Zur Startseite MEGAPHON

Fördern, fordern, Mutter sein

Von: Nina Popp

Muttertag. Barbara Rauchenberger hat fünf Kinder und einen Beruf, der sie begeistert. Allzeit verfügbar zu sein ist definitiv nicht Teil ihres Erfolgsrezepts.

Hier wird wieder gespielt“ verspricht das Plakat im Hof. Einen Stock höher sind Löwen, Tiger, Giraffen und was sonst noch in der Arche Noah Platz fand als Miniaturen zu sehen und um die Eckbereiten sich Maus und Dinosaurier auf ihren Auftritt vor. Ein ideales Umfeld für Kinder? Eindeutig, meint Barbara Rauchenberger, verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kulturzentrum bei den Minoriten. Als Leiterin des Kinder- und Jugendprogramms sorgt sie zudem dafür, dass auch junges Publikum im Haus auf seine Rechnung kommt, und lädt zu Geschichten ein, in der etwa Maus und Dinosaurier humorvoll über Freundschaft philosophieren.
„Junge Augen“ heißt die Programmschiene, ebenso gut könnte sie „Augen auf!“ heißen. Eine Herausforderung, so Barbara Rauchenberger, wenn man jungem Publikum Kunst verständlich machen und Theater zeigen will, das altersgemäß unterhält und zum Nachdenken anregt. Es gehe nicht darum, Kinder als künftige Klientel zu binden, sondern „sie zu ermutigen, die Dinge zu hinterfragen, hinzuschauen und nachzudenken“.
Eben um jene Motive, die die Theologin auch bei der Erziehung ihrer eigenen fünf Kinder leiten. Die älteste Tochter ist 22, die drei Buben 13, 11 und 6 und vor fünf Monaten kam Lucia auf die Welt. Noch eine Herausforderung. „Manchmal“, gesteht Rauchenberger ganz offen, „gehe ich natürlich an meine Grenzen, das gehört dazu“. Aber jammern ist nicht ihre Sache. Wäscheberge und Einkaufslisten werden nicht beklagt, sondern organisiert. Rauchenberger verlässt sich beruflich wie privat auf ihr Organisationstalent, manchmal auf Gelassenheit und dann wieder auf ihre Bestimmtheit, „die mit den Jahren sicherlich gewachsen ist“. So gesehen sei Erziehung manchmal kinderleicht, wenn sich große Krisen von selbst auflösen oder Anspannung durch selbstständige Entscheidungen der Kinder verschwindet.

Selbstständigkeit. Immer nennt Rauchenberger dieses Wort als Schlüsselbegriff in der Erziehungs- und Beziehungsarbeit, die beiden Seiten viel abverlangt. Fordern und fördern bedeute nämlich auch, nicht mit dem Strom zu schwimmen und abseits zu stehen. Etwa beim Thema Medienkonsum, den Rauchenberger als Diktatur empfindet, weil die elektronischen Medien die Welt der Kinder so früh bestimmen und die Sinneswahrnehmungen von allen Seiten und permanent besetzen. Wie sie damit umgeht? „Wir sagen oft nein.“ Auch wenn ihre Kinder protestieren. Im Gegenzug versucht sie ihre Kinder mit vielen Impulsen zu bestärken, ihre eigenen Begabungen und Stärken auszuleben. „Es ist einfach viel zu tun.“
Als sich das erste Kind tatsächlich anmeldete, war es früh, und zur freudigen Überraschung mischten sich Sorgen und Ängste. „Ich war im dritten Semester und wollte unbedingt fertigstudieren. Eine beinharte Zeit: tagsüber Mutter, nachts Studentin. Meine Eltern haben mich finanziell unterstützt, mein Partner war da, und wir taten uns mit anderen jungen Studenteneltern zusammen und halfen einander beim Babysitten und Lernen.“ In diesem Netzwerk kam die Theologin bis zur Sponsion.
Danach folgten Arbeit, Trennung und aus der Zeit der Alleinerzieherin die feste Überzeugung, dass Erziehung vor allem eine Beziehungsfrage ist. Und: „Es macht viel die Umgebung aus, ob ein Leben mit Kindern gelingt.“ Heute schätzt sich Rauchenberger als privilegiert ein: Mit Ehemann Johannes verbinden sie eine tragfähige Partnerschaft und die gemeinsamen Interessen. Im Kulturzentrum haben beide ideale und flexible Rahmenbedingungen für Berufstätigkeit und Elternschaft gefunden. Unter diesen Voraussetzungen und mit Hilfe guter Kinderbetreuung war es der leidenschaftlichen Kulturvermittlerin möglich, in all den Jahren in unterschiedlicher Intensität auch außer Haus zu arbeiten.
Zurzeit ist sie in Elternteilzeit und muss die Schwerpunkte neu verteilen. „Allverfügbarkeit heißt nicht unbedingt gute Arbeit“, meint sie und führt als Beispiel die Suche nach neuen Produktionen an. Lange Fahrten und Stress will sie der kleinen Lucia und sich selbst zurzeit ersparen. Um den Überblick über die Szene dennoch zu bewahren und Produktionen kennenzulernen, die gut ins Haus passen, verlässt sie sich auf ein weit verzweigtes Netzwerk aus Kolleginnen und Kollegen, Künstlerinnen und Künstlern, mit denen sie als Leiterin des Kinder- und Jugendprogramms in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet hat.
Sharing – das aktuelle Programm bei den Minoriten fordert zum Teilen auf. Was Barbara Rauchenberger selbst weitergibt? Die Solidarität, die sie persönlich als unheimliche Kraftquelle erlebt hat, und Sensibilität für flexible Lösungen, die den Alltag zwischen Berufstätigkeit und Familie erleichtern. Gerade weil sie die öffentliche Diskussion zum Thema Frau und Beruf oft als fadenscheinig erlebt und Mut vermisst, wenn es darum geht, Verbesserungen tatsächlich umzusetzen. Und sie ermutigt Frauen, einzufordern, nicht klein beizugeben, sich selbstbewusst auf die Beine zu stellen und auszuhalten nicht dazuzugehören, nicht mitzumachen.

Zu diesem artikel sind noch keine Kommentare vorhanden

MEGAPHON behält sich das Recht vor, veraltete Beiträge ebenso zu entfernen, wie Beiträge, die rechtlich bedenklich oder politisch unkorrekt sind, und kontrolliert in unregelmäßigen Abständen den Inhalt. Dennoch übernimmt die Redaktion für den Inhalt der einzelnen Kommentare keinerlei Verantwortung!

    Zum Seitenanfang   Zur Druckansicht   HOME  |  IMPRESSUM  
e-dvertising - Werbung, Webdesign, CMS, Fullservice
(Partner/Förderer)
(Anzeigen)