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Eine grosse Familie

Von: Gerhild Wrann

MULTI-KULTI FAMILIENFEST
Bunte Luftballons, würzige Speisen, herzhaftes Kinderlachen. Gelebte Integration brachte das erste multikulturelle Familienfest im Andrä Foyer in Graz.

Die Grazer Pfarre St. Andrä. Langsam füllt sich das Foyer. Zurückhaltend nehmen die ersten Gäste an den bunten Bistrotischen Platz. Der würzige Duft des internationalen Buffets und die leisen Klavierklänge aus dem Nebenraum geben der Szenerie eine besondere Note. „Jetzt ist auch die nigerianische Familie da. Jetzt können wir beginnen“, so Fred Ohenhen, der zum Familienfest lädt. Die zwei Räume füllen sich mit rund 40 Kindern und Erwachsenen aus Österreich, Tschetschenien, Armenien, Nigeria um nur einige der anwesenden Nationalitäten zu nennen. Vorsichtig werden erste Kontakte über die Tischgrenzen, die in diesem Fall auch kulturelle und geographische Grenzen sind, hinweg geknüpft. Vier Migranten- und vier österreichische Familien gemeinsam an einem Ort. Etwas, was im Alltag nicht selbstverständlich ist. „Wir veranstalten seit sieben Jahren die Afro-Nächte, wissen aber nicht, ob auf diesem Weg Freundschaften entstehen. Deshalb bieten wir jetzt zusätzlich zwei Mal im Jahr unser Familienfest an“, erklärt Fred Ohenhen, Leiter des Projekts IKU vom Verein ISOP, das interkulturelle Bildungsarbeit in Kindergärten, Volks- und Hauptschulen anbietet. Das Konzept des Familienfests scheint zu funktionieren, wie der Lokalaugenschein bei seiner Premiere Mitte Dezember beweist. Der Rahmen wurde bewusst klein gehalten, um den Kontakt zueinander zu erleichtern und eine gemütliche Atmosphäre für das Publikum aus aller Welt zu schaffen.

Eine tschetschenische Familie tauscht sich rege mit einer nigerianischen aus. Die elegant gekleideten armenischen Kinder Azsen und Schuschana ernten von einer jungen österreichischen Mutter bewundernde Worte: „Wie Prinz und Prinzessin. So hübsch!“ Die sechsjährige Schuschana lächelt verlegen und nähert sich neugierig der erst einige Monate alten Tochter der Frau. Die Interaktionen laufen. Der Geräuschpegel steigt stetig, die Gespräche werden nach und nach flüssiger. „Integration hat etwas mit Miteinander zu tun“, betont der Austro-Afrikaner Ohenen, der vor etlichen Jahren von Nigeria nach Österreich gekommen ist. „Es gibt Migranten, die seit mehreren Jahren in diesem Land leben und noch nie mit einer österreichischen Familie gesprochen haben“, weiß der Initiator des ersten multikulturellen Familienfestes. Susanna, die Mutter von Azsen und Schuschana, teilt Ohenhens Erfahrung: „Wie leben seit drei Jahren und acht Monaten in Österreich und wir kennen kaum Österreicher.“ Die armenische Familie wohnt in einem Flüchtlingshaus der Caritas in St. Peter. Zu den Nachbarn gibt es keine Kontakte und in ihrem Alltag bietet sich kaum Gelegenheit, Freundschaften zu Österreichern aufzubauen. „Ich würde so gerne arbeiten, um neue Menschen kennen zu lernen und endlich wieder etwas leisten zu können, aber man erlaubt es uns nicht“, erzählt Susanna mit gedämpfter Stimme. Alle eingeladenen Migrantenfamilien wohnen in Flüchtlingsheimen. „Gerade in der ersten Zeit leiden viele unter den Sprachproblemen und den geringen Sozialkontakten. Mit Projekten wie dem Familienfest soll ein Rahmen geschaffen werden, um aufeinander zu gehen zu können“, erklärt Ohenhen. Freundschaften entwickeln sich gerade am Anfang vor allem über die Kinder. Susanna: „Meine Kinder haben Freunde aus Österreich. Sie gehen beide in den Marienkindergarten.“ Ein Weg der sichtlich funktioniert. Kleine, bunte Gruppen miteinander spielender Kinder, fliegende Luftballons und herzhaftes Lachen beleben die Räume. Einstweilen essen die Eltern zusammen und plaudern – wie in einer großen Familie.

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