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Fast plastikfrei

Von: Nina Popp

Ein Leben ohne Kunststoff. Sandra Krautwaschl wollte wissen, ob das geht, und startete mit ihrer Familie ein Experiment. Ihr Fazit nach fast drei Jahren in der fast plastikfreien Zone? Es funktioniert. Leichter als gedacht.


„Ein gut gelebter Kompromiss bewirkt oft viel mehr als eine perfekte Idee, die nur im Kopf bleibt“, sagt Sandra Krautwaschl im Gespräch über ihr Leben in der plastikfreien Zone. Ihr Zugang ist ganz pragmatisch, ein Schritt besser als keiner. Sie spricht von persönlichem Gewinn, positiven Erfahrungen und berührenden Gesprächen mit Menschen, die wie sie einfach angefangen haben, in die andere Richtung zu gehen.

Von Verzicht reden eher Journalist/innen, die auf das Leben in der plastikfreien Zone aufmerksam geworden sind. „Mein Ansatz war von Beginn an ein ganz anderer“, meint die Physiotherapeutin, die mit ihrer Familie im Norden von Graz lebt, und sie erzählt von dem Abend, an dem sie Werner Bootes Film wachgerüttelt und wütend gemacht hat. Mit Bildern von Weichmachern in Bodenbelägen, Plastikstrudel im Meer, Kunststoff in Fischmägen, Biophenol in Babyschnullern, mit Statements von ohnmächtigen Politiker/innen und Vertreter/innen der Kunststoffindustrie, die sich über alle Bedenken und Argumente hinwegsetzen. „Ich wollte einfach nicht mehr mitmachen und mich nicht länger von Industrie und Werbung blenden lassen“, beschreibt sie die Motivation.

Das Thema hieß also nicht Verzicht – oder Verlust. Ganz im Gegenteil. Obwohl im Hause Krautwaschl erst einmal aufgeräumt und reduziert wurde. Gemeinsam mit ihren drei Kindern sichteten Sandra Krautwaschl und ihr Mann Peter Hausrat, Spielzeug und Gartenutensilien. Dann folgte Mülltrennung im großen Stil: Plastik übersiedelte in den Schuppen, der Rest blieb im Haus. Nur für ein paar Lieblingsstücke – etwa die neue Ritterburg – gab es Ausnahmen. „Ein wichtiger Prozess, weil wir mit einem Mal gesehen und gespürt haben, wie viel überflüssig ist.“ Punkt zwei des Experiments veränderte das Einkaufen nachhaltig, weil nur noch Plastikfreies in Korb und Stofftaschen durfte. Die überraschende Erkenntnis der Familie: „Es geht mit weniger Aufwand als gedacht.“ Dies bestätigen auch viele, die sich dem Experiment im Bekanntenkreis oder über den Webblog anschlossen, in dem Krautwaschl und eine wachsende Community Tipps fürs plastikfreie Leben austauschen. „50 Prozent des Plastikmülls lassen sich relativ einfach vermeiden.“ Nämlich? „Beispielsweise durch Gläser, Dosen und Stofftaschen, die bei jedem Einkauf dabei sind“, erzählt Krautwaschl von der wichtigsten Veränderung. Spontankäufe und Schnäppchenjagd fallen aber definitiv weg. „Der Einkauf wird geplant. Das hat nicht nur weniger Plastikmüll zur Folge, auch im Biomüll fällt weniger an.“ Obwohl sie auch schon vor dem Experiment bewusst eingekauft hat. In Summe gibt die Familie heute gleich viel aus wie früher. „Für das Essen mehr, für andere Dinge weniger“, resümiert Krautwaschl.

Mit ihrem eben erschienenen Buch will sie niemanden bekehren. Aber sie will Mut machen. Ganz pragmatisch, mit Phantasie auf der Suche nach Alternativen und einer sympathischen Prise Humor.

Sandra Krautwaschl
Plastikfreie Zone – Wie meine Familie es schafft, fast ohne Kunststoff zu leben. Heyne

Sandra Krautwaschls Ehemann heißt nicht  - wie in der Printausgabe zu lesen ist - Gerhard, sondern Peter.
Wir bedauern den Irrtum und bedanken uns für die Nachsicht.



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