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Mosambik. Das Kapital meidet die Dörfer

Von: Werner Schandor

Rund 500.000 Österreicherinnen und Österreicher leben im Ausland. Einer von ihnen ist Wolfgang Peuerboeck, Entwicklungshelfer in Mosambik. Im Vorfeld der Jahrestagung der Auslandsösterreicher, die Anfang September 2012 in Graz stattfindet, trafen wir ihn zu einem Gespräch, in dem es um seine zweite Heimat, die Globalisierung und Entwicklungshilfe geht.

Es ist ein heißer Tag in Graz. Wolfgang Peuerboeck ist auf Heimaturlaub. Der 1955 geborene Maschinenbauingenieur hat schon einige interessante berufliche Stationen hinter sich: etwa als technischer Evaluator für Wasserversorgungsprojekte in Burkina Faso, als Entwicklungshelfer in Papua Neuginea oder als Steiermark-Sekretär von Amnesty International in den 1980er-Jahren. Auf Bildern ist Peuerboeck stets in schwarzer Kleidung zu sehen. Und so kommt er auch zum Gespräch: in Schwarz von der Baskenmütze bis Jean. – Wird das nicht etwas heiß in Afrika? Der Entwicklungshelfer lacht und erklärt, dass er in Mosambik
oft in den Bergen unterwegs ist, da sei Hitze kein Problem.

Mosambik war als portugiesische Kolonie in den 1960er- und 70er-Jahren in einen blutigen Unabhängigkeitskampf verwickelt. Wolfgang Peuerboeck war als Student in Graz einer jener Menschen, die 1974 in Europa zahlreich auf die Straße gingen, um die portugiesische Nelkenrevolution zu unterstützen. Nach dem Fall der Diktatur entließ Portugal 1975 auch seine Kolonien Angola und Mosambik in die Unabhängigkeit. Im Land am Indischen Ozean jedoch folgte ein Bürgerkrieg, der bis 1992 wütete und den jungen Staat wirtschaftlich und gesellschaftlich in den Ruin führte.

Und heute, 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg? – „Mosambik ist wie die meisten Länder südlich der Sahara globalisiert, d. h., es gibt Kapital, es gibt die großen Firmen, aber man spürt kaum eine sozial-ökonomische Entwicklung“, analysiert Peuerboeck, der seit 1999 in Mosambik tätig ist. „Im Vergleich zum Kolonialismus der 1960er/70er-Jahre, wo man ein bisschen was aus dem Land getragen hat, werden heute im großen Stil Ressourcen ausgebeutet und ausgeführt, zum Beispiel Tropenhölzer, Kohle oder Erdgas.“ – Das Problem sei, dass das Geld, das multinationale Unternehmen ins Land bringen, nicht zu den Leuten finde, in deren Regionen die Rohstoffe lagern. Die Folge: Die Kluft zwischen Reich und Arm wird unter den 23 Millionen Einwohner/innen Mosambiks immer größer; vor allem die ländliche Bevölkerung leide unter großer Armut.

Und auch die internationale Hilfe, die Mosambik nach wie vor erhält, komme in den ländlichen Regionen oft nicht an. „Das Ende der Armut in Mosambik beginnt in den Dörfern“, ist Peuerboeck überzeugt: „Das heißt, wenn es gelingt, Motivation zu erzeugen und Wissen zu vermitteln, dass die brachliegenden Felder wieder bebaut werden, dann könnte etwas entstehen.“ Seit 2009 ist der Maschinenbau-Ingenieur für die österreichische Entwicklungshilfeorganisation Horizont 3000 tätig. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt zurzeit im Bau von mit Solarenergie gespeisten Wasserversorgungsanlagen und von kleinen Wasserkraftwerken zur ländlichen Elektrifizierung.

Wie lebt es sich eigentlich als Entwicklungshelfer? – „Das Bild des Entwicklungshelfers ist ein romantisches in Europa, das aber nicht der Realität entspricht“, antwortet Peuerboeck. „Entwicklungshilfe ist eine anspruchsvolle und oft auch anstrengende und belastende Tätigkeit. Man ist einem hohen gesundheitlichen Risiko ausgesetzt, immer wieder auch sozialen Ungerechtigkeiten und Willkür. Aber gut, dafür verdient man nichts, und so gleicht sich das wieder aus … [lacht]. Aber ich bin nicht ausgezogen, um Geld zu verdienen; es ist vielmehr ein solidarischer Akt, den ich schon früh gesetzt habe. Das ist meine Vision von einer gerechteren Welt und mein solidarischer Beitrag dazu.“ Kern- und Angelpunkt, damit sich auch die Lage der Menschen in den Entwicklungsländern verbessert, ist für Peuerboeck, dass sich der Gedanke der Menschenrechte weiter ausbreitet und in den Köpfen aller Menschen festsetzt: „Wenn jeder Mensch versteht, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind, und wir uns alle selbst regieren in einem demokratischen politischen Feld, dann meint das gleichzeitig, dass jede/r Einzelne an dem Prozess demokratischer Selbstregierung gleichermaßen beteiligt ist.“ Möchte man nicht manchmal verzweifeln, wenn man sieht, wie in vielen Ländern die Menschenrechte mit Füßen getreten werden? Nein, meint der Entwicklungshelfer: „Ich denke, es gibt Fortschritte in der Umsetzung von Menschenrechten. Wenn man die Entwicklung von 1948 bis heute anschaut, erkennt man zumindest, dass die Menschenrechte zur grundlegenden, weltweit gültigen politischen Idee geworden.

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