Zur Startseite MEGAPHON

Pack die Frisbeescheibe ein

Von: Alina Stockinger

DISCGOLF Eine neue Kombinationssportart hält Einzug im Grazer Stadtpark. Oder: Warum sich in Graz vielleicht bald alles um die Scheibe dreht.

Wieso werfen diese Burschen und Mädels ihre Frisbeescheiben gegen die Bäume?“ Diese Frage könnte sich schon so mancher Hundebesitzer beim Morgenspaziergang durch den Grazer Stadtpark gestellt haben. Des Rätsels Lösung: Sie spielen Discgolf, laut Wikipedia auch liebevoll „Frolf“ genannt. Was es mit dieser Kombination aus Frisbee und Golf so auf sich hat, konnte in einer lehrreichen Stunde mit dem Discgolf spielenden Sportstudenten Sebastian Tatra in Erfahrung gebracht werden.

Der Korb als Ziel
Tatra stellt eine Reisetasche voll mit leuchtend bunten Scheiben auf die feuchte Wiese. „Also, das sind die Discs“, sagt er und holt ein rosarotes Wurfgeschoß, das etwas kleiner und weicher als eine normale Frisbeescheibe ist, heraus. „Das ist ein Driver – der fliegt aufgrund seiner Aerodynamik am weitesten“, erklärt der begeisterte Discgolfer. Es folgt eine orange Scheibe für Annäherungszwecke („Approacher“) und eine gelbe für die kurzen Distanzen („Putter“). Spätestens mit dem dritten Wurf sollte man das Ziel treffen. Bei den Profis handelt es sich dabei um ein Gestell mit Eisenketten, in denen sich die Disc verfängt, um dann in den darunter befestigten Korb zu purzeln. Rein optisch  kann man sich das Discgolf-Ziel auch als eine Kreuzung aus Mini-Maibaum und Basketball-Korb vorstellen. „Wir spielen hier im Stadtpark aber auf Bäume, Masten und Laternen“, sagt Tatra und macht den ersten Wurf. Hätte Tatra damit bereits getroffen, wäre das wie beim Golf ein „Hole-in-One“ gewesen; bei einem Treffer mit dem zweiten Wurf hätte es sich um ein „Birdie“ gehandelt. Warum es in der Discgolf-Sprache neben den üblichen Golfbegriffen vor Anglizismen nur so wimmelt, lässt sich schnell erklären: Der Sport kommt aus den USA, wo er in den 70er Jahren erfunden wurde und mittlerweile professionell gespielt wird. Europaweit floriert der Scheibensport in Skandinavien, Deutschland und der Schweiz. Aber auch in Österreich wachsen die Clubs laut Sebastian Tatra gerade „wie die Schwammerln aus dem Boden“.  

Unsichtbarer Parcours
Der Stadtpark-Kurs besteht aus 18 Bahnen, deren Länge von ihrem Schwierigkeitsgrad abhängt. „Wenn es viele Hindernisse oder ‚Doglegs’ gibt, ist die Bahn so an die 50 Meter lang, wenn es aber zum Beispiel bergab geht, kann sich die Länge schon verfünffachen“, schätzt Tatra. Den für Laien unsichtbaren Park-Parcours hat übrigens der dreifache Staatsmeister im Discgolf, Oti Derschmidt, entwickelt. Derschmidt ist Obmann des DGCG (Discgolf-Club Graz) und nimmt derzeit gerade an der Discgolf-EM in Belgien teil. Aber auch Sebastian Tatra, der sich übrigens mit hellblauem Vereinsleiberl und Kappe in Schale geworfen hat, strebt eine Teilnahme an der EM, die nächstes Jahr in Deutschland ausgetragen wird, an. „Da muss ich aber noch viel trainieren und Turniere spielen, damit ich da dabei sein kann“, meint die Nummer 17 der Österreichischen Rangliste bescheiden. Der nächste Turniertermin in Graz ist übrigens am 20. und 21. Oktober im Schaftal. Der kleine Wald hinter dem LKH ist wie auch die Hebalm mit professionellen Discgolf-Körben ausgestattet.

Ein Sport für alle
Um rein hobbymäßig ein bisschen Discgolf spielen zu können, braucht man eigentlich nur eine Scheibe, wobei Tatra die „Buzzz-Disccraft“, die man um zirka 15  Euro im Internet bestellen kann, als Allroundtalent empfiehlt. Es ist aber beim Spielen auf öffentlichen Plätzen große Vorsicht geboten, da eine fliegende Scheibe PassantInnen ernsthaft verletzen könnte. „Wir werfen nicht, wenn irgendjemand in der Bahn steht“, versichert der Sportstudent und wartet bis ein Spaziergänger und dessen Hund gemächlich vorbeigetrottet sind. Im Sommer ist wegen der vielen Leute, die ihre freien Stunden im Park verbringen, eigentlich nur ein Spiel bei Schlechtwetter oder im Morgengrauen möglich. „Wir kommen im Sommer relativ früh, wenn die Punks auch noch nicht da sind“, schmunzelt Sebastian. Ein letzter Pluspunkt für die Bewegungsfauleren: Discgolf ist ein gemütlicher Sport – weder laufen noch große Kraft sind erforderlich. Fazit: Weg mit der Kugel und her mit der Scheibe!

    Zum Seitenanfang   Zur Druckansicht   HOME  |  IMPRESSUM  
e-dvertising - Werbung, Webdesign, CMS, Fullservice
(Partner/Förderer)
(Anzeigen)