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"Sie sollten arbeiten dürfen."

Von: Elke Fertschey

Caritasdirektor Viktor Omelko über die Situation von Flüchtlingen und das Pilotprojekt Megaphon in Kärnten

Wie leben Asylwerber/innen in Kärnten?

Viktor Omelko: Die Situation kann für jemanden, der nicht gemocht wird, nicht gut sein. Wir verzeichnen eine „Nicht-Willkommenskultur“, wenn es um die Unterbringungsmöglichkeiten geht. Wenn sich Quartier-geber/innen melden, gib es sofort Gegenreaktionen. Es gibt immer eine sehr starke Verknüpfung mit Kriminalität, obwohl das statistisch nicht nachgewiesen werden kann.

Das war nicht immer so. 1968 oder nach dem  Zerfall Jugoslawiens war die Aufnahmebereitschaft der  Bevölkerung sehr gut. Irgendwo ist ein Stimmungsknick  passiert, den ich mir mit der Mentalität der Kärntner/innen nicht erklären kann.

Woran liegt das?


Omelko: Das ist schwer festzumachen. Es ist aber bekannt, dass es im politischen Spektrum Österreichs parteipolitische Zielsetzungen gegen Flüchtlingszuzug gibt, und das hat offensichtlich eine Wirkung.

Verdienen die Quartiergeber/innen nicht an den  Asylwerber/innen?

Omelko: Meist ist der Verdienst bescheiden. Wenn leer stehende Häuser sinnvoll genutzt werden, ist das nicht zu verurteilen. Die, die sich dagegen wehren, vergessen, dass wirtschaftliche Leistungen damit verbunden sind, und dass sie dem Ort Nutzen bringen. So kaufen Asylwerber/innen, die sich selbst versorgen, in örtlichen Geschäften ein.

Wo sehen Sie das größte Problem und wo sehen Sie Lösungen?

Omelko:Die Asylwerber/innen dürfen nicht arbeiten. Wir von der Caritas fordern seit Jahren, dass man sie etwas tun lassen soll. Es wäre sehr hilfreich, wenn Asylwerber/innen wenigstens im Rahmen der Geringfügigkeit einer Beschäftigung nachgehen könnten. Damit könnten sie selbst ihre Situation verbessern und man könnte den Vorwurf des Faulenzens entkräften. Mit einer sinnvollen Integration könnte auch dem vorhergesagten Arbeitskräftemangel entgegengewirkt werden.

Unter den jungen Asylwerber/innen gibt es viele mit guter Ausbildung. Es gibt viele Bereiche, in denen Menschen aus anderen Ländern benötigt werden, ob in der 24-Stunden-Pflege oder am Bau. Je mehr es der Gesellschaft gelingt, zu zeigen, dass von Ausländer/innen keine Bedrohung ausgeht, sondern dass sie einen Beitrag zur Wirtschaft leisten, desto geringer wird die Ablehnung sein.

Wie stehen Sie zur gängigen Praxis der Abschiebungen?


Omelko:Durch die langen Asylverfahren entstehen Schwierigkeiten, wenn Menschen, die sich integriert haben, abgeschoben werden sollen. In solchen Fällen wären die Behörden angehalten, mit Sensibilität und Differenziertheit umzugehen, wie es die Innenministerin gesagt hat.

Wie fanden Sie die Verbannung vermeintlich Straffälliger auf die Saualm?

Omelko:Diese Form der Differenzierung hat viel Kritik hervorgerufen. Wenn jemand straffällig geworden ist, weiß die Justiz, was zu tun ist, da braucht es keine  Sonderbehandlung. Jemanden auf Verdacht ohne Urteil wie Straffällige zu behandeln, widerspricht dem Rechtsstaat.

Warum fördert die Caritas den erstmaligen Verkauf der Straßenzeitung „Megaphon“ in Kärnten?


Omelko: Es ist ein Beschäftigungsprojekt und ein Versuch, durch den Verkauf die Situation von Asylwerber/innen und Flüchtlingen zu verbessern. Wir geben Anlauf-unterstützung. Die Verkäufer/innen, die wir aus Klient/innen der Sozialberatung rekrutiert haben, werden von uns geschult. Sie erhalten die Hälfte des Kaufpreises. Es ist eine kleine Facette im gesellschaftlichen Leben, um das Augenmerk auf die Situation der Flüchtlinge zu richten.

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