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Game over

Von: Lisa Schöttel

Game over, Artikel August Ausgabe 2010: Game over, August Ausgabe 2010 (© Lisa Schöttel)

FLUCHT ALS SPIEL. Was zuständige PolitikerInnen meist peinlich vermeiden, hat die E-Game-Community entdeckt: den Versuch, Flucht und Leben in der Fremde – wenn auch virtuell –  hautnah nachzuvollziehen. Vier aus dem MEGAPHON-Team haben drei dieser Spiele getestet und Sterne vergeben (von einem = mickrig bis fünf = supertoll).

LAST EXIT FLUCHT
Das sozusagen hochoffizielle Flüchtlingsspiel. Vom UN-Flüchtlingshochkommissariat entwickelt, hat das Internetspiel drei Ebenen, die wiederum in vier Levels unterteilt sind: von der Verfolgung im Heimatland über die Ankunft im Aufnahmeland bis zur Überwindung bürokratischer und anderer Hürden dort. Das Spiel besteht vorwiegend aus Fragen, die beantwortet werden müssen. Die pädagogische Keule schwingt unentwegt mit, Erfolgserlebnisse sind selten. Gleichzeitig wird aber für Nichtwissende viel Information bereitgestellt, die den weiteren Spielverlauf um einiges einfacher gestaltet. Ein Spiel, für Schulkinder erdacht und entwickelt, das außerhalb des Schulbetriebs wohl kein Renner werden wird. Insgesamt aber gut aufbereitet mit interessanten Fragestellungen.

DARFUR IS DYING
Ein Flüchtlingslager in Darfur ist Handlungsort dieses Online-Games. Erstes Ziel des Spiels ist es, mit einer passenden Spielfigur (Männer dürfen nicht gewählt werden!) Wasser in der Wüste zu holen, ohne sich vom Militär abschießen zu lassen. Hier ist vor allem Geschicklichkeit im Umgang mit den Cursor-Pfeilen gefragt. Unsere SpieletesterInnen scheiterten dabei bereits in der ersten Runde. Das Spiel erinnert von seiner Aufmachung her an frühere Action-Spiele wie SuperMario, ganz so sympathisch läuft es allerdings bei Darfur is Dying nicht ab. Hier wird man bei Unachtsamkeit sofort erschossen. Im zweiten Teil des Spiels dreht sich alles um das Leben im Flüchtlingslager. Der Computer erteilt Aufträge, die es zu erfüllen gilt, um als Flüchtling überleben zu können. Hier besticht das Spiel vor allem durch seine grafische Umsetzung. Trotz actionreicher Aufbereitung wirken die Zeichnungen sehr freundlich und bunt.

MIGRANTENANGELN
Das von der Caritas entwickelte Flüchtlingsspiel steht der Langeweile eines normalen Angelnachmittags um nichts nach. Das Ziel ist es, zwischen schwarzen und weißen Fischen zu unterscheiden und die schwarzen Fische mittels eines Netzes aus dem Verkehr zu ziehen. Bei den schwarzen Fischen handelt es sich um Flüchtlinge, die so abgeschoben werden. Mit „Was hast du getan?“ wird in weiterer Folge das Leben nach der Abschiebung kurz skizziert. Vom Unterhaltungswert her ist ab dem ersten gefangenen Fisch bereits der Spannungsbogen des Spiels überschritten. Die Geschichten der Flüchtlinge sind zwar interessant und regen zum Nachdenken an, sind jedoch in ein langweiliges, wenig durchdachtes Spiel verpackt, das wohl nur die Moorhühner-Fans unter uns begeistern kann.

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