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Blick über den Gartenzaun

Von: Nina Popp

Die Intiator/innen von „Urban Furrows“ wollten Furchen im Programm der Kulturhauptstadt Marburg ziehen und haben Ideen für ressourcen-schonende Selbstversorgung im Umkreis der ehemaligen Industriestadt gesät.

Haselnuss und Heckenrosen, Himbeeren und Ribisel sind gut angewachsen. In ein paar Jahren werden die Ranken über den neuen Zaun hinausschauen und die Beeren nicht nur den Kindern innerhalb des Gartens schmecken. Auch jene, die die Früchte auf ihrer Runde am Stadtrand von Marburg entdecken, sollen ihre Freude haben. So will es das Konzept der Gemeinschaftsgärten in Boroca Vas. Zwar geht es ums Essen und darum, den „Weg vom Bauerhof zur Gabel abzukürzen“, wie Marta Gregorcic, die Programmverantwortliche von Urban Furrows bei Maribor 2012 meint. Doch da ist noch mehr.

Im Frühling wurde auf dem Brachland nahe der großen Wohnsiedlungen erstmals umgegraben, die Vorarbeiten an dem Projekt reichen aber Jahre zurück und basieren auf den Beiträgen von Wissenschafter/innen und Fachleuten aus den Bereichen Agronomie und Anthropologie, aus Soziologie und Sozialarbeit, Verkehrsplanung und Visuelle Kommunikation. Sie erhoben die speziellen Bedürfnisse der Menschen in den Randbezirken der ehemaligen Industrie- und nunmehr europäischen Kulturhauptstadt.

Aus den Ergebnissen entstand ein Konzept mit dem sperrigen Titel „Städtische Furchen“, das über das Jahr 2012 hinauswirken soll. Nachhaltig eben. In einem Land, in dem die Selbstversorgungsrate von 70 auf 30 Prozent geschrumpft ist und vor allem in der Stadtrandlage, in der sich der Großteil der Bevölkerung mit Billigprodukten versorgt. Über den Gartenzaun hinaus soll die Idee das Bewusstsein für gesunde Ernährung stärken und gleichzeitig den Weg zu erschwinglichen Bio-Produkten aufzeigen. Soll altes Wissen um autochthone Obst- und Gemüsesorten mit einer Samenbank wieder in Umlauf bringen und vergessene Kulturformen in Erinnerung rufen. Paradeiser, Isabella-Trauben oder Ribisel statt wässriger Importware.

Im Biogarten von Boroca Vas steht das Verständnis für ressourcen-schonenden Obst- und Gemüsebau, der Bau von Pergola und Regenwasserreservoir klar im Vordergrund. Von diesen Basics war daher auch bei den Workshops am Beginn des Jahres die Rede. Damit das kollektive Garteln gelingen konnte, beschäftigten sich die Teilnehmer/innen ebenso mit Konfliktvermeidung und Teamarbeit.

Nachhaltige Kooperation ist der Schlüsselbegriff aller sieben anderen Initiativen, die unter dem Kürzel „Urban Furrows“ zusammengefasst sind und sich an die unterschiedlichsten Zielgruppen richten: von einem Beschäftigungsprojekt, das Arbeitslosen aus der Bauindustrie das notwendige Computer-Know-how vermittelt, über Bildungsarbeit für Roma bis zu einem Projekt, bei dem Landwirt/innen in den nahegelegenen Dörfern Schulen und Kindergärten der Umgebung mit frischen Lebensmitteln versorgen. Im Zentrum für alternative und autonome Produktion (CAAP) sollen sie künftig unter einem Dach Platz finden.

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