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Her mit dem Molotowcocktail

Von: Ingrid Brodnig

DIAGONALE
Jungregisseurin Johanna Moder macht in ihrem neuen Kurzfilm das Leben eines Grazer Teenagers zum Schauplatz realitätsnaher Kapitalismuskritik.

Vor kurzem noch hätte Jessica das gleiche wie ihre Freundinnen gemacht: an Burschen gedacht, das Fortgehen geplant oder Shoppen gegangen. Stattdessen bastelt die 16-Jährige nun an einem Molotowcocktail – gedacht für die Firma ihres Vaters, die diesen plötzlich entlassen hat. „Mir ging es darum, was mit einem ganz normalen Grazer Jugendlichen passiert, wenn er plötzlich mit den Auswirkungen von Kapitalismus konfrontiert wird“, sagt Johanna Moder über „Her mit dem schönen Leben“. Der Kurzfilm wurde in Graz gedreht und ist auf der Diagonale zu sehen – das Filmfestival findet heuer zwischen 19. und 25. März zum zehnten Mal in Graz statt. Anschließend soll der Streifen auch auf den internationalen Festivals die Runde machen.  Aber dazu bleibt die 27-Jährige lieber vage. „Man weiß nie, interessiert die Leute überhaupt, was man macht“, erklärt die gebürtige Grazerin. Die Frage des Scheiterns beschäftigt Moder als Regiestudentin nicht nur privat, sondern auch in „Her mit dem schönen Leben“. Die Kündigung des Vaters lässt die wohlbehütete Welt der Protagonistin mit einem Mal zusammenfallen. „Jessica überkommt eine Existenzangst, sie hat das Gefühl, dass sie sich das ganze Leben nicht mehr leisten kann“, erklärt Moder. Für das Drehbuch erhielt sie im Vorjahr gemeinsam mit Co-Autorin Pia Hierzegger den Thomas-Pluch-Preis. Mit Film beschäftigt sich Moder seit zehn Jahren, sozialisiert wurde sie am Theater im Bahnhof, gedreht hat sie bereits an der Seite von Regisseurin Barbara Albert. „Her mit dem schönen Leben“ ist nun ihr größtes Projekt, bald soll ein erster Spielfilm folgen.  Ihren Stil möchte die Studentin der Wiener Filmakademie aber noch nicht definieren. Wenn „Her mit dem schönen Leben“ an „Fucking Amal“ von Lukas Moodyson erinnert, hängt das nicht nur damit zusammen, dass auch Moder großteils auf Laienschauspieler zurückgriff: „Ich mag die Qualität der skandinavischen Filme, den Menschen authentisch und mit solch einer Leichtigkeit zu charakterisieren“, sagt sie und zeigt statt dem erhobenem Zeigefinger lieber Verständnis für die Jugendlichen. „Ich möchte die Figuren mögen, die ich vor der Kamera hab“, erklärt die Regisseurin. Auch wenn sie Molotowcocktails basteln.

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