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Am grünen Tisch

Von: Jessica Maier

SNOOKER
Größere Tische, kleinere Kugeln und stilvollere Tricks. Snooker ist anders als „normales“ Billard. Dresscode inklusive.

Jemanden snookern heißt soviel wie jemanden sperren oder behindern. Oder, wie der Vorsitzende des Snooker Club Graz Hans Werk das Grundprinzip des „gentlemen’s sport“ gern mit zwinkerndem Auge ins Steirische übersetzt, „jemanden in die Sch…gassn treiben.“ Klingt nicht gerade gentlemanlike – und doch ist es genau dieses Prinzip, dem der Präzisionssport seinen Namen zu verdanken hat: Als „Snooker“ wird eine Situation bezeichnet, die ein Spieler provoziert, damit sein Gegenspieler eine Kugel nicht ordnungsgemäß treffen kann und damit zu einer schwierigen Lösung mit Punkteverlust gezwungen ist. Klingt spannend, ist es auch: Wer taktisch klug „snookert“ und nebenbei die 15 roten und sechs andersfarbigen Kugeln mit seinem Queue (sprich: „Kö“) geschickt und vorschriftsgemäß in den Taschen des Tisches versenkt, kann auch bei hohem Punkterückstand noch den Sieg davontragen. Abgesehen von diesem tückischen Charakterzug wird beim Snooker aber Korrektheit groß geschrieben – ein Merkmal, das eindeutig von seiner Heimat im angelsächsischen Raum zeugt, wo der Sport Anfang des 19. Jahrhunderts geboren wurde und sich nach wie vor hoher Popularität erfreut.

Hitze des Gefechts
In Österreich hingegen okkupiert Snooker als „Stiefkind“ des beliebten Freizeitsports Pool-Billard einen ähnlich exotischen Status wie Eisstockschießen auf Barbados. „Dabei ist ein Snookerspiel viel interessanter zu beobachten als andere Billard-Sportarten“, weiß Hans Werk. „Der Zuschauer kann den Ablauf des Spiels nämlich auch dann gut mitverfolgen, wenn er die Regeln nur oberflächlich kennt.“ Herr Werk ist seit der Geburtsstunde des Snookersports in Österreich Anfang der 90er-Jahre „am Queue“. Im Jahr 2004 gründete er gemeinsam mit sieben weiteren Snookerbegeisterten den Snooker Club Graz, der momentan 19 Mitglieder zählt. Jeden Montag- und Dienstagabend trifft man sich im Billardcafé „Immervoll“, das hinsichtlich des Ansturms an die grünbetuchten Tische zu dieser Jahreszeit seinem Namen aber nicht mehr alle Ehre macht. „Die Snooker-Saison neigt sich bereits ihrem Ende zu. Im Sommer finden keine Wettkämpfe statt, und wenn es dann im Immervoll bis zu 40°C heiß ist, kann man einfach nimmer spielen“, erklärt Hans Werk die zwangsläufige Sommerpause.

Internationale Optik
Aushängeschild und bester Spieler des Snooker Club Graz ist momentan Tegshee Josef Nyamaa. Der mongolische Senkrechtstarter mit österreichischem Taufnamen lebt mit seiner Frau und seinen Kindern seit zwei Jahren in Graz und hat in dieser Zeit den unglaublichen Sprung vom Amateur-Spieler auf den aktuellen Platz 14 der Austrian Snooker League geschafft. Ein großartiger Erfolg, der momentan allerdings von Tegshees Kampf gegen eine drohende Abschiebung überschattet wird, in dem ihm Hans Werk unterstützend zur Seite steht. Und die Hoffnung lebt, denn dass die beiden kämpfen können, haben sie in ihrem Sport ja bereits mehrfach bewiesen. Schließlich zählt Hans Werk noch ein weiteres Merkmal auf, das Snooker zum „gentlemen’s sport“ macht: der Dresscode. „Bei größeren Turnieren ist Dresscode A Vorschrift, das heißt dunkle Hose, Schuhe und Socken; zugeknöpftes, ungemustertes und langärmliges Hemd; Fliege oder Krawatte und ein dunkles Gilet“, zählt er die strengen Bekleidungsvorschriften auf. Dresscode B, bei dem auch mal ein kurzärmliges Hemd erlaubt ist, wird höchstens bei kleinen Turnieren gestattet oder wenn das Thermometer auf barbados’sche Temperaturen klettert. Denn ein Foul durch herabfallende Schweißtropfen kann kein Queue-nig riskieren.

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