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Eintrittskarte zum Glück

Von: Christian Maier

BLEIBERECHT. Friday Ohuanbor hat geschafft, was sonst kaum einem Flüchtling gelingt: Er hat einen Paten gefunden, der drei Jahre lang finanziell für ihn haftet. Und ist so zu einer Niederlassungsbewilligung gekommen.

Friday Ohuanbor weiß noch genau das Datum. Am 22. Dezember 2009 rief ihn ein Beamter der steirischen Landesregierung an und teilte ihm mit, dass er bald legal in Österreich leben könne. Noch diese Woche erhalte er seine Niederlassungsbewilligung, danach müsse er keine Angst mehr vor einer Abschiebung haben. Der ehemalige MEGAPHON-Verkäufer war überglücklich und auch der Beamte am anderen Ende der Leitung schien sich zu freuen. Er riet dem verdutzten Nigerianer sogar, sich ein paar Bier zu genehmigen.
Für Friday Ohuanbor war dies die beste Nachricht der letzten sieben Jahre. Im November 2003 war der Lebensmittelhändler von Nigeria nach Österreich gekommen, kurz darauf stellte er einen Antrag auf Asyl. Während das Verfahren lief, fand er einen Job als Zeitungszusteller und lernte in Graz neue Freunde kennen. Doch als sein Antrag im Jahre 2006 abgewiesen wurde, rechnete Friday Ohuanbor schon fast fix damit, nach Nigeria abgeschoben zu werden.
Hoffnung schöpfte er erst wieder im Juli 2008. Damals legte der Verfassungsgerichtshof einen Kriterien-Katalog mit Mindeststandards vor, die vor Ausweisungen berücksichtigt werden sollen. AsylwerberInnen, deren Asylanträge abgelehnt wurden, sollten demnach auch dann ein Bleiberecht erwirken können, wenn – wie bei Friday Ohuanbor – ein hoher Grad an Integration besteht, sie unbescholten sind und bereits lange Zeit in Österreich leben.

Bürokratische Hürden. Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) folgte dieser Erkenntnis aber nur bedingt. Zwar schuf sie – wie vom Verfassungsgerichtshof gefordert – ein einheitliches Antragsrecht, allerdings enthält die am 1. April 2009 in Kraft getretene Neuregelung auch bürokratische Hürden (siehe Kasten). Ehemalige AsylwerberInnen, die vor dem 1. Mai 2004 eingereist sind, müssen nun, um in Österreich zu bleiben, eine Krankenversicherung, eine Wohnung und einen fixen Arbeitsplatz nachweisen. Ein Hohn, wenn man weiß, dass in Österreich ein faktisches Arbeitsverbot für Asylwerber­Innen – mit Ausnahme der Zeitungskolportage, die eine selbstständige Beschäftigung ist – herrscht. Für jemanden, der die vorgegebenen Kriterien nicht erfüllt, bleibt als einzige Möglichkeit, einen Paten der eine Patin aufzutreiben, der oder die drei Jahre lang für ihn haftet. Für Friday Ohuanbor erwies sich die Suche nach sie einem Paten als schwierig. Selbst enge Freunde weigerten sich, für ihn zum Notar zu gehen. Unterstützung von Hilfsorganisationen erwartete er gar nicht: Es ist verboten, mit staatlichem Geld die Patenschaft zu finanzieren.

Unglaubliches Glück. Dass es für Friday Ohuanbor schließlich doch noch klappte, ist dem Zufall zu verdanken. Ein ÖBB-Angestellter, ein gebürtiger Nigerianer, hörte von seinem Fall und sagte – ohne Friday Ohuanbor näher zu kennen – seine Unterstützung zu. Friday Ohuanbor: „Das war wirklich unglaublich. Ich hab mich mit dem Mann ein wenig unterhalten und dann sind wir noch am selben Tag zum Notar. Nicht einmal auf einen Kaffee wollte er eingeladen werden.“
So viel Glück hat sonst kaum wer. Österreichweit gab es in den ersten zwölf Monaten lediglich 22 Personen, die über die Patenschaftsregelung eine Niederlassungsbewilligung erhielten. Dass Friday Ohuanbor einer von ihnen ist, freut auch seine Familie in Nigeria. Nachdem er seinen Aufenthaltstitel bekommen hatte, durfte er sie diesen Winter zum ersten Mal nach sechs Jahren besuchen.

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