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Es ist mir eine Ehre ...

Von: Michaela Krunic

EHRENAMT. 2011 ist das „Jahr der Freiwilligenarbeit“. Was die Menschen anspornt, sich in den Dienst der guten Sache zu stellen

Stefan Pleger reiste 2008 für „Ärzte ohne Grenzen“ nach Uganda. Damals konnte er noch nicht ahnen, welche Folgen diese Reise für ihn haben würde. Obwohl er bei seinen Einsätzen schon viel Schlimmes gesehen hatte, berührte ihn das Elend dort sehr. In einem kleinen privaten Waisenhaus lebten 50 Kinder unter ärmsten Bedingungen. Jetzt, nur zwei Jahre später, sind es bereits mehr als  450 Kinder aus der ganzen Region, denen die Organisation „Kindern eine Chance“ nicht nur den Schulbesuch ermöglicht, sondern auch Hilfe zur Selbsthilfe anbietet, Schulen und Bibliotheken errichtet sowie etliche andere Hilfestellungen leistet, um den Teufelskreis von Armut und Elend zu unterbrechen.
Alle MitarbeiterInnen arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich, die administrativen Kosten werden entweder von Firmen gesponsert oder von den Mitgliedern selbst getragen. Das ist auch der Grund für den Erfolg des humanitären Projekts.
Der gebürtige Tiroler Pleger hat sich schon in seiner Jugend bei Sozialprojekten der Pfadfinder engagiert. Später war er als Vorstandsmitglied von „Ärzte ohne Grenzen“ in vielen Katastrophengebieten der Welt unterwegs, in der Krisenregion Darfur, nach dem Tsunami in Sumatra und auch als Einsatzleiter im kriegsgeschüttelten Somalia.

Anerkennung als Motor. Kein Wunder, dass Pleger in einer Aktion der Tageszeitung „Die Presse“ zum „Österreicher des Jahres 2010“ in der Kategorie Humanitäres Engagement gewählt wurde. Pleger, der die Hälfte des Jahres beim Innsbrucker Tanzsommer arbeitet und den Rest der Zeit in Uganda verbringt, betont: „Jeder von uns braucht Anerkennung. Darum ist es unheimlich wichtig, dass ehrenamtliche Organisationen auch die Menschen im Hintergrund an der Anerkennung teilhaben lassen. Auch wenn es unserer Mediengesellschaft widerspricht, die natürlich ein Gesicht braucht. Doch ohne die Teams, die hinter den diversen Organisationen stehen, wären diese unfähig, auch nur irgendetwas voranzubringen.“
Was ist der Motor für das unbezahlte Engagement? „In dem Augenblick, wo eine Sache anfängt, ein Beruf zu werden und somit aufhört, etwas allgemein Menschliches zu sein, verliert sie zumeist ihre beste Kraft und ihren geheimnisvollen Reiz“, erklärt Egon Friedell in einem Essay. Daneben stehen die Sehnsucht nach sozialen Kontakten und die sinnvolle Einbindung in die Gesellschaft sowie altruistische Motive. Dazu kommt häufig der Wunsch nach einer Verbesserung des Selbstwertgefühls oder nach persönlicher Reifung.

Profis im Dienst der guten Sache. Aber stimmt es, dass diese Menschen deshalb DilettantInnen sind? Ehrenamtliches Engagement ist keinesfalls gleichzusetzen mit „unprofessionell“, wie unzählige Beispiele zeigen. Ob bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem Roten Kreuz, bei Sportvereinen, in der Jugendarbeit, Altenpflege oder Hospizbewegung, in fast allen Bereichen des Lebens existieren unzählige Gelegenheiten, sich ehrenamtlich und professionell einzubringen. Wenn etwa LehrerInnen oder ÄrztInnen sich in ihrer Freizeit einsetzen, tun sie das im Sinne ihrer Berufung hochprofessionell.
Neben diesen klassischen Bereichen gibt es heute ganz neue Möglichkeiten, soziale Verantwortung zu übernehmen: Umwelt- und Naturschutz, Nachbarschaftshilfe, Selbsthilfegruppen, zivilgesellschaftliches Handeln, Wikipedia … Ganz klar, ohne Freiwilligenarbeit wäre es gar nicht möglich, eine funktionierende Sozialgesellschaft zu gewährleisten.

Deutsch für alle. Das wissen auch die InitiatorInnen des Projektes „Klasse: Deutsch!“ des Vereins „deutsch_und_mehr“, das gemeinsam mit dem Verein Chiala’Afriqas als Pilotprojekt 2010 auf die Beine gestellt wurde. TrainerInnen und LehrerInnen arbeiten ehrenamtlich – und mit Erfolg.
„deutsch_und_mehr“-Obmann Gregor Kurz freut sich über beachtlichen Zuspruch trotz der erst sehr kurzen Laufzeit. Schon mehr als  103 Personen aus 19 Nationen haben den Deutschunterricht besucht. Die sozialpädagogische Betreuung wird von MigrantInnen regelmäßig und gerne genützt: „Viele können sich adäquate Deutschkurse schlichtweg nicht leisten. Hier setzt unsere Arbeit an. Denn der Deutschunterricht ist kostenlos und frei zugänglich für alle. Ohne unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre das nicht möglich.“

Graz entwickelt Ehrenamt. Laut Erhebungen engagiert sich schon ein Drittel der SteirerInnen über 15 ehrenamtlich. Österreichweit werden so jede Woche geschätzte 14,7 Millionen Arbeitsstunden mit einem Wert von sagenhaften 1,5 Milliarden Euro geleistet, was rund 13 Prozent des Arbeitsvolumens aller unselbstständig Beschäftigten entspricht.
Nun soll das Ehrenamt auch öffentlich mehr Stärkung und Absicherung erfahren. Im Hinblick auf das „Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011“ startet die „Zukunftsplattform Steirische Vereine“, in der 2500 Vereine versammelt sind, gemeinsam mit der Stadt Graz einen Aktionsplan für 2011. Der Sozialstaat soll keinesfalls abgelöst werden, doch es braucht bessere Rahmenbedingungen, um freiwillige Aktivitäten zu erleichtern. Ein guter Zug in die richtige Richtung.

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