STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2007/September/Unbezahlbares im Umsonst-Laden/
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Unbezahlbares im Umsonst-Laden

Von: Birgit Schweiger

SOLIDARISCH Wer braucht, der nimmt – wer nicht braucht, der gibt: Das ungewöhnliche Handelsprinzip im Grazer Kost-Nix-Laden versteht sich als Kritik an Kapitalismus und Wegwerfgesellschaft.

Und ich darf das jetzt wirklich einfach einstecken?“ Ungläubig schaut eine etwa 40-jährige Neukundin des Grazer Kost-Nix-Ladens auf das Armband in ihrer Hand. Tatsächlich ist das „Shopping“-Erlebnis in den Räumlichkeiten des „Sub“ nicht alltäglich. Seit Mitte Juli gibt es dort nämlich viel zu haben, aber nichts zu kaufen: Jeder kann gratis mitnehmen, was er gerade braucht, und wer will, bringt Gegenstände, die für ihn selbst unbrauchbar geworden sind. „Es geht dabei ausschließlich um den Gebrauchswert der Dinge, nicht um ihren Geldwert“, erklärt einer der zehn bis 15 jungen Leute, die den Laden ohne Bezahlung am Laufen halten und großteils anonym bleiben möchten. Mit Second-Hand-Läden könne man das Kost-Nix-Konzept ebenso wenig vergleichen wie mit Wohltätigkeitsvereinen: „Es ist vielmehr ein politisches Projekt, das zeigen soll, dass es möglich ist, ohne Geld zu leben, wenn mit den weltweiten Ressourcen bewusst umgegangen wird.“ Was sich auf die Umwelt positiv auswirke und langfristig zu einer Gesellschaft führen könne, die auf Solidarität basiert. Die Kost-Nix-Idee ist nicht neu, in Österreich gibt es bereits drei dauerhaft installierte Läden, auch in Deutschland und Slowenien floriert das Umsonst-Geschäft. Sie habe sich in Berlin und in Wien daran gewöhnt, benötigte Dinge auf diese Weise zu „finden“, erzählt eine gebürtige Französin, während sie mitgebrachtes Besteck und anderen Kleinkram sorgfältig in die überbordenden Regale schlichtet. „Seit ich festgestellt habe, dass man fast alles auch gratis haben kann, will ich gar nicht mehr einkaufen – nur genug Geduld braucht man!“, meint die 26-Jährige. Noch bis Ende September bleibt der Kost-Nix-Laden im Sub, für die Zeit danach ist das Organisatoren-Team auf der Suche nach einer passenden, will heißen: billigen, Location. Diesbezüglich hoffe man auf die nächste Hausbesetzung in Graz, denn „wir würden gerne auch Häuser recyclen“.

Weiterführende Informationen unter:

MEGAPHON, Auschlössl
Friedrichgasse 36, 8010 Graz
Tel: 0316/8015 650
Fax: 0316/81 23 99
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