Zur Startseite MEGAPHON

Jede Stimme zählt

Von: Nina Popp

Anders als in Deutschland, Frankreich und weiteren 14 EU-Ländern hat Österreich die UN-Konvention zum Schutz der Rechte behinderter Menschen ratifiziert. Damit sie dieses Recht in Anspruch nehmen können, wird direkte Demokratie trainiert.

Seit er wahlberechtigt ist, hat Martin Raith gewählt. In der Gemeinde, im Land und auf nationaler Ebene. Wem er seine Stimme gibt, will er für sich behalten. Was seine Entscheidung bestimmt? „Was die Parteien für die Rechte Behinderter tun.“ Der 21-Jährige, der aufgrund spastischer Tetraplegie im Rollstuhl sitzt, verfolgt das Geschehen auch zwischen den Wahlen genau.

Oft genug ärgert er sich, hat er das Gefühl „Da passiert nix“, obwohl er sich regelmäßig zu Wort meldet. In der monatlichen Gesprächsrunde der Tageswerkstätte im Mosaik, wo unter anderem politische Themen debattiert werden. Als Teilnehmer an einem EU-Projekt, bei dem er auch in Brüssel und London die Situation behinderter Menschen zur Sprache gebracht hat. Wenn er per E-Mail nachhakt, direkt bei den politisch Verantwortlichen. Politik war in der Familie immer ein Thema.

Politisches Bewusstsein im Elternhaus und politische Bildung nennt Ursula Vennemann, Präsidentin der Lebenshilfe Graz und Umgebung, als wesentliche Voraussetzungen dafür, dass behinderte Menschen ihr Wahlrecht wahrnehmen – können. Ihr Sohn Thomas wählt seit dem 18. Lebensjahr. Der junge Mann mit Down Syndrom hat gelernt, seine Meinung zu formulieren und zu diskutieren.

Nicht selbstverständlich, denn Menschen mit Behinderung, so die Expert/innen, nutzen ihr Wahlrecht oft nicht, weil sie es nie gelernt haben. Sie brauchen Informationen zu Personen, Parteien und Programmen und verständliche Antworten auf Fragen wie: Wie wähle ich gültig? Und wo?

Schon vor einigen Jahren hat die Lebenshilfe in einem Leitfaden das Thema Schritt für Schritt erklärt. „Wir haben die Wahl“ macht in einfachen Texten, Zeichnungen und Grafiken klar, worum es geht. Parallel dazu wurden methodisch-didaktische Tipps für Mitarbeiter/innen von Behinderteneinrichtungen zusammengefasst, die Medienarbeit einschließen. Gute Dienste tut auch der Methodenkoffer als Instrument für die Wahlen im eigenen Hause, wenn die Sprecher/innen der Werkstätten und Senior/innengruppen gewählt werden, bestätigt Barbara Wedenig, Mitarbeiterin der Lebenshilfe. Mit allem, was dazugehört: Wahlkommission, Urne, Wahlkarten, bei Diskussionen und Abstimmungen in den Einrichtungen der Lebenshilfe.

„Das Wahlrecht ist gerade für Menschen mit Behinderung ein wichtiges Grundrecht“, ergänzt Wedenig, „weil sie sich dadurch mit all ihren Einschränkungen artikulieren und engagieren können. Ein Recht auf Mitbestimmung, das nicht elitären Zirkeln vorbehalten sein darf.“

    Zum Seitenanfang   Zur Druckansicht   HOME  |  IMPRESSUM  
e-dvertising - Werbung, Webdesign, CMS, Fullservice
(Partner/Förderer)
(Anzeigen)