STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2007/Dezember/Die schönsten Lendereien/
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Die schönsten Lendereien

Von: Pia Moser

Lendläden. Ausgefallene Geschenkideen verstecken sich heuer am rechten Murufer. Was die Läden der neubelebten Lendgegend so zu bieten haben, zeigt ein facettenreicher Einkaufsbummel.

Schon der griechische Philosoph Seneca erkannte: „Man irrt, wenn man glaubt, dass Schenken eine leichte Sache sei“ – und damit traf er voll ins Schwarze. Weihnachten kommt. Und gleichzeitig tut sich auch die alljährliche Frage auf, was denn nun eigentlich den Platz unterm Christbaum bekommen soll. Schenkerische Abhilfe gibt’s beim Einkaufsbummel durch die kleinen kultigen Lendshops mit ihren originellen und durchaus auch sozial verträglichen Angeboten. Also weg vom Mainstream, raus aus der Herrengasse und kurzerhand das Ufer wechseln.

1. STATION: DA LOAM

In der Mariahilferstraße 11 hat Selma Etareris Laden „Da Loam“ – frei übersetzt „der Lehm“ – eben genau das: handgemachte Lehmgegenstände in allen Variationen. So bekommt man hier kugelrunde Frauenskulpturen, fein bemalte Gebrauchsgegenstände wie Teeschalen oder Vasen sowie allerlei Ketten und Ohrringe aus Keramikteilchen. Die unzähligen Tonarbeiten sind eingebettet in eine sympathisch-persönliche Einkaufsatmosphäre – „hier könnte man zuhause sein“, wie die Ladenbesitzerin schwärmt. Einzug ins Geschäft finden vor allem jene Produkte, die aus eigenständigen Ideen entstanden sind. Den Ton geben vorwiegend Erdfarben an. Aktuelle Hauptattraktion sind schräge Teekannen von verschiedenen KünstlerInnen. Ob rund, eckig oder mit kleinen Füßchen dran – jedenfalls ein Fest fürs Auge und für Teeliebhaber. Unser Geschenktipp ist auch nach Etareri „der Renner“: Ein individuell bemalter Unikatbecher, den es zusammen mit einer Tafel Fair-Trade-Trinkschokolade um 20 Euro zu erwerben gibt. Etwas teurer, aber dafür sehr partnerschaftlich ist der Zwei-Stunden-Zu-Zweit-Gatschen-Gutschein: ein Schnellkurs im Tongatschen für zwei. Wer es noch persönlicher mag, der kann sich im Da Loam gleich selbst ans Werk machen und Schmuckgegenstände aus kleinen Tonteilen gestalten. Das Tässchen Tee gibt’s übrigens jeden Mittwoch inklusive.

2. STATION: MARS 32
Nicht am Mars, sondern gleich nebenan hat sich das Künstlerkollektiv POW auf einer elf Quadratmeter kleinen, temporären Präsentationsfläche eingenistet, wo von Ende November bis Ende Februar das Non-Profit-Projekt „Mars 32“ seinen Lauf nimmt. Die Idee dahinter: eine bunte Experimentierwiese, frei zugänglich für all jene, die sich in Sachen Kunst und Produktdesign etwas trauen und ihre fertigen Ideen auch mal zur Schau stellen und zum Verkauf anbieten wollen. Eingebunden in das Projekt ist ein kleiner Shop in der Mariahilferstraße. Was gibt’s zu sehen? Auf der Liste steht ausschließlich Selbstgemachtes – „ein bunter Mix“, wie es die POW-Mitglieder treffend beschreiben. Nichts soll dem anderen gleichen. So findet man im Mars-Shop beispielsweise lustige Textilkreationen, nette Postkarten und Kunst auf Papier, kleine und große Tikifiguren sowie Neuinterpretationen von Alltagsgegenständen und Möbeln. Besonders auffällig sind die kleinen NIWS (nicht-interpretierbare Wesen), Plüschtierchen, die an Bewohner eines anderen Planeten erinnern. Der Verkauf passiert im Kleinformat, darum wechseln die Produkte wöchentlich. Und auch die Preise bewegen sich im erschwinglichen Rahmen – das, obwohl der eigentliche Wert der selbstgemachten Arbeiten viel höher ist.

