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Steirermen san very good

Von: Michael Petrowitsch

Anmerkungen zu den neuen städtischen Regeln für Straßenmusikant/innen

Steirermen san very good. Genau, aber nicht nur für Hollywood, sondern auch für die Sackstraße. Denn dort steht er, vorm Kastner.

Der fesche Harmonikaner und bringt uns steirisches Liedgut und ebensolche Weisen dar. Sich vorwiegend am Volksmusikalischen bis Volkstümlichen orientierend, den Gehsteig okkupierend, offensiv vorgetragen, 29 Minuten später steht er schon woanders.

Bei der Weikharduhr kauert ein Roma „Habe Diabetes und 2 Kinder“ steht auf dem Zettel zu lesen. Auch er musiziert, minimalistischer als sein Kollege, fast an John Cage oder den frühen Steve Reich gemahnend.

In der Herrengasse wiederum erklingt Gefühlvolles von der Gitarre (elektrifiziert und mit Batterie), während sich in der Sporgasse drei jüngere Herrschaften (einer von denen ist tätowiert!) dem Protestsong mit kritisch-ironischer Note frönend mit einer Harfinistin matchen, die geschätzte 51 Meter weit entfernt steht.

Ein Radkersburger Original marschiert gar mit dem Leierkasten durch die Innenstadt und hält den Hut auf. Ja, es ist wahrlich ein Ohrenslalom, den man zurücklegen muss, um zu „50 dag geräucherte Pute, aufgeschnitten und vakuumverpacken, bitte“ zu kommen.

Die armen Geschäftsleute, die armen Bürger/innen? Was sagt der deutsche Gast – denn der ist niemals Last? Die Straßenmusikverordnung von 1999 regelt schon allerhand. Von Mindestabständen ist die Rede, vom permanenten Wechsel des Standortes und von Lautstärkenregelungen. Anfang 2012 wurde eine Zweckmäßigkeitsprüfung eingeleitet, die nun in sommerlich hitzige Diskussionen auf Gemeinderatsebenen mündete und eine Verschärfung der Bestimmung herbeiführte.

Dass unsere herrliche Landeshauptstadt ohne Regeln nicht funktioniert, ist eine Sache. Der Weg zum Überwachungsstaat mit Überkontrolliertheit eine andere. Wenn mir was nicht gefällt, dann spende ich nicht, zum Beispiel. Da darf Steirerman mal drüber nachdenken, die Steirerfrau darf gerne mitmachen. Ethisch moralisch geht einem ja schon die plötzliche Aufgeregtheit auf die Ketten. Es geht ja gerademal um rund 12 Töne und 2 Tongeschlechter, die manchmal besser, manchmal schlechter vorgetragen werden.

AIMS hat es vor 30 Jahren vorgemacht, wie man die Innenstadt beleben kann. Stichwort: Stadtidentität, Stadtauthentizität.
Also: Lasset sie spielen, freuen wir uns über die Belebtheit der Innenstadt. Den Innenstadtgeschäftsleuten ist auch nicht geholfen, wenn sich das Einkaufserlebnis nur noch in Nord, Süd und West abspielt.

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