STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2007/April/Sonnengruß und Kastanienkind/
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Sonnengruß und Kastanienkind

Von: Melanie Troger

KINDERYOGA
Nicht nur Erwachsene fühlen sich vom Alltag gestresst und überfordert. Loslassen und konzentrieren lernen mit Yoga - die Kleinsten machen es uns vor.

Die Menschen in Indien haben zuerst die Tiere beobachtet, sie dann nachgemacht, und so ist dann Yoga entstanden“, beschreibt die achtjährige Line. Sie streckt und verdreht ihren kleinen Körper - gerade ist sie ein Hund,  dann eine Katze, dann macht sie sich ganz klein und ist eine Maus. Zu indischen Klängen turnen die kleinen Yoginis Line, Tessa und Jonas ganz entspannt auf ihren Yogamatten.
„Der Unterschied zum Yogaunterricht für Erwachsene ist, dass Kindern die Übungen kreativ und spielerisch vermittelt werden. Sie können ihrer Phantasie freien Lauf lassen, ihre eigenen Figuren erfinden und gestalten so die Stunden mit“, erklärt Sibylle Schöppel. Line und Tessa zeigen, wie sie sich ein Nashorn vorstellen, und Yogalehrerin Sibylle macht eine Yogafigur daraus. Spielerisch wird von einer Position zur nächsten gewechselt.

Kein falsch, nur anders
Die 27-jährige Sibylle Schöppel hat Ausbildungen speziell für Kinderyoga in den USA und Indien absolviert und in Mexiko City Stunden gegeben. Der gelernten Kindergartenpädagogin ist es wichtig,  dass  die Kinder zu nichts gedrängt werden, dass es keinen Leistungsdruck und kein Konkurrenzdenken gibt. „Der in vielen Sportarten vorherrschende Wettbewerbsgedanke  fällt weg. Kinder sagen auch einfach, wenn etwas weh tut. Sie  haben noch eine ganz andere Einstellung zu ihrem Körper, sie hören auf ihn und machen nicht weiter bis zur Schmerzgrenze, wie das bei Erwachsenen oft der Fall ist.“

Positive Wirkung
„Oooohm…“ Line, Tessa und Jonas sitzen konzentriert im Lotussitz und lassen ihre Energie fließen. „Gerade Kinder genießen die Momente der Ruhe und Entspannung. Einmal nur mit sich selbst beschäftigt, weit weg von Reizüberflutung, Schule und anderen Sorgen“, so Schöppel. Mit Phantasie und Kreativität lernen die Kinder sich selbst und ihren Körper kennen, bewusster mit sich selbst und anderen umzugehen, werden konzentrierter, flexibler, koordinierter und ausgeglichener. Regelmäßiges Yoga löst innere Blockaden und körperliche Verspannungen. Yoga fällt mittlerweile in den Sektor der Präventionsarbeit. In Holland ist Kinderyoga schon im Schulunterricht üblich, in Deutschland werden die Kurskosten oft von der Krankenkasse übernommen.

Voneinander lernen
Kinder merken sich die Übungen schnell und sie sind stolz, wenn sie den Eltern etwas beibringen können. Bei Fortbildungsseminaren gibt Schöppel ihr Wissen auch an andere PädagogInnen weiter. In „Lies mal Yoga“ hat sie Kinder-yogaübungen in kleine phantasievolle Geschichten verpackt. Das Buch erzählt von rollenden Kastanienkindern oder Herrn Udara, dem luftigsten Wesen der Welt, das in einem Luftschloss wohnt. Und Line, Tessa und Jonas berichten von Luftballons, die nach Schokolade und Kirschen schmecken und Inseln, auf denen sie sich ausruhen.  Das haben sie von ihren Phantasiereisen mitgebracht.
„Wenn die Kinder einmal Kummer haben oder sich vor Tests in der Schule fürchten, können sie eine kleine Atemübung machen und sich heimlich an ihren Phantasie-Ort versetzen, wo sie geborgen sind und neue Kraft tanken können.“

Weiterführende Informationen unter:

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