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Die Welt ist, was der Ball ist

Von: menina

LEDER
Das Maß der Fußbälle ist der WM-Ball. Der diesjährige WM-Ball ist eine nahezu perfekte, glatte Kugel. Mit seinen Vorgängern konnte auch ganz gut Fußball gespielt werden. Manche von ihnen regierten länger als vier Jahre die Fußballwelt. Ein kurzer Abriss zur Geschichte des Königs der Sportgeräte.

Am 9. Juni um 18:00 Uhr wird der Ball im Mittelpunkt sein. Wenige Augenblicke später wird er und mit ihm die 18. Fußballweltmeisterschaft der Männer angekickt werden. Von da an wird sich anderes in das Zentrum der Aufmerksamkeit spielen. Schöne Tore, fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen, derbe Fouls und vor allem gute Spiele und Spieler. Der Ball wird mit Füßen getreten, abgestoßen und in die Wolken gejagt werden. Zwischen kräftige Fußballerbeine wird er geraten und so zum Pressball mutieren. Nur wenige vermögen den Ball gut zu behandeln. Sie streicheln ihn und geben ihm Halt, so als wollten sie ihn mit ihren Füßen umarmen, was freilich stets misslingt. Für diese Spieler ist der Ball keine Eigenschaft einer Kleingruppe, +Teamgeist heißt der diesjährige WM-Ball, sondern noch immer das, was er einstmals war – der Star, der Telestar.

Telestar
In Mexiko fand die Fußball-WM 1970 statt. Seit damals stellt die Firma adidas den offiziellen WM-Ball. Die WM 70 war die erste Fußball-WM, die live nach Europa übertragen wurde und mit ihr der Telestar. Die Panels des Telestar, waren nicht mehr Streifen oder Rechtecke wie bei seinen Vorgängern, sondern – und das ist der Grund für seine Rundheit  – 12 Fünfecke und 20 Sechsecke. Sein Design machte den Telestar zur Mutter aller Fußbälle. Die Fünfecke wurden schwarz und die Sechsecke weiß gefärbt. Fertig war der schwarz-weiße Telestar. Der Ball der nächsten Fußball-WM hieß, marketingstrategisch  eigentlich recht  verantwortungslos, wieder Telestar.

Tango
1978 bei der WM in Argentinien begann eine neue Fußballära. Mit dem Ball sollten nicht nur Tore geschossen werden, sondern er lud auch ein zum Tanz. Sein Name war Tango. 20 Triaden sind auf dem Tango so angeordnet aufgemalt, dass 12 gleich große Kreise zu sehen sind. Mit geringen Abweichungen wurde an diesem Design bis zur Fußball-WM in Südkorea und Japan 2002 festgehalten. Dort kam dann der Fevernova zum Einsatz, ein guter, bunter und hässlicher Ball.

+Teamgeist
Der +Teamgeist besteht nicht mehr aus 32 Mehrecken, sondern nur mehr aus 14 Panels. Sechs sogenannten Propellern und acht Turbinen. Dadurch wird erstens die Länge der Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Panelen verringert und zweitens eine rundere Struktur erreicht. Die Abweichung zur perfekten Kugel soll beim +Teamgeist 0,1% angeblich nicht überschreiten. Die geringere Anzahl der Panels sorgt für eine insgesamt glattere Oberfläche, was sowohl Ballkontrolle als auch Schusspräzision erhöhen soll. Die Chancen, den Ball an einer Naht- bzw. Klebestelle zu treffen, ist bei 14 Panels geringer als bei 32.

Frucht
In den Parks und auf den Wiesen, auf den Fußballplätzen, Wohnstraßen und in den Hinterhöfen Österreichs wird der +Teamgeist aber fälschlicherweise als „Leder“ oder „Wuchtel“ bezeichnet werden. Manche werden ihn auf seine äußere Hülle reduzieren und „scheib’ her die Haut“ rufen, wenn sie dieses Sportgerät zu Füßen liegen haben wollen. Auch „Wurscht“ wird dieser High-Tech Ball genannt werden, wobei es sich meiner Kenntnis entzieht, woher diese Benennung stammt. Den Fußball „Frucht“ zu nennen, erscheint mir plausibler zu sein. Die Frucht zu pflücken bringt ebenso Freude und Vorfreude wie den Ball zu erheischen. Die Freude besteht im Besitz, die Vorfreude in der Hoffnung auf Genuss. Der Besitz der Frucht verheißt kulinarische Freuden, der Besitz der Frucht, die diesfalls der Fußball ist, macht Appetit auf die Realisierung des Zwecks des gleichnamigen Spiels, den Helmut Schulte, ein ehemaliger Trainer des FC St. Pauli, pointiert so bestimmt: „Ball rund muss in Tor eckig“.

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