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Das Tanzen der Bilder

Von: Ingrid Brodnig

LEBENSKÜNSTLER Mit ihrer Malerei und Fotografie ist Ingrid Copertini auf der Suche nach dem Rhythmus, privat kämpft sie mit ihrer Parkinsonkrankheit. Über das Handwerk Kunst und das Angenehme am Heimatlossein.

So nebenbei kannst du nicht malen“, erklärt Ingrid Copertini. Dass das Malen für sie kein Nebenbei ist, ist leicht erkennbar: Im Atelier stapeln sich Bilder – von Menschen, Blumen, Landschaften. Was sie daran interessiert: Die Spannung in der Wiederholung. In anderen Worten: der Rhythmus. „In allen Dingen ist Rhythmus, nicht nur in der Musik“, weiß die 65-Jährige. „Wenn ich vor einem Bild stehe und male hat es noch lang nicht diese Dynamik, wie wenn ich tanze und male.“ Der Tanz kann dabei durchaus nur innerlich stattfinden – wichtig ist, dass er sich im Bild wiederfindet: Das gelingt Copertini etwa mit wilder Strichführung, als ob ein Wind durch das Bild fahren würde.

Handwerk
Als „Kunst“ sieht sie das nicht unbedingt. „Sich von vornherein als Künstler zu begreifen, empfinde ich als Anmaßung.“ Copertini spricht lieber von solidem Handwerk: „Wenn du einen guten Tisch machen willst, der solide und schön ist, dann musst du das gelernt haben – so wie Malerei.“ Die Zeit, die man braucht, um das Handwerk zu beherrschen, fand sie erst spät: Zwar hatte sie an der Akademie der Schönen Künste in Mailand zu studieren begonnen, ihre Ausbildung brach sie jedoch für Mann und Kind ab. Erst in den Neunzigerjahren, als sie an Parkinson erkrankte, nahm sie sich die Zeit und Ruhe für das Handwerk. „Dann habe ich drei Jahre gemalt wie besessen. Und nach den drei Jahren war ich fertig geworden mit der Krankheit.“ Gleichzeitig war sie zufrieden mit ihrer Malerei: Es folgten Ausstellungen und Kooperationen mit anderen Künstlern – die größte am Grazer Flughafen, wo sie ihre Toskanabilder ausstellte. Heute reizt sie auch die Fotografie und das Portraitieren. Neben ihrer Kunst ist ihr aber auch die Aufklärung über ihre Krankheit wichtig: „Nicht jeder, der auf der Straße torkelt, ist ein Betrunkener.“ Die Parkinsonkrankheit beeinträchtigt  doppelt: durch das Versagen der Motorik und dadurch, dass Menschen oft eine ablehnende Haltung gegen jene aufweisen, die wegen ihrer Krankheit aus der Reihe tanzen. Ein Leben aber nur zu Hause ist für Ingrid Copertini, die viele Grazer aus dem Thienfeld oder von kulturellen Veranstaltungen kennen, undenkbar.

Die 65-Jährige ist im Laufe ihres Lebens in Hamburg, Berlin, Brasilien, Graz und Florenz heimisch geworden und sieht sich trotzdem als Heimatlose. „Das ist nichts Schlechtes. Das bedeutet auch, ungebunden zu sein.“ Nun geht sie zurück nach Florenz, wo mittlerweile auch ein Enkelkind wartet. Ihr vorerst letztes Graz-Projekt hat sie aber davor noch fertiggestellt: „Foto im Foyer“ ist eine selbst gezeichnete Zeitung, bei der sie aus Spiegelungen der Kunsthausoberfläche einen Krimi bastelt. Eine Fortsetzung kann sie sich zum Thema Erziehung denken – dann allerdings mit anderen Grazern. „Ich habe noch vieles vor“, erklärt Ingrid Copertini. Denn der Augenblick, der gerade jetzt ist, ist das Leben.

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