3. STATION: TAG.WERK
Ein paar Schritte weiter nimmt auch das Werken im Beschäftigungsprojekt „tag.werk“ froh und munter seinen Lauf. Produktive Köpfe und Nähmaschinen werden angeschmissen, um das Angebot im „kauf.gschäft“ mit weiteren Einzelstücken aus Stoff- und Planenresten zu bereichern. Neben dem regulären Taschensortiment gibt’s natürlich auch ein paar Newcomer, die bekannterweise allesamt von Jugendlichen angefertigt wurden. Bike-Taschen zum Beispiel, mit unüblichen Verkehrssymbolen geschmückt und einem praktischen Gurt versehen. Neu ist auch die m3-Taschenlinie, die aus einer Kooperation mit der Postgarage entstanden ist. Sie beschert uns sowohl Plattentaschen inklusive Mini-Discokugel als auch – wie es Teamleiterin Eva Hysa liebevoll zu sagen pflegt – „klassische Ausgehtäschchen“ im Plüschstil. In der Weihnachtszeit erfreuen sich dann doch eher die kleinen Teile großer Beliebtheit. Als heuriges Christkind-Special gibt’s zu jeder Kalender-Hülle die passende Einlage. Wer sich lieber auf Textiles besinnen möchte, findet in der Kleiderabteilung unzählige Unikate aus zweiter Hand und Designerstücke mit österreichischem Ursprung. Kramen erlaubt!

4. STATION: LADEN 21

Wer den „Laden 21“ in der Mariahilferstraße betritt, sollte sich der dort herrschenden Gemütlichkeit wegen zuerst einmal setzen. Hier gilt es in Wohnzimmeratmosphäre einzukaufen. Für all jene, die dem gewohnheitsgemäß hektischen Weihnachts­einkauf nichts abgewinnen können, ist der „Original Vintage Store“ die richtige Adresse zum Schmökern und Bestaunen. Und da gibt es genug: von lässigen Loungemöbeln und russischen Weckern im 50er-Stil über samtige Schalensessel bis hin zu Kerzenständern und Retro-Lampen. Obwohl 70 Prozent des Sortiments gebraucht sind, kann von einem Flohmarkt nicht die Rede sein. Die lustigen Stücke aus den 50er, 60er und 70er Jahren stammen vorwiegend aus Österreich, Belgien und Holland und werden im Laden 21 teils in neue Schale geworfen. Die restlichen 30 Prozent an Wohndesign- und Zubehörteilen wurden von jungen DesignerInnen angefertigt. Die Preise sind nicht die niedrigsten, dafür ist aber die Qualität der Stücke seh- und spürbar. Wessen Geschenke-Budget eher schmächtiger ausfällt, der findet im Laden 21 durchaus kleine Besonderheiten wie uralte Zeitungen als Geschenkspapier oder originale 60er-Tapeten mit Gockelaufdruck. Im Dezember wird’s hier noch heimeliger: An der Suppenbar können BesucherInnen für drei Euro Suppe löffeln und bequemen Austausch pflegen. „Ich möchte, dass hier ein Kommunikationszentrum entsteht. Zum Plaudern und Stöbern“, so die stolze Shopbesitzerin. Kurzum, ein Laden, wo eben nicht das Einkaufen die Hauptsache ist.

5. STATION: HEIDENSPASS
In der Stockergasse 10, hinter einem unscheinbaren Haustor, verstecken sich Shop und Werkstatt des Arbeitsprojektes „heidenspass“. Die Stiegen rauf, lachen einen bereits die ersten Taschen im Plastikcollagenstil an, die man bereits aus dem Kunsthaus-Shop kennt. Auseinandergeschnipselte und wieder neu zusammengesetzte Motive sind wohl das stärkste Charakteristikum der von den dort beschäftigten Jugendlichen teils selbst kreierten Produkte. Die Atmosphäre im Laden ist sehr persönlich, genau wie die Arbeiten selbst. Für das Weihnachtsgeschäft werden nun vermehrt auch kleinere Produkt­ideen verwirklicht: Schlüsselanhänger zum Beispiel, aus Gummi oder mit einem kleinen Täschchen dran. Auch lustig sind die Klemmbretter aus alten Plattenhüllen. „Fliegentot mit heidenspass“ garantiert eine überdimensionale Fliegenklatsche, die einem Riesenkochlöffel gleicht. Jedes der schrägen Teile von heidenspass ist aus diversen Überbleibseln und Recyclingmaterialien angefertigt. Wer möchte, kann seine Ideen auch gleich selbst mitbringen und sie kurzerhand in ein nettes Accessoire verwandeln lassen.

Weiterführende Informationen unter:

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