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Zwangsreisen mit Franz-Hermann

Von: Gerlinde Pölsler

Landeshauptmann Franz Voves kündigt ein weiteres Sparpaket an – die Plattform 25 rüstet sich für den Widerstand.

Zwei Jahre lang hat Ursula Zückert-Rupprich jede Woche mit dem Volksschüler B. gearbeitet – der Bub hatte bei der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten und ist entwicklungsverzögert. „In dieser Familie ist es sehr viel um Beruhigung gegangen“, erzählt die Sozialpädagogin. B.s Mutter war extrem besorgt, wie es mit dem Buben nach der Volksschule weitergehen würde. Zückert-Rupprich fungierte auch als Vermittlerin zwischen Schule und Familie. Doch vergangenen Sommer war es vorbei damit – die Entwicklungsförderung für rund hundert Familien wurde mit dem Sparpaket ersatzlos gestrichen.

B. und seine Familie sind eines von ungezählten Beispielen von Menschen, deren Leben sich durch das steirische Sparpaket zum Schlechteren verändert hat. Unermüdlich bringt die Plattform 25, ein Zusammenschluss aus aktuell 592 Organisationen, diese seit bald eineinhalb Jahren an die Öffentlichkeit – im März des Vorjahrs hatten sie 10.000 Menschen zum Protest auf die Straße gebracht. Nun hat Landeshauptmann Franz Voves ein weiteres, noch härteres Sparbudget angekündigt.

Gestrichene Lern- und Sozialbetreuung für 1500 Jugendliche, Erhöhung von Personalschlüsseln und Reduktion von Tagsätzen für Behindertenvereine, Kürzungen beim Familienentlastungsdienst – das ist nur eine kleine Auswahl des Sozialabbaus, den die Plattform immer wieder aufzeigt. Dies etwa, indem sie samt Musik und „Franz-Hermann, dem Sparschwein“, benannt nach den „Reformpartnern“ Franz Voves und Hermann Schützenhöfer, durch die Stadt marschierten.

Viele Auswirkungen des Sparpakets zeigen sich erst nach und nach, sagt Yvonne Seidler, eine der Sprecherinnen der Plattform 25: So droht vielen Menschen mit Behinderungen als Folge gekürzter Assistenzstunden jetzt der Zwangsauszug aus betreuten Wohngemeinschaften in ein Heim – für die Betroffenen ein Horror. Und ein Verstoß gegen die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, so die Kritik.

Als Erfolge sieht die Plattform einerseits konkrete Nachbesserungen im Behindertenbereich, anderseits eine Bewusstseinsbildung. Aktuell rüstet sie sich für den Herbst: Landeshauptmann Voves sprach von notwendigen Einsparungen von 200 bis 300 Millionen Euro im Doppelbudget 2013/14, vor allem im Sozial- und Gesundheitsbereich. „Ein Albtraum“, sagt Seidler. „Und gleichzeitig wird immer noch so viel Kohle rausgeschmissen.“ Jüngstes Beispiel: Die Landesregierung beharrt auf ihrer Förderung der bestens besuchten Flugshow Airpower – 800.000 Euro für ein Event, das sich wohl selbst finanzieren könnte.

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