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Expert/innen nicht erwünscht

Von: Susanne Scholl

Eine tschetschenische Familie soll abgeschoben werden, obwohl die behandelnden Ärzte ausführlich dargelegt haben, warum eine Rückführung nach Tschetschenien die Gesundheit der Familie schwer gefährdet.





Der Vater, Herr Gereev, war für die Untergrundkämpfer tätig. Im heutigen Tschetschenien des Ramsan Kadyrow ist das gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Bevor er aus dem Land fliehen konnte, musste er sich mehr als ein Jahr verstecken.

Er blieb am Leben – aber das Trauma, das er aus dieser Zeit mit auf die Flucht genommen hat, lässt ihn immer wieder an Selbstmord denken – und diesen auch versuchen. Die Mutter ist mit dem vierten Kind schwanger. Eine Tochter hat wohl auch noch in Tschetschenien so Furchtbares erlebt, dass sie nicht mehr spricht und wegen einer schweren posttraumatischen Störung ebenfalls in Behandlung ist.

Die schwere psychische Störung sowohl des Vaters als auch des Kindes ist von hochrangigen Expert/innen diagnostiziert worden. Und trotzdem kennen die Behörden in diesem reichen, satten, sicheren Österreich kein Erbarmen und wollen diese Menschen so schnell wie möglich loswerden. Und fragen nicht nach Hintergründen und danach, was die Familie erwartet. Dort, in Tschetschenien – wo der Vater als Vaterlandsverräter und Bandit gilt und daher auch der Rest der Familie weder auf Hilfe noch auf Verständnis hoffen kann.

Wie schläft man, wenn man eine solche Entscheidung getroffen hat? Wie kann man sich in den Spiegel schauen, wenn man gerade ein Todesurteil gefällt hat?

Ja, eine FPÖ-Delegation hat gerade Herrn Kadyrow besucht. Und dieser hat ihnen vermutlich alle Leckereien des Kaukasus vorsetzen lassen – einschließlich Volkstanzgruppe – und ihnen erklärt, dass es in seinem kleinen Reich allen so gut gehe, wie nirgends sonst. Und nach dieser Mitteilung sind die Herrschaften zurückgekommen und haben festgestellt, dass die Flüchtlinge aus Tschetschenien ja gar keine Flüchtlinge und nicht in Gefahr sind.

Denn jene, die nach erzwungener Rückkehr oder sogar nach verbüßten Haftstrafen verschwinden und erst wieder als Leichen auftauchen, haben die Herren von der FPÖ natürlich nicht getroffen, in jenem so wunderbaren Land Tschetschenien, wo nur sicher ist, wer die Gunst des Herrn Kadyrow besitzt.

Die Familie Gereev hat keinerlei Chance, falls sie wirklich nach Tschetschenien zurück muss.

Der Vater wird die Rückkehr kaum überleben, die Mutter und die Kinder aber erwartet im besten Fall ein Leben im Elend. Welche Schande für Österreich, dass derlei Umgang mit Menschen in Not immer mehr zur Regel zu werden scheint.

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