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Von der Wärmestube zum Wohnhaus

Von: Monika Reich

GESCHICHTE. Zehn Teilnehmer­Innen der MEGAPHON-Uni haben sich auf Spurensuche begeben, um die Vergangenheit der Grazer Wohnheime zu erforschen. Das Ergebnis ist in einer Materialiensammlung nachzulesen, der dieser Beitrag entnommen ist.

Bevor 1903 das Männerwohnheim in der Rankengasse gebaut wurde, gab es in Graz bereits Wärmestuben, in denen sich obdachlose Menschen aufhalten konnten und vielleicht auch einen Teller Suppe und Brot bekamen. Dafür wurden schon damals von WohltäterInnen Spenden gesammelt. In der Gemeindestube wurde immer erst, wenn es kalt war, oder auch um die Weihnachtszeit über den dringend nötigen Bau eines sogenannten Obdachlosenasyls debattiert. Es gab sogar Menschen, die mussten in Polizeiarrest übernachten, um nicht zu erfrieren. Es bedurfte wohl einer politischen Auseinandersetzung, aber schließlich und endlich wurde das Asyl in der Rankengasse gebaut und im Jänner 1904 eröffnet. Es wurde allerdings zunächst nur zwei Stockwerke hoch gebaut. Im Parterre gab es also Schlafsäle und in den oberen Stockwerken Schlafräume, in denen Familien untergebracht waren. Es dauerte nicht lange und das Heim war hoffnungslos überfüllt, denn die Familien hatten sich in den Stockwerken sesshaft gemacht.

1928 eröffnet. In der Gemeindestube ging es also darum, wieder Platz zu schaffen, und 1924 wurde dann aufgestockt. Aber der Platz reichte noch bei Weitem nicht und deshalb wurde 1927 in der Gemeindestube beschlossen, ein weiteres Asyl zu bauen. Anfangs wurde überlegt, es in der Gabelsbergerstraße zu bauen, allerdings in der Nähe einer Schule und eines Kinderheims und da wäre zu viel Grünfläche verloren gegangen. Auch ging es um „Obdachlose“, die man als Menschen der untersten Schicht sah und dort nicht haben wollte, deshalb hat sich die Gemeinde dann doch für den Baugrund in der Hüttenbrennergasse entschieden. Das Asyl wurde im September 1928 dreistöckig und mit 204 Betten übergeben. Also wurde in diesen 25 Jahren für Obdachlose relativ viel getan. Da wäre das Wort relativ besonders zu betonen, denn die Gemeinderatsprotokolle lassen darauf schließen, dass es nicht so sehr um die verarmten Menschen ging, auch damals schon, denn es wurde viel darüber gestritten, wofür mehr Geld verwendet werden sollte: Soziales oder Kulturelles.
Den Krieg überstanden. Während des Zweiten Weltkriegs konnte man über beide Heime nichts erfahren, aber sie haben den Krieg ohne größere Schäden überstanden, die Instandsetzungskosten betrugen „nur“ 10.000 Schilling. Ab und zu wurden kleinere Ausbesserungen vorgenommen.
Im Jahr 1956 wurde im Männerwohnheim die Heizung eingebaut, sonst wurde leider sehr wenig investiert und deshalb waren Ende der 80er Jahre beide Heime in einem ziemlich desolaten Zustand. Große Schlafsäle für bis zu 34 Personen, uralte Einrichtungsgegenstände. Betten, Matratzen, Duschen, die nicht mehr funktionierten, kaputte Badewannen etc. trugen dazu bei, dass man sich kaum wohlfühlen konnte.

Umgebaut und Raum gewonnen. Endlich dann in den 90ern wurden große Umbauarbeiten begonnen. Ein besonders großer Umbau erfolgte im Frauenwohnheim in der Hüttenbrennergasse von 1996 bis 1997. Alle Bewohnerinnen siedelten in das Frauenhaus. Danach war das Frauenwohnheim kaum wiederzuerkennen. Kleine Wohneinheiten für je vier Frauen oder zwei Frauen mit Kindern inklusive Küche, Bad und WC und zwei Schlafräumen, alles hell und freundlich, fanden die Frauen vor. Im Keller ein großer Aufenthaltsraum, ein großer Spielraum für Kinder, und eine Waschküche und einen Lift hatte man gebaut. Der Dachraum wurde auch ausgebaut, so gewann man noch drei weitere Wohneinheiten dazu. Wenn man heute hineinkommt, kommt man in ein freundliches, angenehmes Haus, gut betreut kann man bald wieder nach vorne schauen und einer besseren Zukunft entgegen­gehen. Im Männerwohnheim wurde nicht in dem Ausmaß umgebaut, allerdings ist man auch heute noch dabei, die Betten in den Zimmern zu vermindern, um eine gemütlichere Atmosphäre zu schaffen. Es dürfte auch wirklich funktionieren, denn einige der Männer wollen gar nicht ausziehen.

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