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Wider die Diktatur des angepassten Raumes!

Von: Michael Petrowitsch

Wem gehört der öffentliche Raum? Wohl nicht nur jenen, die einen Parkschein gelöst haben.

Der öffentliche Raum ist schwierig zu bändigen! Er macht, was er will. Wir wollen ihn verändern, er verändert uns. Besitzdenken verlangt von uns einiges ab, wir wollen ihn beherrschen, diesen Raum, ihn glätten. Er allerdings erweist sich als undankbar, er schlägt zurück, so ein Mistkerl! Nachhaltige Stadtentwickler/innen mühen sich redlich, besprechen, planen und tun das, was man eben so tut als nachhaltige Stadtentwicklerin, als nachhaltiger Stadtentwickler.

Aber nun zu Beispielen aus unserer viel besungenen Heimatstadt: Der Student labt sich am nachmitternächtlichen Bier auf den Straßen des Univiertels, der Mittelschüler besetzt vormittags den Stadtpark, um Ovid zu entfliehen, beim Billa-Eck am Hauptplatz versammelt man sich zum Austausch und bespricht die Lage, die Dame im kurzen Schwarzen nippt rauchend am Modegetränk und swingt beschwingt zum öffentlichen Jazz, in fröhlicher Dreisamkeit huschen Hund, Hundebesitzer und Mountainbiker durch den Plabutscher Tann. Dürfen Menschen in Städten das, sollten die so?

Das war noch nicht alles: Schwitzende 18-jährige Mädchen und ebenso altrige Chippendales räkeln sich in der Auslage und bewegen sich zu aufwühlender zeitgenössischer Musik, die Plätze an der vordersten Front sind hart erkämpft. Fußgänger und Radfahrer sind angehalten zu starren und zu glotzen. Amsterdam? Reeperbahn? Mitnichten: ein Fitnesscenter am Hauptbahnhof mit dem richtigen Konzept für Bedürfnisse.

Frisch und jugendlich zeigen sich die vier Flüsse des Hauptplatzbrunnens, befreit vom Eise, im Grazer Becken blühet Hoffnungsglück. Die Standler erfeuen sich ob der Touristenströme und verkaufen Waren aus entlegendsten Gegenden an alle Nationen dieser Erde.

Wenn da nicht die vielen Fremdwörter wären: „Gentrifizierung“ etwa ist das große Wort der sozioarchitektonisch Geschulten. Was wohl damit wieder gemeint ist?

Wem gehört der öffentliche Raum? Wohl nicht nur jenen, die einen Parkschein gelöst haben.

Vertreibung ist der erste Schritt, die Durchsetzung merkantiler Interessen der zweite, was dann kommt, möchte man sich nicht ausmalen. Nichts Eintönigeres kann und darf passieren, als dass unsere steirische Heimathauptstadt sich zu einem Gradec zurückentwickelt, einer kleinen slawischen Burg, das wäre echt öd, oida.

Daher eine kleine Bitte an alle nachhaltigen Stadtentwickler/innen: Der zukünftige Raum darf alles sein, nur nicht fad.

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