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„Die Mehrheit der Österr eicher/innen ist dafür“

Von: Gerlinde Pölsler

Die Initiative SOS Mitmensch kämpft dafür, dass Asylsuchende arbeiten, eine Lehre machen dürfen und in guten Übergangswohnungen untergebracht werden. Und immer mehr Österreicher/innen unterstützen sie dabei.

Nach spätestens sechs Monaten Wartezeit sollen Asylwerber/innen eine Arbeit suchen oder eine Lehre
machen können, fordert die Initiative „Machen wir uns stark“ von SOS Mitmensch, dem Integrationshaus und M-Media. Unterstützt wird diese von der Gewerkschaft, der Wirtschaftskammer und der Industrie sowie von den Grünen und einzelnen Politiker/innen der SPÖ und ÖVP. Die Online-Petition haben seit Mai 8.300 Menschen unterzeichnet. Einen Erfolg erreichte die Kampagne bereits: Unter 18-jährige Asylwerber/innen dürfen seit Kurzem eine Lehre in Bereichen, in denen es Lehrlingsmangel gibt, absolvieren. Alexander Pollak von SOS Mitmensch erklärt die Hintergründe.

Herr Pollak, wie ist die Arbeitssituation von Asylsuchenden derzeit?

Alexander Pollak: Sie erhalten nach drei Monaten Zugang zum Arbeitsmarkt – aber nur theoretisch. Praktisch besteht eine fast gänzliche Arbeitsmarktblockade. Seit 2004 dürfen nur mehr kurzfristige Beschäftigungsbewilligungen für Saison- und Erntearbeit ausgestellt werden. Das wird aber eher selten genützt, denn im Gegenzug fällt man aus der Grundversorgung und verliert Anspruch auf eine Wohnung. Das ist eine sozial prekäre Nicht-Lösung.

Sie sagen, wenn Asylsuchende arbeiten dürften, wäre das für alle gut.

Pollak: Ja, es nützt niemandem, wenn in Österreich Menschen leben, die keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Viele Asylsuchende müssen oft Jahre auf den Ausgang ihres Verfahrens warten. In der Zeit werden sie von Sozialleistungen abhängig gemacht und dequalifiziert. Wenn sie dann endlich arbeiten dürften, ist es extrem schwer, wieder etwas zu finden. Laut einer Umfrage des UNHCR ist übrigens die Mehrheit der Österreicher/innen dafür, dass Asylsuchende arbeiten dürfen.

Vielen Asylsuchenden fehlt es noch an Deutschkenntnissen, die sie für einen Job aber bräuchten – was tun?

Pollak: Von staatlicher Seite werden für Asylsuchende keine Deutschkurse angeboten. Sie können sie sich nur selbst bezahlen, und dazu fehlen meist die Mittel. Daher fordern wir auch, dass Asylwerber/innen Zugang zu Qualifikationsmaßnahmen inklusive staatlicher Förderung erhalten.

Sie kritisieren auch die Unterbringung vieler Asylwerber/innen. Was sind die ärgsten Mängel?

Pollak: Die Überbelegung von Traiskirchen, die Leute verweilen viel zu lang in dieser Massenunterkunft, vor allem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Von anderen Quartieren hören wir, dass manchmal sechs Personen auf 15 Quadratmetern wohnen, es Schimmel gibt und am Abend fast gar nichts mehr zu essen. Ein großes Problem ist, dass unabhängige Organisationen oft keinen Zutritt zu den Quartieren erhalten, um Kontrollen durchzuführen.
Natürlich kommt es immer darauf an, wer die Unterbringung betreibt, Caritas oder Diakonie bieten durchaus zusätzliche Leistungen an. Leider gibt es aber auch Betreiber, denen es hauptsächlich um den Profit geht. Wobei die Kostensätze, die die Quartiergeber erhalten, seit 2004 unverändert niedrig geblieben sind. Aber auch die Mietkostenzuschüsse für Asylsuchende, die sich privat etwas suchen müssen, sind dermaßen niedrig. So wird die Quartiersuche immer schwieriger.

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