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Vom Leben in Liedern

Von: Tatjana Lesjak

KÜNSTLER.
Flow Bradley, ehemaliger Leadsänger der Hardbradler, mag es langsam. In der Musik und in Graz hat er seine Heimat gefunden.

Ich lebe mein Leben in den Liedern. So ist das, wenn man mit dem Leben an sich Schwierigkeiten hat“. Der Künstler Flow Bradley ist keiner, der das Leben leicht nimmt. Wobei so mancher Nachwuchsmusiker angesichts dieses Lebenslaufs vor Neid erblassen würde. Bis zum Jahr 1999 finanzierte er sich mit seiner Musik das Studium der Sportwissenschaften und der Philosophie und Psychologie. Seither ist er als freischaffender Künstler und Profimusiker tätig und verdient damit sein täglich Brot. Zum Profimusiker wurde Flow Bradley erstmals in der Band „Groove Machine“. „Da haben wir so AC/DC-Sachen nachgespielt. Die Musik war für mich immer ein notwendiger Ausgleich zur Schule“. Für diesen Ausgleich geht der junge Mann auch mal über Grenzen. Im Jahr 1994 hatte er kurz vor einem Auftritt mit den „Hardbradlern“ einen schweren Autounfall, was ihn aber nicht davon abhielt, auf die Bühne zu gehen und unter Schmerzen sein Bestes zu geben. Just an diesem Tag war ein Vertreter einer Plattenfirma im Publikum, was der damals kaum bekannten Band den Weg zum Erfolg ebnete. Doch eben dieser hatte auch seine Schattenseiten. „Ich blicke auf die Zeit mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Wenn du 19 Jahre alt bist und du kommst in Berührung mit Plattenfirmen, hast natürlich von nix eine Ahnung. Ich bin jetzt in keinem Vertrag mehr drinnen und das ist gut so“, reflektiert Bradley.

Ein langsamer Aussenseiter
Dass das Erlebte nicht spurlos an dem fast noch jugendlichen Mann vorübergegangen ist, beweist vor allem seine auch medial ausgeschlachtete Zwangseinweisung in eine psychiatrische Anstalt im Jahr 2000. Die fehlende Nähe zu sich selbst und das daraus resultierende Gefühl überall fremd zu sein, beschäftigen den Künstler noch heute. Nicht zuletzt deshalb hat er eine Selbsthilfegruppe gegründet, die sich aus Menschen mit den verschiedensten psychischen Problemen zusammensetzt.  Seine Lebenseinstellung beschreibt Bradley relativ simpel: „Ich bin langsamer Natur“. Er habe recht bald gemerkt, dass er ein Verfechter der Entschleunigung sei. „Mit der Band ‚Groove Machine’ haben wir einmal das Lied ‚Johnny be good’ gespielt. Das ist ziemlich schnell und ich bin mittendrin immer langsamer geworden, weil ich die Geschwindigkeit nicht mag. Das war einer der Gründe, warum es mit der Band auf Dauer nicht geklappt hat. Wenn ich was zu schnell mach, hauts mich auf die Goschn“, erzählt er. Dass er die Dinge immer ein bisschen anders sieht als die meisten anderen, hat ihm ein Dasein als Außenseiter beschert, womit er aber nicht wirklich Probleme hat. Vor zwei Jahren hat er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. „Als irgendwann das Angebot kam, eine Homestory über mich zu machen, hat es mir gereicht. Ich dachte, meine Arbeit hätte genug Substanz. Da braucht man sich nicht auf den Menschen dahinter stürzen.“

Die „Hardbradler“ gibt es nicht mehr, aber deren ehemaliger Leadsänger ist alles andere als untätig. So mischt er etwa bei einigen sozialen und künstlerischen Projekten mit. Bradleys Horizont reicht von dem Projekt „Interkulturelle Gärten Graz“, bei dem Menschen mit Migrationshintergrund Boden bebauen, bis zum Kunstprojekt Re-Generation, das unterschiedliche Künstler aus verschiedenen Generationen zusammenführt. Vor allem Integration ist Flow Bradley ein persönliches Anliegen. „Damit beschäftige ich mich häufig. Nicht nur, was Ausländer betrifft. Integration fängt bei uns selbst an“, erklärt er auch gleich im Ansatz das Cover seiner neuen CD „Sississippi“. Darauf ist ein Fremdenpass zu sehen. „Ich hab den bei einer Bekannten gesehen und gedacht: ‚So einen brauch ich eigentlich auch. Immerhin fühle ich mich über weite Strecken überall fremd.`“  

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