bei gleichzeitiger Aktivierung der Klimaanlage.

„Es gibt aber eine kostenlose Alternative, die ein Verbringen der Ferien in familiärer Atmosphäre ermöglicht,“ sagt die Leiterin von Wwoof (We´re Welcome on Organic Farms) Österreich, Hildegard Gottlieb. Vor rund zehn Jahren hat sie den Verein hierzulande gegründet. Ihr damaliges Ziel: Reiselustige junge Menschen sollten die Möglichkeit erhalten, Teilzeit auf Bauernhöfen zu arbeiten und damit gleichzeitig die biologische Landwirtschaft zu stärken. Ein Ziel, das erreicht wurde. Haben sich doch bis heute bereits über 170 Bauernhöfe österreichweit der Wwoof-Gemeinschaft angeschlossen. Besucht werden diese jährlich von über 400 Gästen aus den unterschiedlichsten Ländern. Was Wwoofen so beliebt macht? „Die Bauern werden bei ihrer Arbeit unterstützt und können sich die Welt ins Haus holen. Die Wwoofer lernen nicht nur viel über den biologischen Landbau, sondern können nach ihrer Arbeitszeit auch Urlaub auf dem Bauernhof verbringen.“

Eine Symbiose, von der letztendlich beide Seiten profitieren sollen, meint Hildegard Gottlieb. Denn „weder sollen billige Arbeitskräfte ausgenutzt noch Ferien verschenkt werden.“ Zwang gibt es beim Wwoofen daher keinen. Wie lange der Wwoofer auf einem Bauernhof bleibt, kann dieser in der Regel selbst bestimmen. Ein Hauptgrund, warum sich sowohl Familien als auch Pensionisten für die naturnahen Ferien entscheiden.
Die meisten Wwoofer werden aber von MaturantInnen wie der 21-jährigen Andrea Grabmaier gestellt. Vor einem Jahr bereiste sie für sieben Monate Neuseeland. Dass die Ferien dabei keine reine Urlaubszeit waren, sondern auch mit Arbeit verbunden, empfindet sie im Nachhinein als positiv. „Ich glaube, sonst wäre mir bei meiner langen Reise ohnehin fad geworden.“ Geprägt hat sie vor allem, dass sie einmal gemeinsam mit fünf anderen Wwoofern eine Farm alleine bewirtschaften durfte. Deren Besitzer waren nämlich in die Flitterwochen gefahren. Erfahrungen, die ihr auch bei der Auswahl ihres zukünftigen Berufsfeldes geholfen haben: Im Herbst plant Andi nun das Studium der Argrarwissenschaften in Wien zu beginnen.

Leserkommentar:

Urlaub mit der Mistgabel therese.rieckh@a1.netTherese Rieckh   05.06.06,17:22

Auch wenn ich Megaphon ansonsten sehr schätze, war ich mit diesem Artikeln gar nicht einverstanden. Denn wwoofen ist genau das nicht: eine billige Urlaubsmöglichkeit! Das wird auch extra auf der Homepage, die auch Farmen außerhalb von Österreich anbietet (www.wwoof.org), betont! Wwoofen ist für Menschen, die sich für organischen Anbau und Alternativenergien interessieren und sich auf dem Gebiet weiterbilden wollen. Erholsam kann das schon sein, verglichen mit dem (vielleicht) eintönigen Alltag, es bleibt aber trotzdem mehr oder weniger schwere Arbeit. Das muss auch so sein, schließlich stellt die "host family" Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung und soll trotzdem noch davon profitieren. Im Artikel bekommt man jedoch lediglich das Bild uneingeschränkter Bauernhofidylle vermittelt...und es klingt somit reizvoll, ist aber trügerisch:wer mit so eine Meinung Wwoofen ausprobiert, wird schon bald in ein Motivationstief  fallen, und davon profiert dann weder die "host family" noch man selbst. Ich war selbst 3 Monate lang in Spanien wwoofen, was für mich auch eine Art Auszeit zwischen Schule und Studium war, und es war zwifelsohne eine tolle Erfahrung, aber Urlaub? Ganz sicher nicht!

Weiterführende Informationen unter:

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