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Theater-Highlight aus dem Slum

Von: Stephan Bruckmeier

In Nairobis Slum Korogocho hat das kenianische Hope Theater seinen Sitz. Mit einer rasanten multimedialen Komödie  kommt es im Mai nach Graz.

„Einchecken und Aufenthalt am Airport München wie vor jedem anderen Flug, Wien, Paris, New York. Ich führe die letzten Telefonate, verschicke die letzten SMS, „melde mich wieder aus Kenia, Busserl, S “ – so beginnt mein Tagebuch vom 31. 3. 2009, als ich das erste Mal nach Nairobi geflogen bin. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, Nairobi ist zu meiner zweiten Heimatstadt geworden, der Aufbau einer Theaterszene in den Slums von Nairobi ist in vollem Gange und bald startet eine Europa-Tournee: „The Dream of getting a Job“ des Hope Theatre Nairobi wird auch in Graz auf die Bühne gebracht: Am 7. und 8. Mai im Orpheum.

In der rasanten multimedialen Komödie möchte ein junger Mann aus den Slums von Nairobi seine Welt der Not und Chancenlosigkeit verlassen und in den Wirtschaftsmarkt einsteigen. Die Nacht vor dem Bewerbungsgespräch aber wird zu einer tour de force durch den afrikanischen Großstadtdschungel. Im Stil einer bunten Theaterrevue werden die Traum-Szenerien zum Schillern gebracht.

Nairobi (enkare nyrobi, Masai: Stadt des kühlen Wassers) ist die zentrale Metropole Ostafrikas, nach Johannesburg das wichtigste Medienzentrum Afrikas und einer der vier UNO-Sitze. Es gibt unzählige, teilweise ineinander übergehende Slumgebiete in Nairobi. Die drei größten sind Kibera, Mathare und Korogocho. Letzteres grenzt an die große und einzige Mülldeponie der Vier-Millionen-Stadt. Sie ist für die Bewohner/innen zum einen Segen, da sie eine wichtige Einnahme- und Lebensmittelquelle
darstellt, zum anderen Fluch, da durch ständig andauernde Schwelbrände die Luft von giftigen Gasen erfüllt ist.

In Korogocho lebe und arbeite ich zwei bis drei Mal im Jahr mit dem Hope Theatre Nairobi, das aus dem ersten Theaterprojekt 2009 entstanden und seither kontinuierlich unter der Leitung des kenianischen Sozialarbeiters Constant Hore und mit wechselnden Workshop-Leiter/innen zusammenarbeitet. „Warum machst du Theater in Afrika, die Leute dort brauchen doch eher was zum Essen“ – das ist einer der Sätze, die ich immer wieder höre. Und damit ist das „Problem Afrika“ schon umrissen. Das Bild der armen Menschen, die ohne unsere Hilfe nicht existieren können, ist allgegenwärtig und dabei wird übersehen, dass es in Afrika Fluglinien, Krankenhäuser, Autobahnen, Tankstellen, Fabriken und Universitäten mit europäischem Standard gibt.

Ja, Afrika ist ein gefährlicher Kontinent. Nicht nur weil es Nilpferde, Löwen und Schlangen gibt, nicht nur weil es Seuchen und Malaria gibt und in vielen Regionen Mord nach Aids die häufigste Todesursache ist, sondern auch, weil es kaum möglich ist, Kitsch, sentimentale Ausbeutung und europäische Überheblichkeit zu umgehen und damit den Menschen in Afrika vor allem eines genommen wird: ihre Würde.

Genau da setzt unser Projekt an. Wir anerkennen die Arbeit der Bürgerinnen und Bürger aus den Slums, bezahlen sie dafür angemessen oder unterstützen zumindest ihre Projekte. Zudem fördern wir die Bildung von Netzwerken. Dass das gelingt, zeigt unser jährlicher Höhepunkt: das Slum Theater Festival. Es bringt 600 Kulturschaffende aller Altersgruppen aus den Slums ein Mal im Jahr ans Nationaltheater Nairobi. Dieses Festival hatte ich 2010 gemeinsam mit einigen Theatergruppen gegründet und mit meinem Verein „Kenya Art Projects e. V.“ stelle ich seine Finanzierung sicher.
Damit entsteht das, was wir in Europa als selbstverständlich erachten, eine Kulturszene. Da es in Kenia keine Subventionen gibt und das Einkommen für viele Interessierte zu niedrig ist, um in Theaterkarten investiert zu werden, kann Kultur jedoch nur durch Förderer/innen, vor allem aus reicheren Ländern, am Leben gehalten werden. Mit der Tournee hat die Gruppe
jetzt die Möglichkeit, ihren Geldgebern ihre künstlerische Arbeit zu präsentieren und gleichzeitig neue Unterstützung zu finden.

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