STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2011/November 2011/Lorenz Kumpuschs Küchentipps/
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Koch aus Leidenschaft

Von: Annelies Pichler

Spitzenkoch Lorenz Kumpusch regt ab sofort den Appetit der Megaphon-LeserInnen mit köstlichem Lesestoff an.

Elf Jahre lang verwöhnte Spitzenkoch Willi Haider die Megaphon-LeserInnenschaft mit Rezepten, frei zur Verfügung gestellt. „Ich finde einen Nachfolger“, versprach er, bevor er sich zurückzog, um seine Gesundheit zu schonen. Er hielt Wort: „Trefft’s den Lorenz Kumpusch, den Koch vom Landhauskeller“, wies er uns an. Wenig später mussten wir unser Bild vom Megaphon-Koch revidieren.
Lorenz Kumpusch ist eine ebenso starke Persönlichkeit wie sein Vorgänger Haider, jedoch: Bei allen Gemeinsamkeiten, wenn es ums Kochen geht, ist er doch ganz anders.
Während Willi Haider seine Rezepte genau auf die Geldbörse eines Sozialhilfeempfängers zuschnitt, setzt Kumpusch jetzt auf den Reichtum, der allen zugänglich ist; jenen, der in der Region wächst, reift und verspeist werden kann. Monat für Monat wird er ein Produkt und dessen Geschichte vorstellen und dazu Rezepte verraten. „Wer braucht Wasabi, wo wir doch Kren haben, wer Lachs, wenn’s  doch heimischen Fisch gibt?“, wirft er auf. Wo er kocht, gibt es keinen Lachs auf den Tellern, schon gar keine Garnelen. „Die könnte ich kiloweise verkaufen, aber wenn man weiß, wie die produziert werden ... Da vergeht einem der Appetit.“
Sein Berufswunsch formte sich, als er noch ein kleines Kind war. Mit sechs macht er seine ersten Salzburger Nockerl. Gelernt hat er im Grazer Land-
hauskeller. Später zog es ihn über Blumau nach Wien, wo er in Hauben-
Restaurants seine Kochkunst geübt und Hauben erkocht hat. „Im Wiener Lokal Schnattl habe ich gelernt, dass man bei Qualität keine Kompromisse eingehen darf“, erzählt er.
Von der Zusammenarbeit mit Star-Koch Christian Petz im Palais Coburg nahm er noch etwas anderes mit: „Wenn wir uns das Recht nehmen, ein Tier zu metzeln, dann habe ich als Koch auch die Pflicht, einfach alles davon einzusetzen: die Kutteln, die Leber, die Nierndl, einfach alles.“
Schließlich zog es ihn doch wieder in die Steiermark. Mit seiner Frau Heike übernahm er den Jaglhof in Gamlitz/Semau. Nach einem Jahr aber startete er wieder dort, von wo er ausgezogen war: im Landhauskeller. Geblieben aus der Gamlitzer Zeit ist ihm aber etwas: seine Firma Gaumengut. Beim Jaglhof verwaltete er große Obstbaumbestände. Weil ja alles verwertet werden will, begannen die Kumpuschs zu experimentieren. Das Resultat: ihre Firma Gaumengut mit Angeboten wie Kalbsleber fein, Pfefferquitte, Rosmarinbanane, Orientalische Birne, Essigzwetschken.
Warum er bei so viel beruflichem Einsatz und als Vater zweier Kinder auch noch ehrenamtlich beim Megaphon mitmacht? „Weil ich dadurch auch sozial Ärmere erreichen kann. So kommen auch jene in den Genuss meiner Rezepte, die es sich nicht leis-ten können, einfach ins Restaurant zu kommen und etwas von mir zu
bestellen.“ 

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