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Antigone Lebt

Von: Von: Birgit Schweiger

FRAUENPOWER. Die junge, bereits vielfach ausgezeichnete Dramatikerin Gerhild Steinbuch erzählt über sich und ihr neues Stück „verschwinden“. Es wird im Rahmen des steirischen herbstes uraufgeführt.

Sie zieht ihre Sache durch.“ Was Gerhild Steinbuch über die starke Hauptfigur ihres neuen Stückes sagt, kann auch von der Autorin selbst behauptet werden: Mit „verschwinden“, das während des steirischen herbstes zu sehen sein wird, wird das vierte Bühnenstück der erst 24 Jahre alten Dramatikerin aufgeführt.
Für das Stück, das als Auftragsarbeit des steirischen herbstes am 10. Oktober auf der Studiobühne der Grazer Oper Premiere feiert, bearbeitete Steinbuch den klassischen Antigone-Mythos. Die Idee dazu entstand zusammen mit dem Regisseur Roger Vontobel, den Sommer über schrieb die Autorin an der Endfassung.

Zwischen Macht und Moral
„Die starke Frauenfigur fand ich gleich sehr interessant, ich kann mich gut mit ihr identifizieren“, erklärt sie, nippt an ihrem Milchkaffee und schmunzelt, „die Männer im Stück sind doch alles eher Schlappschwänze“. Den Mythos nahm Steinbuch als Basis, „um ein komplett neues Stück zu entwickeln: In ‚verschwinden oder Die Nacht wird abgeschafft’ gibt es den selben Grundkonflikt wie in ‚Antigone’, aber die darüber liegende Handlung ist ganz anders“. So prägen das Thema der Identitätssuche und die Frage nach dem Verhältnis von Macht, Moral, Recht und Menschlichkeit – die großen Konflikte auch im Antigone-Mythos – das eigenwillige Stück. Die Autorin übersetzte den Klassiker, in dem Antigone ihrem Bruder eine Beerdigung zuteil werden lassen will, aber daran von Kreon, der an die Gesetze erinnert, gehindert wird, in einen sehr gegenwärtigen Kontext. „Die Akzeptanz des Älterwerdens wird darin thematisiert“, so Steinbuch: Figuren aus drei Generationen leben in „verschwinden“ in einer Gesellschaft, in der die Jugend das höchste Gut darstellt, in der die Figuren gegen das Altwerden kämpfen und die Konsequenzen dessen verdrängen. Das Stück, „aus dem sich hoffentlich jeder was mitnehmen kann“, wurde gemeinsam mit den SchauspielerInnen noch während der ersten Proben vor dem Sommer weiterentwickelt, „was toll geklappt hat. Man kann sich gegenseitig immer wieder beeinflussen und Dinge kritisieren und verbessern“, freut sich Steinbuch über die gelungene enge Zusammenarbeit mit dem Regisseur und den AkteurInnen.

Mit 20 der Durchbruch
Die zierliche, in Mödling geborene Schriftstellerin, die „schon immer was mit Sprachen machen“ wollte, war schon mit elf Jahren Mitglied der Grazer Jugendliteraturwerkstatt, wo sie sich einige erste Preise erschrieb, bevor sie „Szenisches Schreiben“ studierte. Mit zwanzig schaffte sie ihren Durchbruch als Autorin, als sie zuerst mit dem Retzhofer Literaturpreis ausgezeichnet wurde und kurz danach den Stückewettbewerb am Lehniner Platz in Berlin gewann; ihr erstes Stück „kopftot“ wurde 2004 dort gelesen. 2005 folgte das zweite dramatische Werk „Nach dem glücklichen Tag“, das in Graz aufgeführt und später auch als Hörspiel produziert wurde. 2006 war Steinbuchs drittes Stück „schlafengehn“ auf der Schauspielbühne Essen zu sehen. Neben zahlreichen Stipendien, wie etwa dem Nachwuchs-Stipendium der Hermann-Lenz-Stiftung und dem Dramatikerinnenstipendium des Bundeskanzleramtes, gewann die Jungdramatikerin unter anderem den Reinhard-Priessnitz-Preis des Bundeskanzleramtes und war 2005 für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert.
Nach den Aufführungen von „verschwinden“ im Rahmen des steirischen herbstes geht es für die erfolgreiche Schriftstellerin, die momentan in Wien lebt, nach Stuttgart. Als Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude wird sie acht Monate lang an einem Prosaprojekt arbeiten und sich parallel dazu mit Dramatik befassen. „Das ist einfach das, was ich machen will und was ich mir für mein Leben vorstelle“, legt Steinbuch fest, und es ist klar: Sie zieht ihre Sache durch.

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