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Micromagie und Grossillusion

Von: Birgit Lacheiner

SIMSALABIM
Wenn in Graz Kaninchen verschwinden, steckt bestimmt das Erste Grazer Zaubertheater dahinter. Hokuspokus und wie er funktioniert.

Wie alt bist du? – Acht. – Was willst du werden? – Neun.“ Wenn sich Monsieur Gérard, Magic Alexander, Alex Ray und Hase Stinky gemeinsam auf einer Bühne einfinden, geht es keinesfalls um Zauberei in altbekannter Manier. Eine Abendgala im Ersten Grazer Zaubertheater ist voll von übernatürlichen Phänomenen, Illusion, Fingerfertigkeit und der nötigen Prise Skurrilität. Für das magische Ambiente im ehemaligen Konsum in der Augasse wurde gesorgt: An kleinen Tischen sitzend kann man im Publikum vor der Vorstellung noch klären, ob nicht eigentlich Eppinger statt Eberhartinger Dancing Star sein sollte, und dabei Sekt und Brötchen genießen. Die Tatsache, dass der Glitzervorhang und die meisten Tricks des Zaubertheaters einst Show-Inventar am Traumschiff waren, lässt alles noch einmal so schön glänzen und blinken. Trotz aller Magie und Imagination wird man als Zaubertheater aber auch heftig mit der Realität konfrontiert. Für die notwendigen Subventionen reicht kein Simsalabim aus, mit nur einem Sponsor ist man da schon stärker auf die Gunst des Publikums angewiesen. Vereinssprecher Gerhard Weidinger: „Um als Zauberverein überleben zu können, brauchen wir pro Spielabend zumindest 70 Zuschauer.“

Showtime
Um das Leben der charmanten Zaubergehilfin Maria Fior Baleza bangt man im Publikum. In eine Kiste verpackt wird ihr Körper von Monsieur Gérard in Teile zerlegt und mit Feuer traktiert. Mit einem Lachen im Gesicht und neuem Kostüm am Körper lässt sie das Publikum ob ihrer Unversehrtheit staunen. Wer am Abend seinen großen Auftritt hat, ist vereinsintern geregelt. Jedes Vereinsmitglied verpflichtet sich, einmal im Monat sein magisches Können bei einer Gala zu zeigen. Zusätzlich werden internationale Zauberer eingeladen, die Weidinger bei den zahlreichen Zauberkongressen im Ausland kennen lernt. Zauberkunst kennt viele Arten und Sparten: Zauberclown Bobby begeistert als Bauchredner mit Hasen Stinky oder Ente Rodriguez, Mentalmagier Alex Ray senkt den Pulsschlag des ganzen Publikums so weit, dass er nicht mehr zu spüren ist und hält 400 Piranhas ausschließlich mit seinen Gedanken in Schach.
Zauberlehre
„Im Grunde kann sich jeder einen Trick im Internet kaufen, es steckt aber mehr dahinter, als einige hundert Euro hinzublättern.“ Zauberei ist die Kunst, Illusionen entstehen zu lassen, die hauptsächlich durch Kommunikation mit dem Betrachter zustande kommen. Nur der Austausch mit Zauberkollegen und das regelmäßige Trainieren gewährleisten eine perfekte Show. Jeden Mittwoch um 17 Uhr gibt es im Ersten Grazer Zaubertheater dazu Gelegenheit. Eingeladen ist jeder, nach einem Jahr Anwärterschaft gilt es im Rahmen einer Aufnahmeprüfung, fünf bis sechs Minuten Tischprogramm, auch Micromagie genannt, vor einem Gremium zu präsentieren.
Der Nachwuchs muss nicht immer so jung sein wie die Zaubertalente Simon und Benni, auch ein 53-jähriger Polizeijurist wird in die Geheimnisse eingeführt und geprüft. Mit einem jährlichen Kinderzauberkurs und regelmäßigen Kindervorstellungen werden von Weidinger auch die jüngsten Talente gefördert, sein Credo dabei ist „nicht zuschauen, sondern dabei sein.“ Selbst die Pausen der Gala sind ordentlich gefüllt mit Situationskomik und Publikumsanimation, das abschließend gezeigte Russische Roulette legt die Nerven noch einmal blank und macht Lust auf mehr. Und der Herbst wird heiß: Geplant ist eine gemeinsame Show mit der Travestie-Gruppe Dona Loca, geprobt wird bereits.

Erstes Grazer Zaubertheater
Augasse 94, 8051 Graz
0664/2340675
grazerzaubertheater@direkt.at grazerzaubertheater@direkt.at

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