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Stiel am Eis

Von: Gerhild Wrann

EISSTOCKSCHIESSEN
Mit seinen 1800 Vereinen liegt der Eis- und Stocksport hinter Fußball an zweiter Stelle Österreichs beliebtester Sportarten. Professioneller Sportsgeist versus Glühweinseligkeit - ein Lokalaugenschein in der Oberliga.

Noch sind die Bahnen auf der Eisfläche stock- und menschenleer. Ein Polierfahrzeug dreht geräuschvoll seine Runden. Erst allmählich beginnen sich zahlreiche Männer und wenige Frauen in kleinen Gruppen mit verschiedenfärbigen Dressen um die Kantine zu drängen. Jedoch nicht um sich um heiße alkoholische Getränke zu raufen, wie es das Klischee vermuten ließe, sondern um Stiele und Stockkörper für den bevorstehenden Einsatz in Position zu bringen. Die ersten betreten das Eis und klack! Schon schlägt ein Stock hallend gegen die Daube. Ein gewohntes Bild Mittwochabend in der Liebenauer Eishalle, wenn ab 20 Uhr das wöchentliche Training der Eisstockschützen beginnt.

Keine Juxpartie
„Angeblich gibt es in Österreich mehr Mitglieder bei Eisstockvereinen als bei der freiwilligen Feuerwehr“, erzählt einer der Trainierenden, Volker Truschnegg, immerhin Eisstockschützenweltmeister des Jahres 2002. Der Bund Österreichischer Eis- und Stocksportler ist mit 1800 Vereinen der zweitgrößte, mit 125.000 aktiven Mitgliedern hinter Fußball, Schisport und Tennis der viertstärkste Sportverband Österreichs und wird in sieben Ligen ausgeübt. Von den 15 Vereinen in der höchsten Liga kommen sieben aus der Steiermark. „Drei davon trainieren beim Verein Fresing, für den auch ich spiele“, berichtet der 25-jährige Student, der in der 400-Seelengemeinde Fresing mit dem Stocksport aufgewachsen ist. Der Ehrgeiz ist dem Schützen förmlich anzusehen. Eine professionelle Einstellung, die keine Jagateeatmosphäre zulässt? „Am Wochenende beginnen die Turniere um sieben in der Früh, das heißt um fünf Uhr aufstehen und für eine rein Juxpartie ist das einfach zu viel Aufwand.“

Mit 50 km/h
Bei den nationalen und internationalen Meisterschaften wird zwischen den Wettbewerbsarten Zielschießen, Weitschießen und Schnellschießen unterschieden. Weiters finden in den verschiedenen Disziplinen Einzel- und Mannschaftsbewerbe statt, wobei ein Team aus vier Spielern und einem Ersatzspieler besteht. Mittlerweile ist das Training in der Eishalle Liebenau voll im Gang. Massig tummeln sich die Stiele am Eis. Trittfest und zielsicher schießen die Spieler und Spielerinnen ihre Stöcke über das glatte Parkett und immer noch fehlt jede Spur von Glühweinduft und ausgelassener Volksfeststimmung. Scheinbar sind flotte Rutschpartien ein Privileg der Hobbyspieler. Dass es bei den Profis am Eis rasant zugeht, beweisen die Schussgeschwindigkeiten: Die fünf Kilo schweren Stöcke schlittern mit rund 50 Kilometern pro Stunde übers Eis. „Neben der richtigen Technik sind auch Ausdauer und Krafttraining die Eckpfeiler dieses Sportes“, verrät Truschnegg, der bereits im Alter von 15 Jahren Europameister war.

Ganzjährig und weltweit
Um nicht aus der Übung zu kommen finden die Wettbewerbe und das Training ganzjährig statt. Wobei in den warmen Monaten auf Asphalt, Beton oder Kunststoffuntergrund gespielt wird. Seinen Ursprung hat der Sport jedoch in eisigen Regionen wie Skandinavien und dem Alpenraum. Mittlerweile zählt Eisstockschießen aber zu einer weltweiten Disziplin. „Mit ein Grund dafür ist sicher, dass viele europäische Auswanderer den Sport auf anderen Kontinenten eingeführt haben“, vermutet Truschnegg. Trotzdem bekleiden die traditionellen Eisstockländer Deutschland, Italien und Österreich bei internationalen Wettbewerben immer wieder die ersten Plätze. Woran es liegt, dass Eisstockschießen, obwohl es weltweit gespielt wird, nicht olympisch ist –im Gegensatz zu Curling – ist für Volker Truschnegg klar: „Curling ist wie Tennis ein elitärer Sport, mit dem viel Geld gemacht wird. Eisstockschießen ist das nicht.“ Spricht’s, packt den Stock und springt aufs Eis.

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