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Das Spiel mit der Gier

Von: Manfred Prisching

Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt, sagt Friedrich Schiller – aber das hängt vom Spiel ab.


Da gibt es das Spiel der jungen Katzen, aber letztlich trainieren sie dabei Fähigkeiten, die am Ende die Maus das Leben kosten werden. Es gibt das unschuldige Spiel der Kinder, aber auch dabei wird vermutet, dass sie lebenswichtige Fähigkeiten schulen. Es gibt Sportspiele, aber im professionellen Bereich ist nicht mehr viel vom Kindlich-Spielerischen vorhanden. Und die Spiele der Erwachsenen um Macht, Geld und Sex sind selten harmlos.

Es gibt kindische Spiele um Reputation, Karriere, Swimmingpool: Wer bekommt einen Parkplatz und ein größeres Büro? Spiele um die Schönheit: mehr Botox und Skalpell. Modespiele. Kaufspiele. Es sind Steigerungsspiele: denn sie können nie gewonnen werden. Erstens: Die anderen ziehen mit. Zweitens: Man gewöhnt sich an jeden Zuwachs. Drittens: Wenn man etwas hat, ist man enttäuscht. Viertens: Wenn man etwas bekommt, will man mehr, bis hinein in die Grenzenlosigkeit. Das Spiel mit der Immer-Mehr- Gier ist ein garantierter Enttäuschungsmechanismus. Konsumismus ist ein Spiel ohne Gewinner. Menschen setzen sich an die Spielmaschinen und Roulettetische, obwohl zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass sie auf Dauer verlieren müssen. Es ist der Nervenkitzel, der das Spiel um Geld noch attraktiver macht. Die Aussicht auf Geldgewinn löst in den Gehirnen ein stärkeres neuronales Feuerwerk aus als vorhandenes Eigentum. „Geld“ macht nicht glücklich, aber „Geld bekommen“ macht (auf kurze Zeit) glücklich.

Auch die Erklärung der Wirtschaftskrise greift zu kurz, wenn man bloß bei der Geldgier bleibt – denn gierig ist in diesem Sinne jede/r Sparbuchbesitzer/in, wenn er/sie zu jener Bank geht, die ihm/ihr ein halbes Prozent mehr verspricht. Warum aber spielt einer weiter, wenn er schon ein paar 100 Millionen verspekuliert hat? Das Spiel ist es, das fasziniert: klüger sein als der Markt, trickreicher als die anderen Investor/innen, gewinnen – das Geld ist eine erfreuliche Nebensache. Diese Spieler/innen wollen sich selbst beweisen, und sie schöpfen ihr Selbstbewusstsein aus dem Erfolg. Gerade psychisch leicht „eigenartige“ Menschen kommen ja eher in Positionen, in denen sie solche Entscheidungen fällen können – weil sie sich systematisch selbst überschätzen. Aber diese Selbstüberschätzung findet man letztlich bei allen Süchtigen, auch in der Finanzwirtschaft.

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